Höhepunkt des Mathematik-Unterrichts

Rechnen lernen beim Flohmarkt

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Kaufen und Verkaufen lernen die Stifter-Schüler beim jährlichen Flohmarkt. - Foto: Petrat

Heusenstamm - Für die Schüler ist es der alljährliche Höhepunkt des Mathematik-Unterricht. Denn beim Flohmarkt in der Adalbert-Stifter-Schule können sie beweisen, wie gut sie schon rechnen können.

Sie dürfen nämlich ganz selbstständig ihre alten Spielsachen verkaufen, neue tolle Dinge bei anderen entdecken und dabei spielend Alltagsmathematik anwenden. Und die Grundschüler können spielerisch sogar noch etwas über Angebot, Nachfrage, Preisgestaltung und Werbung lernen. „Die brauchen uns jetzt nicht mehr“, erläutert Schulleiterin Christiane Knickel als es endlich losgeht. Darauf haben sich viele Kinder schon lange Zeit gefreut. Schnell stürzen die ersten Schüler mit ihren Decken los und wollen sich einen guten Platz für ihren Stand sichern. Wegen den schlechten Wetters findet der Flohmarkt im Schulgebäude statt.

Schnell ist die ganze Pausenhalle belegt und ein weiterer Flur wird für die kleinen Händler geöffnet. Manche haben den Standortfaktor dabei gut im Blick: „Ich sitze hier, da müssen alle vorbei die hier lang wollen“, lautet die Überlegung eines Jungen. „Geht weg vor meinem Stand!“, dirigiert eine junge Verkäuferin. „Ich sitze hier, ihr könnt euch nicht vor mich setzen“, ist das Mädchen besorgt, dass ihre Waren verdeckt werden. Plüschtiere, Kartenspiele, Spielfiguren und Bücher – das Angebot ist groß. Und auch die Verkaufsstrategien. „Willst du Lego kaufen?“, preist der eine seine Spielsachen lautstark an. Andere besinnen sich auf die perfekte Präsentation. Akkurat und liebevoll werden die Bücher symmetrisch mit dem vorderen Buchdeckel aufgestellt und zu den Kunden ausgerichtet. Kleine handgeschriebene Preisschilder stehen davor.

1,70 Euro, 1,75 Euro und 1,90 Euro. Die Preisdifferenzierung war gar nicht so einfach, immerhin sind ein festes Budget für die Kinder und ein Höchstpreis von zwei Euro vorgegeben. Für einige der Kinder hat das Geld sichtbar eine Bedeutung. Sie überreichen das Euro-Stück mit großer Wertschätzung und nehmen auch das neu erworbene Spielzeug freudig und behutsam mit beiden Händen entgegen. Andere wiederum scheinen in den Geldstücken nur notwendiges Mittel zum Zweck zu sehen, lassen es auf die Decke fallen und haben nur noch das neu gekaufte Spielzeug im Blick. „Wie viel hast du schon verkauft?“, fragt ein Schüler seinen Nachbar nach gerade mal fünf Minuten. Der andere Junge antwortet enttäuscht: „Noch nichts.“ Aber da blieb noch viel Zeit.´„Das stellt alles andere in den Schatten“, ist Knickel vom Motivationscharakter des Flohmarktes begeistert. Damit alle gut vorbereitet sind, werden das Rechnen und der Umgang mit Geld vorher im Unterricht besprochen. Zudem helfen Kinder aus dritten und vierten Klassen als Paten den jüngsten Kindern an deren Stand. (pep)

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