Weitere Video-Kameras sollen installiert werden

Fahrrad-Klau am Bahnhof?

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Kleine Schilder (zum Beispiel unter dem Tempo-30-Schild) machen nicht nur Bösewichte rund um den Bahnhof auf die Video-Überwachung aufmerksam. Demnächst sollen zwei weitere Kameras dazukommen.

Heusenstamm - Immer mehr Fahrräder würden vor allem am S-Bahnhof gestohlen, beklagt Rudolf Schmidt, Leiter der Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in der Schlossstadt. Als Grund vermutet er unter anderem die „falsch installierte“ Video-Kamera an den Fahrradständern. Von Claudia Bechthold 

Immer häufiger melden sich Flüchtlinge in der Fahrradwerkstatt und berichten, dass ihre Räder, die sie für einen geringen Betrag erhalten haben, gestohlen worden seien, berichtet Rudolf Schmidt, der die Hilfseinrichtung mit Sitz auf dem Gelände des St. Cäcilia-Pfarrheims leitet. Als Ort nennen sie häufig die Abstellflächen am S-Bahnhof. „Als Erinnerung an das gestohlene Eigentum bleiben dann nur die zerschnittenen Kabelschlösser und der Ärger darüber zurück, nun nicht mehr so einfach wie bisher zum Sprachunterricht oder zum Einkauf fahren oder auch das Kind im Kindersitz in den Kindergarten bringen zu können“, klagt Rudolf Schmidt. Dabei stößt dem ehrenamtlichen Helfer auf, dass diese Diebstähle offensichtlich vergleichsweise häufig mit dem Bahnhof an einem Ort geschehen, der – zumindest nach den Hinweisschildern zu urteilen – rund um die Uhr per Video überwacht wird.

Schon vor einiger Zeit habe er daher eine Anfrage an die Stadt gerichtet, wie es möglich sei, dass ausgerechnet dort so viele Räder gestohlen würden. Die Video-Kamera an den Fahrrad-Ständern sei falsch installiert, habe er damals als Auskunft erhalten.

Tatsächlich aber kann die Polizei ein Ansteigen von Fahrraddiebstählen am Heusenstammer Bahnhof nicht bestätigen. Seit Anfang Dezember seien aus der Schlossstadt sieben solcher Anzeigen eingegangen, berichtete gestern Andrea Ackermann, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen, auf Anfrage. Nur eine dieser Anzeigen beziehe sich auf den Standort Bahnhof. Zudem habe man von der Polizeistation erfahren, dass in der vergangenen Woche an der Videokamera gearbeitet worden sei.

Das wiederum wundert Rudolf Schmidt nicht: „Die Betroffenen kommen eher zu uns, weil sie sich zum einen nicht so gut verständigen können, auch nicht auf Englisch, und weil sie andererseits Angst vor Behörden und der Polizei haben.“

Auch Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu vermutet, dass nicht alle Diebstähle angezeigt werden. Allerdings weist er die Aussage mit der falsch installierten Kamera zurück. Da müsse Schmidt etwas falsch verstanden haben. Richtig sei nur, dass es einen toten Winkel gebe, der technisch bedingt sei. Das aber werde man verbessern, sobald der städtische Haushalt von übergeordneter Stelle genehmigt sei. „Im Etat ist die Beschaffung zweier zusätzlicher Videokameras vorgesehen, die wir auf beiden Seiten des Bahnhofs anbringen lassen wollen“, verspricht der Ordnungsdezernent.

Aber auch Rudolf Schmidt und sein Team wollen mehr tun, um diese Diebstähle künftig zu verhindern. So sollen gespendete Räder, die in der Werkstatt aufgearbeitet wurden, künftig alle fotografiert und mit Angaben wie der Rahmennummer notiert und dem neuen Eigner zugeordnet werden. „Wenn dann zum Beispiel wieder einmal im Fundbüro so ein Drahtesel landet, kann man ganz schnell feststellen, ob es eines der Gefährte aus unserer Werkstatt ist“, meint der Werkstatt-Leiter.

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