Glasfaser bis ins Haus

Anbieter will Internet-Tempo in Heusenstamm vervielfachen

Ein neuer Anbieter will das Glasfasernetz in Heusenstamm ausbauen.
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Ein neuer Anbieter will das Glasfasernetz in Heusenstamm ausbauen.

Die Corona-Pandemie hat die Bedeutung einer guten Digitalisierung gezeigt. Nun soll in Heusenstamm ein Glasfasernetz bis in das Haus der Kunden verlegt werden. Es ist ein Projekt der Stadt Heusenstamm in Kooperation mit der Firma GVG Glasfaser. Dafür will das Unternehmen gut 15 Millionen Euro investieren. Die Pläne stellten nun Vertreter des Unternehmens und Bürgermeister Halil Öztas während einer Pressekonferenz vor. Voraussetzung: Genügend Schlossstädter entscheiden sich für das Angebot.

Heusenstamm – Bereits im Jahr 2017 hat die Deutsche Telekom Glasfaser in Heusenstamm verlegt. Nach Aussage von Michael Gotowy, Geschäftsführer der GVG-Gruppe, war das sogenannte VDSL aber nur eine Mischlösung: „Glasfaser wird meist nur bis zu den grauen Verteilerkästen gelegt, die ähnlich aussehen wie ein Stromkasten; von da aus führen meist die alten Kupferkabel zum und ins Haus.“ Und dies sei das Problem, denn die Kupferkabel können bei weitem nicht die Leistung einer Glasfaserleitung erbringen. Zudem habe Glasfaser den Vorteil, dass es immer die gleiche Bandbreite liefert und nicht wie Kupferkabel an Leistung einbüßt, wenn zu Spitzenzeiten viele Menschen gleichzeitig im Netz sind.

Die GVG-Gruppe ist in der Schlossstadt noch unbekannt, Heusenstamm wird zusammen mit Bad Homburg die erste Modellstadt für das Unternehmen in Süddeutschland. Nach eigenen Angaben will die Firma, die ihren Sitz in Kiel und Bad Homburg hat, auch noch nach Bayern und Baden-Württemberg expandieren. Bisher ist die GVG-Gruppe nur in Schleswig Holstein und Niedersachsen aktiv. Dort sei das gleiche Verfahren bereits in 140 Gemeinden und Kommunen angewandt worden, sagt Gotowy.

Heusenstamm: Bürgermeister stellt Kontakt her

Über die SPD in Diepholz (Niedersachsen) habe auch Bürgermeister Halil Öztas von den Projekten der GVG-Gruppe erfahren und den Kontakt hergestellt.

„Wir als Stadt müssen dafür nichts zahlen und auch die Menschen in der Stadt erhalten den Anschluss kostenlos“, meint Öztas. Voraussetzung dafür ist, dass der Anschluss während der dreimonatigen Vermarktungsphase von Anfang Mai bis 31. Juli gebucht wird. Allerdings wird die GVG-Gruppe das Glasfasernetz nur verlegen, wenn sich mindestens 40 Prozent der Haushalte und Gewerbetreibende in Heusenstamm zu einem Wechsel entscheiden und auf das neue Netz umstellen. Erst dann würden sich die geschätzten Investitionen von 15 Millionen Euro für das Unternehmen bezahlt machen. Ein sportliches Ziel für eine Firma, deren Namen bisher nur in der Stadtverwaltung bekannt ist.

Doch Geschäftsführer Gotowy gibt sich optimistisch: „Bisher hat das in allen Gemeinden geklappt, in manchen ländlichen Regionen haben wir eine Quote von 80 Prozent der Haushalte.“

Heusenstamm: Große Vertriebsphase soll das Ziel ermöglich

Die Gefahr, dass daraus ein Monopol entstehen kann, verneint der Geschäftsführer: „Für andere Telekommunikationsanbieter wird dann unser Netz auch zur Verfügung stehen, es macht aber keinen Sinn zwei oder drei Glasfasernetze zu haben, genauso wenig macht es Sinn zwei oder drei Strom- oder Wassernetze zu haben.“

Damit die Quote auch erreicht wird, will die GVG-Gruppe laut Gotowy in den nächsten Wochen und Monaten aktiv dafür werben und Menschen auch persönlich ansprechen und beraten. Für diese Aufgabe sollen die 25 Vertriebsmitarbeiter regelmäßig getestet werden. Wenn sich genügend Heusenstammer für das Angebot entscheiden, soll der Ausbau gut ein Jahr später erfolgen.

Angeboten wird der Glasfaseranschluss bei der GVG-Marke Teranet ab 44,90 Euro ohne Telefon mit einer Geschwindigkeit von 300 Mbit pro Sekunde. Es sind Angebote bis zu 1000 Mbit je Sekunde im Down- und Upload verfügbar und inklusive Festnetz-Mobil-Flatrate sowie TV-Anschluss zu haben. Internet-Tarife bei anderen Telekommunikations-Anbietern variieren meist von 16 bis 500 Mbit die Sekunde.

(Von Lukas Reus)

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