Heusenstammer Naturengel küren Gewinner ihres Fotowettbewerbes

Gegen Steinwüsten im Vorgarten

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So sehen Engel aus: Einen Flügelschlag von der historischen Altstadt entfernt landeten am Samstag drei Exemplare der Heusenstammer Gattung. Die „Naturengel“ deuteten in den Schlossgraben vorm Schönbornschen Rathaus: So soll’s sein! Im einstigen Bollwerk sprießen Gräser und Blumen und bieten so Insekten eine Heimat. Das soll auch in den Vorgärten der Hausbesitzer so sein, darum hatten die engagierten Umweltschützer einen Wettbewerb ausgeschrieben.

Heusenstamm – Die Gruppe wies damit auf vermeintlich moderne Flächen vor Hauseingängen hin. Mit weißem Schotter oder Kieseln breiten sich vor immer mehr Gebäuden „Steinwüsten“ aus, beobachtet Kerstin Rehse nicht nur in Neubaugebieten. Mit Simone Peter warb sie, im Internet auf den Seiten der „Naturengel“ Fotos von besseren Beispielen zu veröffentlichen. Dem Aufruf kam kaum ein Dutzend Bewohner nach, doch die Bilder von bunt blühenden Beeten und Büschen werden häufig angeklickt.

Die „Engel“ raten, weniger zu mähen

Da bäumen sich halbrund geschnittene Sträucher vorm Kellerfenster auf, Tulpen locken mit intensiver Farbenpracht und Wolken weißer Gänseblümchen verteilen sich über die Wiese. Die „Engel“ raten, weniger zu mähen, um Nahrung für die bedrohte Insektenwelt zu erhalten. Die Verantwortlichen im Bauhof bitten sie, begrünte Straßenränder, Verkehrsinseln und Kreisel nur zwei- oder dreimal im Jahr zu mähen. Die Stadtoberen werden ferner aufgefordert, die Dächer von Bus-Wartehäuschen zu begrünen und an 40 konkreten Stellen weitere Abfalleimer aufzustellen.

„Klar, der Schlosspark hat einen anderen Charakter“, erkennt „Engel“ Peter an, da müsse der Besatz intensiver bearbeitet werden. Sehr zufrieden blickt sie in die Vertiefung vor dem historischen Gebäude, wo Pflanzen ungehindert wuchern dürfen. Das Ergebnis ist von oben gut sichtbar: Libellen schweben über Wiesenblumen, Wildbienen tauchen zwischen Blütenblättern, hier und da ist ein flatternder Schmetterling auszumachen.

Fast 30 „Naturengel“ picken seit drei Jahren regelmäßig Müll auf

Kerstin Rehse ergänzt die Arten, die sich ebenfalls in naturbelassenen Räumen ansiedeln, Passanten aber seltener zu Gesicht bekommen wie Amphibien und Fledermäuse. An sieben Teilnehmer der Fotoaktion verlosten die Organisatorinnen Gutscheine, mit denen die Gewinner noch mehr Grün erwerben und hegen können. Die Bons können in Gartencentern und Baumärkten eingelöst werden und gingen an Karla von Wedl, Antonia Straube, Ingrid Fella, Katharina Nüdling, Karolina Krysciak, Holger Assion und Marta Rey Gallardo.

Die fast 30 „Naturengel“ picken seit drei Jahren regelmäßig Müll auf, der auf öffentlichen Flächen hinterlassen wird. Ihre Sammlung reicht von Autoreifen über Stühle bis zu Kondomen, die in großer Zahl rund um den Gewerbe-Standort Campus verteilt sind. Selbst Handys und Kinderwagen gehören zu den Fundstücken. Die Sprecherinnen warnen vor Glasscherben, die nicht nur Verletzungen, sondern auch Waldbrände auslösen können.

Besonders den Zigarettenkippen haben sie den Kampf angesagt. Zur Entsorgung fertigte die emsige Abteilung des Heimat- und Geschichtsvereins „Kippengeister“ an, Behälter aus Getränkedosen und -verpackungen, die vor Geschäften und Gaststätten angebracht werden können. (Michael Prochnow)

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