Kaum etwas zu tun

Fotografin Clara Götz in Heusenstamm darf ihr Fotostudio weiterhin öffnen - Aber nur wenige kommen

Die Kamera hat Fotografin Clara Görtz im Moment nur selten in der Hand.
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Die Kamera hat Fotografin Clara Görtz im Moment nur selten in der Hand.

Für viele Selbstständige ist die Corona-Krise eine Bedrohung ihrer Existenz. Das gilt auch, wenn ihre Geschäfte geöffnet sind.

Heusenstamm – Die momentane Krise belastet jeden. Darunter auch Selbstständige, die um ihre Existenz bangen. Eine von ihnen ist beispielsweise Fotografin Clara Götz, seit 2014 arbeitet sie in ihrem eigenen Studio. Zwar öffnet sie ihr „Das Fotoatelier“ (Frankfurter Straße 43) noch, aber die Kundschaft bleibt aus – und damit auch die Einnahmen.

Sie mussten Ihr Geschäft zwischenzeitlich schließen, oder?

Ja, ob ich weiter geöffnet haben darf, war erst etwas unklar. Ich zähle als gelernte Fotografin zu den Handwerkern, die weiter ihre Dienste anbieten sollen. Ende März sollte ich dann doch das Fotostudio schließen. Dies wurde wenige Tage später aber wieder seitens der Behörden aufgehoben.

Das ist gut für Sie?

Dass ich wieder geöffnet haben darf, macht finanziell kaum einen Unterschied. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich nicht durch einen Passbildautomaten ersetzt werde.

Wie beeinflusst das Coronavirus Ihre Arbeit?

Die wenigen Kunden fragen nur noch für das Nötigste an – vor allem für Pass- oder Bewerbungsbilder. Aber in den fast sechs Jahren, die ich nun selbstständig bin, habe ich noch nie so selten das Telefon klingeln gehört.

Was für Vorsichtsmaßnahmen können Sie als Fotografin treffen?

Zum Beispiel habe ich das Studio nur noch nach Terminvereinbarung geöffnet. So kann ich sicherstellen, dass ich Kunden nacheinander empfange. Außerdem halten meine Kunden und ich Abstand – das lässt sich in der Fotografie gut einhalten.

Wie gehen Sie mit dem Risiko für sich und Ihre Kunden um?

Es ist schon eine Umstellung, wenn man auf Abstand bleiben muss. Inzwischen machen die Kunden das von sich aus. Auch die Gespräche fallen deutlich kürzer aus. Man beschränkt sich eben auf das Wesentliche – und gewöhnt sich doch recht schnell an die neuen Umstände.

Was bedeutet die Situation finanziell für Sie?

Finanziell ist die Krise ein Albtraum. Die Einnahmen fehlen und die Kosten laufen weiter. Bis Anfang März war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte, dass ich mir ein Bein breche und so länger verhindert wäre... eine Lappalie im Vergleich zur jetzigen Situation.

Seit dieser Woche können Unternehmen finanzielle Soforthilfe beantragen. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Wie die meisten anderen Selbstständigen vermutlich auch, habe ich sehr große Hoffnungen in die angekündigte Soforthilfe gesetzt. Doch jetzt, wo das Soforthilfepaket verfügbar ist, bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher.

Warum?

Der erste Anschein ist, dass wohl eher die wenigsten etwas davon sehen werden, denn die Voraussetzungen sind streng und werden wohl nur den Betrieben nützen, die sowohl geschäftlich als auch privat bereits jeden verfügbaren Cent ausgegeben haben. Unter Umständen wäre dann die Altersvorsorge, für die man als Selbstständiger selbst verantwortlich ist, in großer Gefahr.

Und das wäre...

Unfair. Jemand, der etwas angespart hat, wäre dazu gezwungen, erst alles auszugeben. Andere hingegen müssen sich um Häuser, Aktien oder Renteneinlagen, die um ein vielfaches wertvoller sein können, keine Sorgen machen. Aber es bleibt abzuwarten, was nun tatsächlich zutrifft. Man bekommt ständig neue Informationen zugetragen. Das kann einem in einer Zeit, in der alles so ruhig und friedlich scheint, doch schlaflose Nächte bereiten. Denn eines ist ganz klar. Ganz ohne Verluste werden wir wohl alle nicht aus dieser Krise rauskommen.

Das Interview führte Yvonne Fitzenberger.

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