Religiöse Denkmäler und Umfeld verwüstet

Frust über Kreuz-Vandalen

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Die Eheleute Gluth pflegen das Feldkreuz am Niederröder Weg.

Heusenstamm - Es sind stumme Zeugen des Glaubens, die Weg- und Feldkreuze, die im gesamten Ortsgebiet von Heusenstamm zu finden sind. Rund um die historischen Sandsteinkreuze findet man zudem kleine Grünflächen, die von Ehrenamtlichen gepflegt werden. Jenes am Niederröder Weg wird immer wieder verwüstet. Von Jürgen Roß 

Der Schrecken war groß, als die Eheleute Gluth Anfang Februar feststellen mussten, dass die kleine Grünanlage rund um das Feldkreuz am Niederröder Weg verwüstet war. Die Blumenschale lag am Boden, das Hinweisschild des Regionalparks war aus der Verankerung gerissen und ein Teil der Umzäunung niedergetreten. „Es sah schlimm aus“, beschreibt Eddie Gluth und zeigt Bilder, die er mit seinem Smartphone aufgenommen hat. Seit 22 Jahren pflegen die Eheleute ehrenamtlich die Anlage. „Wir haben damals Pfarrer Ludwig gefragt, wer sich um das Kreuz kümmert“, erzählt Gluth. Schnell war klar, dass das Wegkreuz am Niederröder Weg eine fürsorgliche Betreuung benötigt. „Damals haben wir erst einmal einiges Gestrüpp zurückschneiden müssen und dann einen kleinen Zaun errichten lassen, damit die Fläche rund um das Kreuz nicht ständig verwüstet wird“, berichtet er.

Das Sandsteinkreuz trägt die Jahreszahl 1722 und zählt zu den ältesten Wegkreuzen in Heusenstamm. Seinen ursprünglichen Platz hatte es wohl an der Straße nach Rembrücken und könnte aus seiner fast 300-jährigen Geschichte so einiges erzählen. Heute gehört das alte Sandsteinkreuz wie alle anderen Wegkreuze in der Stadt der katholischen Pfarrgruppe Heusenstamm. „Früher gab es immer eine Prozession nach Patershausen, die an dem Wegkreuz am Niederröder Weg eine Station gemacht hat“, weiß Eddie Gluth noch. Heute sind eher die innerstädtischen Wegkreuze bei den Fronleichnamsprozessionen noch von Bedeutung. „Wir haben immer wieder mit Vandalismus an den Wegkreuzen zu tun“, bestätigt Pfarrer Martin Weber. In die Schlagzeilen geraten war das Sandsteinkreuz in der Frankfurter Straße, dessen Christus-Korpus vor zwei Jahren geraubt wurde.

Anders als in der Frankfurter Straße wurde das Kreuz am Niederröder Weg nicht beschädigt. Dennoch sind die Zerstörungen für die ehrenamtlichen Unterstützer ärgerlich: „Man resigniert schon manchmal bei dem ständigen Vandalismus“, berichtet Gluth. Und seine Frau erzählt, wie oft sie rund um das Kreuz den Hundekot beseitigen muss oder herausgerissene Blumen wieder einpflanzt. Von ihrem Wohnzimmer aus hat das Ehepaar einen guten Blick auf das Kreuz und beobachtet, dass manche Zeitgenossen keinen Respekt vor den stummen Glaubenszeugen haben.

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Neben den Hinterlassenschaften von Hunden und dem Müll von Spaziergängern sind es auch Autofahrer, die auf den Feldwegen fahren. „Wenn die Schranke zur Ringstraße offen steht, dann ist da ziemlicher Verkehr“, weiß Gluth zu berichten. „Sobald Autos rund um das Kreuz parken, wissen wir, dass wir am nächsten Morgen wieder alles herrichten dürfen“, ergänzt seine Frau Christine. Der Polizei ist das Problem bekannt, aber eine wirksame Lösung gegen die Autofahrer, die ihr Gefährt durch die Felder steuern, ist noch nicht gefunden.

Mittlerweile sind die Schäden wieder beseitigt. Auf dem Sockel des Kreuzes steht eine Schale mit Blumen und in dem kleinen Beet blühen Narzissen. Auch der Zaun ist repariert und das Hinweisschild wieder im Boden verankert. Für Christine und Eddie Gluth ist es ein Herzensanliegen, dass dieses historische Kulturdenkmal für die Nachwelt erhalten bleibt. Doch ihr größter Antrieb für die Pflege des Wegkreuzes ist ihr Glaube: „Wir machen das in erster Linie für den lieben Gott.“

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