Filme machen Prüfung schwer

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Fahrlehrer Christoph Paul sitzt nicht nur am Steuer.

Heusenstamm - „Sie nähern sich einem beschrankten Bahnübergang. Wo müssen Sie warten, wenn Sie bei stockendem Verkehr auf dem Bahnübergang zum Stehen kommen würden? A) Unmittelbar vor den Schienen? B) Vor dem Andreaskreuz? C) In Höhe der Schranke?“ Von Claudia Bechthold

Klar, Heusenstammer Autofahrer können diese Frage aus dem Katalog für die Theorie-Prüfung zum Führerschein ohne langes Überlegen beantworten. Haben sie doch täglich ausreichend Gelegenheit, richtiges Verhalten an beschrankten Bahnübergängen zu üben. Die Frage zählt also zu den leichteren. Fahranfänger müssen sich aber darauf einstellen, dass das Bestehen der Theorie-Prüfung künftig schwerer wird.

30 Fragen müssen innerhalb einer halben Stunde beantwortet werden, erläutert der Schlossstädter Fahrlehrer Christoph Paul. Bis zum Jahr 2009 wurden den Fahrschülern dazu Papierbögen mit den Tests vorgelegt. „Da muss es Fälle gegeben haben, dass die 30 Fragen innerhalb von fünf Minuten komplett richtig beantwortet wurden“, weiß Paul von Prüfern des TÜV Hessen. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Fragen und Antworten auswendig gelernt worden waren. „Verstanden hatten diese Schüler die Regeln natürlich nicht.“

Um solchem Verhalten vorzubeugen, müssen die Prüfungen in den TÜV-Niederlassungen nun am Computer beantwortet werden. Damit können die Fragen nach dem Zufallsprinzip zusammengestellt werden. Gedruckte Bögen gab es zwar in vielen Variationen, aber die Zusammenstellung auf einem Bogen war stets gleich.

Lernen über das Internet

Seit Anfang dieses Jahres wird es aber noch schwerer. Denn nun können die Prüfer zusätzlich Fragen einstreuen, zu denen kurze Filmchen gezeigt werden. „In diesen Animationen werden alle möglichen Verkehrssituationen dargestellt“, beschreibt Christoph Paul diese Neuerung, die nach und nach bundesweit eingeführt wird. Der Fahrschüler kann sich das Filmchen zwei- oder dreimal ansehen. Erst dann wird ihm die Frage gestellt. Das Auswendiglernen der Prüfungsfragen und Antworten nutzt dann also nichts mehr. Im Gegenteil: Die Software ermöglicht es den Prüfern beim TÜV, die in den Animationen gezeigten Situationen mit wenigen Klicks am Computer zu verändern. Eine Antwort, die bei der einen Prüfung richtig war, kann also beim nächsten Termin falsch sein.

Dafür ist das Lernen für die Theorie einfacher geworden. „Das läuft nur noch über das Internet“, sagt Paul. Oder am internetfähigen Handy. Die Schüler melden sich auf einer Internetseite der Fahrschulen an, werden über die Fahrschule, bei der sie ihren Kurs machen, registriert, und dann geht es los. Die Schüler beantworten Testfragen. Und die Fahrschule kann jederzeit überprüfen, wie viel die Schüler lernen und wie sie bei den Antworten abschneiden. „Da kann man auch Spezialkandidaten mal dran erinnern, dass sie lernen müssen, wenn sie sich längere Zeit nicht eingeloggt haben.“

Führerschein kostet heute zwischen 1200 und 1500 Euro

Den Theorie-Unterricht macht dieses System aber nicht überflüssig. 14 Lektionen à 90 Minuten muss jeder Fahranfänger absolvieren. Dazu kommen die zwölf Pflicht-Fahrstunden und weitere Fahrstunden, je nach Können. 1200 bis 1500 Euro müsse man heutzutage anlegen, um den Führerschein zu machen.

Ob die Veränderungen Wirkung haben, muss sich zeigen. 2011 haben im Kreis Offenbach 2029 meist junge Menschen den Führerschein auf Probe erhalten. 319 Fahranfänger mussten während der zwei Jahre Probezeit ein Aufbau-Seminar besuchen.

Antwort B) „vor dem Andreaskreuz“ ist übrigens richtig. Wenn Sie Ihr Führerschein-Wissen überprüfen wollen, können Sie anhand unserer Klickstrecke (unten) tun.

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