Neue Pfarrerin

Susanne Winkler: Die Menschen begleiten

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Susanne Winkler ist die neue evangelische Pfarrerin.

Heusenstamm - Leipzig, Stralsund, Paris, Berlin und Philadelphia: Susanne Winkler hat schon in vielen Städten gelebt. Anfang Januar hat die 33-Jährige die freie Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde übernommen. Von Claudia Bechthold

Am Sonntag, 20. Januar, um 10 Uhr, wird sie mit einem Festgottesdienst in der Kirche in der Frankfurter Straße 80 von Dekan Carsten Tag offiziell in ihr neues Amt eingeführt. Sie ist in einem Pfarrhaus aufgewachsen. Ihre Mutter war lange Zeit als Pfarrerin tätig, bevor sie in die Erwachsenenbildung wechselte. Und sie kommt aus einem musikalischen Haushalt. Ihr Vater ist Sänger (Bass) und singt im Opernchor des Theaters Vorpommern in Stralsund und Greifswald. Die Voraussetzungen für den Pfarrberuf waren für Susanne Winkler also bestens. Die Entscheidung, Theologie zu studieren, hat sie aber in Paris gefällt: „Dort hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, Menschen begleiten zu wollen von der Taufe bis zur Bestattung; dazu beitragen zu wollen, dass Gemeinschaft gelingt, Dinge selbstverantwortlich gestalten zu können und für alle Generationen da sein zu können.“

Seit 1. Januar hat die 33 Jahre alte Susanne Winkler nun eines der beiden Pfarrämter der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm mit mehr als 3600 Mitgliedern inne. Sie teilt sich die Arbeit mit Anne Daur-Lyrhammer, die seit zwei Jahren in der Gemeinde ist. Am Sonntag, 20. Januar, beginnt um 10 Uhr in der Kirche an der Frankfurter Straße ein Festgottesdienst zu ihrer offiziellen Einführung in das Amt.

1979 in Leipzig geboren, zog Susanne Winkler als Achtjährige mit ihren Eltern und den beiden Brüdern nach Steinhagen nahe Stralsund. In Stralsund hat sie dann auch ihr Abitur abgelegt. Danach ging sie erst einmal für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen nach Paris. Nach der Entscheidung für die Theologie folgte dann Berlin als erster Studienort. In Leipzig wollte sie das Studium fortsetzen, doch dann wurde ihr angeboten, für ein Jahr nach Philadelphia zu wechseln.

Irritiert vom US-Patriotismus

Die Zeit in Philadelphia empfand sie als etwas „bizarr“. „Es war ein Jahr nach den Anschlägen auf das World Trade Center, als ich dort ankam, Präsident Bush hatte gerade das Recht der USA auf Präventivschläge verkündet“, berichtet sie. Der Patriotismus der US-Amerikaner, den sie dort erlebt hat, hat sie irritiert. „Alle liefen mit den gleichen T-Sirts herum. Und wir waren froh, dass wir nicht mehr alle die gleichen Halstücher tragen mussten.“ Gefallen hat ihr dort das sehr praxis-orientierte Studium.

Nach dem Jahr in den USA und weiteren Semestern in Berlin sowie dem Examen fand sie eine Vikariatsstelle in Kranichstein an einem ökumenischen Gemeindezentrum. Das Pfarrvikariat hat sie in Altenstadt in der Wetterau absolviert, wo sie dann auch ihre erste Pfarrstelle hatte. Dort ließ sie sich auch zur Notfallseelsorgerin ausbilden. Obwohl sie erst zehn Jahre alt war, als die Mauer fiel, hat ihr Aufwachsen in einem Pfarrhaus zu DDR-Zeiten Spuren hinterlassen. „Wir Kinder hätten nie Abitur machen können“, weiß sie. Das sei vor allem für ihre Eltern eine große Belastung gewesen. Auch deshalb ist sie dankbar, dass es heute so ist, wie es ist.

Privat ist Susanne Winkler verheiratet. Ihr Mann Markus ist Bauingenieur und als Bauleiter für eine Aschaffenburger Firma tätig. Gemeinsam laufen sie gern, fahren Ski und tanzen. Und sie liebt Musik, Bach vor allem. „Schön, dass es die Kantorei gibt.“ Auf ihr Amt in Heusenstamm ist sie gespannt, auf die Menschen und auf die Aufgaben. Sie freut sich darüber, dass sie Stück für Stück reinwachsen kann in die Schlossstadt.

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