Geschichte des Rugby Klubs

Anfangs im Sand trainiert

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Den Nachwuchs trainiert hat Michael Schuster (rechts) sobald sich die Chance dazu bot.

Heusenstamm - Was es wirklich bedeutet, war den jungen Männern im Jahr 1979 nicht bewusst. „Wir waren damals ziemlich blauäugig“, sagt Michael Schuster mit einem Schmunzeln. Von Claudia Bechthold 

Weil sie bei ihrem bisherigen Verein in Offenbach nicht so zufrieden waren, und weil sie alle eigentlich auch nicht aus der Lederstadt stammten, haben sechs junge Männer und ihr Trainer Klaus Uwe Gottschlich vor genau 35 Jahren in Heusenstamm den Rugby Klub (RKH) gegründet. Und damit eigentlich eine Erfolgsgeschichte gestartet.

Michael Schuster ist jetzt wieder Jugendwart im RKH.

Der Weg dahin aber war zunächst erst einmal steinig, oder besser: sandig. „Wir hatten gar nichts, keine Trikots, keine Ausrüstung, nicht einmal einen Sportplatz zum Trainieren“, erinnert sich der Heusenstammer. Aber sie wollten Rugby spielen, eine zu dieser Zeit in Deutschland nicht gerade bekannte Sportart. Also trafen sie sich auf dem Bolzplatz neben der Schlossmühle. „Der Platz bestand aus zwei Latten als Tore und Sand“, erzählt der 53-Jährige. Etwa fünf Jahre lang blieb das quasi ihr Heimplatz. „Gespielt haben wir immer nur auswärts, auf den Bolzplatz konnten wir ja niemanden einladen.“ Überhaupt sind die jungen Sportler damals viel in der Gegend herumgefahren. So haben sie regelmäßig die Kasernen der US-Armee aufgesucht. „Da gab es einige Rugby-Teams, bei denen wir immer willkommen waren.“ Und dennoch blieb es lange Zeit „extrem schwierig“ eine Mannschaft zusammenzustellen. Aufgegeben haben die jungen Sportler um Klaus Uwe Gottschlich allerdings nicht.

Glücksfall Sport- und Kulturzentrum Martinsee

Der große Glücksfall war dann das 1983 fertig gestellte Sport- und Kulturzentrum Martinsee. Und Bürgermeister Adolf Kessler, der ein offenes Ohr für die Rugby-Spieler hatte. „Martinsee hat damals fast leer gestanden. Außer den Turnern wollte niemand dorthin.“ Die Fußballer hatten dankend abgewunken. Sie wollten auf ihrem Platz an der Alten Linde bleiben. Und die Tischtennis-Spieler erlebten damals ein Tief. Also bot Adolf Kessler dem jungen Rugby Klub an, künftig in Martinsee zu trainieren und zu spielen. „Plötzlich hatten wir optimale Bedingungen.“ Michael Schuster gerät auch heute noch ins Schwärmen, wenn er über diesen „Umzug“ spricht. Vor allem der große Stadionplatz sei auch jetzt einer der besten Rugby-Plätze in Deutschland. Nicht ohne Grund würden zum Beispiel regelmäßig die „Siebener-Meisterschaften“ in Heusenstamm ausgetragen.

Mit Martinsee nahm auch der RKH Fahrt auf. Jungen und Mädchen kamen zum Verein, um Rugby zu spielen. „Wir hatten in relativ kurzer Zeit zwei oder drei Nachwuchsteams, waren aber zeitlich permanent im roten Bereich“, weiß Michael Schuster noch. Denn es fehlte vor allem an Trainern. „Die haben wir uns dann nach und nach aus dem eigenen Nachwuchs herangezogen.“

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Die Frage, ob er stolz sei, diesen Verein vor 35 Jahren mit aus der Taufe gehoben zu haben, antwortet der Heusenstammer eher zurückhaltend. Dass der RKH nicht nur sportlich erfolgreich sei, sondern sich auch sonst auf viele ehrenamtlich Aktive verlassen könne, habe sicherlich viel damit zu tun, dass man immer versucht habe, die Eltern der Spieler einzubinden. Auf diese Weise sei es auch gelungen, die Familie Zeiger für diesen Sport zu begeistern. RKH-Vorsitzender Jürgen Zeiger bestätigt dies: „Das funktioniert nur zusammen mit den Eltern.“

Nach einer Pause ist übrigens auch Michael Schuster als einziges der sieben Gründungsmitglieder wieder aktiv. Gerade erst hat man ihn wieder als Jugendwart in den Vorstand gewählt. Übrigens auch beruflich bestimmt Rugby sein Leben. Der gelernte Fernmeldetechniker hat seinen Job längst an den Nagel gehängt. Er vertreibt Sportzubehör vor allem für Rugby, aber auch für andere Sportarten, hauptsächlich über das Internet. Und sein Sohn Pascal spielt selbstverständlich in der ersten Mannschaft des RKH.

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