Etwa hundert Flüchtlinge leben in Heusenstamm

Betten sind inzwischen aus

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Peter Jakoby, Kerstin Tomerius und Thomas Goniwiecha informierten über Flüchtlinge.

Heusenstamm - Das einzige, was man sicher sagen könne, sei, dass niemand weiß, wie es weitergeht. Bürgermeister Peter Jakoby hatte interessierte Bürger in den Saal für Vereine geladen, um über die Situation mit den Flüchtlingen zu informieren. Von Claudia Bechthold

Die 200 aufgestellten Stühle im Saal für Vereine wurden nicht benötigt. Nur gut 80 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um sich über das Thema zu informieren. Knapp hundert Asylberwerber leben derzeit in Heusenstamm, ließ der Verwaltungschef Zahlen sprechen, und erläuterte, das der größere Teil in der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises an der Industriestraße wohne, weitere Familien bereits in Wohnungen untergebracht werden konnten, und eine Wohnung in einem alten Haus nahe des Schlosses so weit instand gesetzt sei, dass darin weitere zehn Plätze zur Verfügung stehen.

Wie berichtet, werden jetzt insgesamt drei ehemalige Bürogebäude an Borsig- und Industriestraße so hergerichtet, dass sie als Unterkünfte genutzt werden können. Eines dieser Häuser könne schon Ende November bezugsfertig sein. Bis dahin aber müsse man voraussichtlich Woche für Woche weitere Menschen aufnehmen. Und nur für diese Zeit – bis der Umzug an die Industriestraße möglich wird – werde man gegebenenfalls den Spiegelsaal im Martinsee-Zentrum für diesen Zweck nutzen. Mit den betroffenen Vereinen habe man gesprochen und Alternativen angeboten.

Zum Glück, sagte Jakoby, habe man die Feuerwehr, die 30 funktionierende Feldbetten besitze. Denn: „Es gibt keine Feldbetten mehr. Betten sind aus. Und wenn man heute bei einem günstigen Möbelhaus anruft und fragt, ob noch günstige Betten auf Lager seien, sollte man sofort hinfahren, sonst schnappt sie einem eine andere Kommune vor der Nase weg.“

„Ich denke, wir sind als Christen verpflichtet, diesen Menschen auf der Flucht zu helfen“, betonte der Bürgermeister. Dankbar äußerte er sich über die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich schon jetzt als Paten oder Helfer der Asylbewerber engagieren. Die Fragen der Bürger drehten sich meist um Praktisches. Um weiterführende Sprachkurse etwa, die in Dreieich stattfinden. „Um dorthin zu gelangen, brauchen die Asylbewerber eine Monatskarte für 80 Euro, die sie aus ihrem kleinen Taschengeld bestreiten müssen“, berichtete eine Frau, die Patenschaften für Monatskarten vorschlagen wollte.

Diesen Widerspruch bestätigte gestern auch der Kreisbeigeordnete Carsten Müller auf Anfrage. Tatsächlich fordere jeder, die Menschen, die nach Deutschland kommen, müssten so schnell wie möglich Deutsch lernen. Deutschkurse anzubieten sei aber eine freiwillige Leistung, die der Kreis als „Schutzschirm-Kommune“ eigentlich gar nicht anbieten dürfe. Um das Fahrgeld zu vermeiden, berichtete Müller, hätten sich in anderen Gemeinden auch schon Freiwillige als Fahrer für Kursteilnehmer zur Verfügung gestellt. Man könne aber auch Kurse in den jeweiligen Städten geben.

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