Immer an der frischen Luft

Biologische Rinderzucht auf dem Hofgut Patershausen

+
Klaus Ommert mit Kundinnen im kleinen Hofladen des Guts Patershausen.

Heusenstamm - 1989 haben Klaus und Ingrid Ommert das Hofgut Patershausen übernommen. Seitdem bewirtschaften sie den Hof nach biologischen Grundsätzen. Von Claudia Bechthold 

Dabei haben sie sich auf Viehwirtschaft spezialisiert, die sie seit fast zehn Jahren sogar mit dem strengen Demeter-Siegel betreiben. Die Landwirtschaft steckt ihm im Blut. Das sagt Klaus Ommert selbst. Deshalb hat er es auch nicht lange ausgehalten in einem Ingenieurbüro, in dem Klimaanlagen und Heizungen geplant wurden. Obwohl er auch zu dieser Zeit neben dem erlernten Beruf immer auch auf dem Hof seiner Eltern in Oberkalbach in der vorderen Rhön mitgearbeitet hat, war für ihn klar, dass er irgendwann zum Vollerwerbs-Landwirt werden wollte. Mit Mitte 30 hat er diesen Schritt dann gewagt. „Das ist für mich eine erfüllende Tätigkeit“, betont er.

Auf biologische Landwirtschaft hat er den elterlichen Hof schon 1979 umgestellt. Die intensive Bewirtschaftung mit immer mehr „Hilfsmitteln“ war nicht sein Weg, wie er sagt. „Auch die wachsende Abhängigkeit von der chemischen Industrie hat mich gestört.“ Deshalb ist er zunächst in den Anbauverband „Bioland“ eingetreten, den heute größten ökologischen Verband dieser Art.

Auf einer Messe ist er dann später auf einen Flyer des Demeter-Verbandes gestoßen. Was er da gelesen hat, hat ihm so gut gefallen, dass er sich gleich für den Lehrgang angemeldet hat. Seit fast zehn Jahren hält er sich nun an die Demeter-Grundsätze, deren Grundlagen die Ideen des Anthroposophen Rudolf Steiner sind. Demeter ist das biologische Siegel mit den höchsten Anforderungen in Deutschland, dessen Mitglieder der Verband als einziger auch kontrolliert. „Der vernünftige Umgang mit den Tieren ist mein Credo“, betont Klaus Ommert. Der Tierschutz stehe für ihn an oberster Stelle. Und: „Wenn man vernünftig mit den Tieren umgeht, bekommt man auch hochwertiges Fleisch.“

Etwa 160 Rinder hält die Familie Ommert, die auch den Hof in Oberkalbach noch betreibt. Es sind Tiere der Rassen Angus und Limousin, die ausschließlich als „Fleischrind“ gezüchtet werden. Frische Milch gibt es in Patershausen nicht, „die gehört den Kälbern“. Die Tiere leben das ganze Jahr über im Freien, gestreute Liegeflächen mit Strohballen als Windschutz bieten ihnen die Möglichkeit warm und geschützt zu liegen. Selbst der Stall ist offen, so dass die Rinder immer an der frischen Luft sind. „Das ist die Grundvoraussetzung für gesunde Tiere“, erläutert der Landwirt. Der Tierarzt komme nur zur gesetzlich vorgeschriebenen Überwachung auf den Hof.

Das schließt übrigens auch das Kalben ein. Die Kühe bringen ihre Kälbchen allein zur Welt. „Natürlich schauen wir nach den Tieren, wenn sich der Nachwuchs ankündigt“, versichert der 67-Jährige. Und manchmal machen auch Spaziergänger die Ommerts darauf aufmerksam, dass eine Kuh gerade ein Kalb bekommt. Wobei Klaus Ommert auch ein wenig warnt: „Die Angusrinder sind sehr mütterlich. Wenn ein Hund dem Kalb zu nahe käme, würde die Kuh den Hund hochwerfen.“ Demnächst will sich die Familie 80 bis 90 Schweine anschaffen. Aber mit der Zucht wollen sie noch warten.

Freilich wird auch Getreide angebaut auf dem Hofgut. Allerdings ausschließlich als Tierfutter. Nur im Gewächshaus wird ein wenig Gemüse - Tomaten - gezüchtet. Mais und Kartoffeln haben die Ommerts aufgegeben - wegen der vielen Wildschweine. Stolz ist Klaus Ommert auf die Grundwasserwerte im Einzugsgebiet von Patershausen. Denn die Nitratwerte des Wassers sinken dort seit etwa 15 bis 20 Jahren permanent.

Geschlachtet wird auf dem Hof. Alle Mitarbeiter sind so ausgebildet, dass die Tiere vor dem Schlachten keinen Stress haben. Auch die Verarbeitung erfolgt dort. Eine eigene Räucherei und Reiferäume gehören dazu. Genutzt werden ausschließlich Naturgewürze und Himalayasalz. Geschmacksverstärker, Allergene und Glutamat gebe es nicht. Lediglich Pökelsalz werde verwendet, aber in geringeren Anteilen als üblich.

Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung sowie Produkte anderer Biohöfe verkauft die Familie im Hofladen. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet“, sagt der Landwirt. Und es scheinen etliche Hobbyköche unter den Kunden zu sein, denn „wenn der Schuhbeck im Fernsehen zum Beispiel Markknochen nutzt, sind die bei uns ausverkauft“. Außerdem gibt es noch den Sommergarten, der eröffnet wird, sobald das Quecksilber die 20-Grad-Marke geknackt hat, spätestens aber am 1. Mai. An Ostern werde er noch geschlossen bleiben, habe man beschlossen. Eigene Produkte gibt es auch dort jeweils sonn- und feiertags von 11 bis 19 Uhr. Und - ganz neu - auch Eis im Becher.

Die drei Kinder von Ingrid und Klaus Ommert sind zumindest an der Landwirtschaft interessiert. Sohn Jens studiert, betreibt daneben aber den Hof in Oberkalbach. Auch Tochter Eva studiert, hat sich bislang noch nicht festgelegt. Einzig Tochter Isabelle wird nicht in die elterlichen Fußstapfen treten. Sie ist Ärztin geworden. Der Hofladen, der über die offizielle Zufahrt von der L 3001 nach Dietzenbach aus erreichbar ist, hat donnerstags von 15 bis 19 Uhr sowie freitags und samstags von 9.30 Bis 13 Uhr geöffnet.

Super ernährt mit Superfoods? - Heimische Alternativen

Kommentare