Fasziniert von Ahnen und Historie

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Franz Stein an seinem Schreibtisch, an dem er viel Zeit verbringt.

Heusenstamm - So viel Rummel um seine Person mag Franz Stein eigentlich gar nicht. Er wirkt viel lieber im Hintergrund. Am heutigen Mittwoch wird er aber kaum vermeiden können, im Mittelpunkt zu stehen. Denn der gebürtige Heusenstammer wird heute 80 Jahre alt. Von Claudia Bechthold

Seine Vorfahren zählen zu den alteingesessenen Familien in der Schlossstadt. Etwa 1650 kamen seine Vorfahren zusammen mit anderen Familien aus dem österreichischen Murau an der Mur nach Heusenstamm. 1658, das ist belegt, hat ein Jörg Steiner - das „er“ ging später verloren - in Heusenstamm eine Holzamer geheiratet. So einiges hat Franz Stein über die Geschichte seiner Ahnen schon herausgefunden. Aber eigentlich ist das ein Projekt, das noch ansteht. Daran will er sich nun bald setzen.

Fast fertig ist dagegen seine „Geschichte der Genossenschaften in Heusenstamm“. Den erste Band hatte er 2003 veröffentlicht. Jetzt ist der zweite Teil beendet. Erscheinen wird das umfangreiche Werk voraussichtlich im Frühjahr. Ebenfalls aus seiner Feder stammt ein Buch über katholische Priester, die Heusenstammer sind.

Historisches fasziniert den Jubilar. In Archiven suchen nach Unterlagen und Belegen für die eine oder andere Vermutung. Das fesselt Franz Stein, damit kann er sich lange Zeit befassen. Und dies, obwohl es ihm eigentlich nicht an Beschäftigung mangelt.

Nach dem Abitur an der Offenbacher Leibnizschule hat Franz Stein bei der Hoechst AG Industriekaufmann gelernt. Nach Abschluss der Lehre 1954 bis 1995 hat er dann für dieses Unternehmen gearbeitet, davon 30 Jahre im Außendienst. „Als ich 1968 mit dem Außendienst angefangen habe, musste ich meine Mitarbeit in der CDU aufgeben, dazu fehlte einfach die Zeit“, sagt er rückblickend.

Das hielt Franz Stein jedoch nicht davon ab, für den Pfarrgemeinderat in der katholischen Gemeinde Maria Himmelskron zu kandidieren. Von 1971 bis 1995 hat er diesem Gremium angehört, die meiste Zeit davon als Vorstandsmitglied. Zudem gehörte er von 1971 bis 1992 dem Verwaltungsrat der Gemeinde an.

Seit 1964 sind die Steins die Nachbarn des Pfarrers

Sein Engagement für Maria Himmelskron begann aber schon früher, 1964 nämlich, als er mit seiner jungen Familie in das neu gebaute Haus an der Marienstraße einzog. Exakt gegenüber vom Pfarrbüro hatten sich die Steins niedergelassen. „Seitdem war ich der Nachbar des Pfarrers“, erläutert er mit einem Schmunzeln. Wann immer irgendwie Hilfe gebraucht wurde, Franz Stein und seine Familie waren die ersten, die um Rat oder Unterstützung gefragt wurden.

1960 hatte er Pia Wade geheiratet. Vier Kinder - und acht Enkel - sind der ganze Stolz des Ehepaars. Sohn Franz ist promovierter Chemiker. Tochter Pia hat das Herstellen von Druckvorlagen gelernt, arbeitet heute aber in einem Büro. Tochter Christina ist Bankkauffrau, führt inzwischen das Pfarrbüro in Himmelskron. Und Sohn Bernhard hat Grafik und Design studiert und ist in einer Werbeagentur tätig.

Als ob dies alles nicht schon genug wäre - Franz Stein hat es noch nicht gereicht. So ist er seit fünf Jahren stellvertretender Schiedsmann für die Stadt Heusenstamm und schlichtet als solcher zum Beispiel Nachbarschaftsstreitigkeiten. Mehr als 20 Jahre gehörte er dem Aufsichtsrat der heutigen Volksbank Maingau und deren Vorgänger an. Seit 20 Jahren wirkt er mit im Vorstand der Heusenstammer Sterbekasse. Und seit 1995 ist er in der Jagdgenossenschaft Heusenstamm aktiv.

Seine ehrenamtliche Hauptbeschäftigung ist seit 1992 die Geschäftsführung des so genannten Gesamtverbandes der Katholischen Kirchen Heusenstamm. Gegründet wurde der Verband Ende der 60er Jahre, als der Besitz der katholischen Kirche in der Schlossstadt auf die alte Gemeinde St. Cäcilia und die neue Gemeinde Maria Himmelskron aufgeteilt werden sollte. Da man sich damals darüber nicht einigen konnte, hat der Mainzer Bischof Hermann Volk die Gründung jenes Gesamtverbandes verfügt, um das Vermögen beider Gemeinden zu verwalten. „Das ist eigentlich ein Vollzeit-Job“, meint Franz Stein. Seinen Nachfolger, den es noch nicht gibt, müsste man eigentlich voll bezahlen. Neben viel buchhalterischer Arbeit kümmert sich der nun 80-Jährige auch um die Vermietung der nicht geringen Anzahl von Wohnungen.

Wenn Franz Stein demnächst den zweiten Teil der Genossenschafts-Geschichte in Heusenstamm abschließt, wird ihm sicher nicht langweilig. In seinem Keller schlummert ein Zeitungsarchiv aus der Zeit zwischen 1945 und 1961, das neu geordnet werden will.

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