Gräfin, Gruft und Kirche

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Helga Glania (links) erläutert den Kindern geduldig die Kirche S. Cäcilia. Foto: Petrat

Heusenstamm - Spiel, Spaß und dabei etwas über die Heimatstadt erfahren, lautete das Ziel, das sich die Erzieherinnen und Erzieher der Schulkindbetreuung an den beiden Grundschulen in der Stadt gesetzt hatten. Von Peter Petrat

60 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren aus der Adalbert-Stifter- und der Otto-Hahn-Schule verbrachten gemeinsam eine unterhaltsame Woche, in der sie spielerisch auch noch eine Menge lernen konnten.

Spiele zum „Wachwerden“, danach Fußball, Bewegungsaktionen und „Musik fürs Herz“ - so ging meist der Vormittag los. Nach dem Mittagessen stand ein Film auf dem Programm, oder es wurden „Regenmacher“ gebaut, ein Musikinstrument, das klingt wie prasselnder Regen.

Grundschüler strotzem schlechtem Wetter

Etwas Besonderes erlebten die Kinder am Donnerstag. Die Betreuerinnen hatten eine Stadtrallye organisiert, bei der es galt, Fragen über Heusenstamm zu beantworten. Bei zum Teil strömendem Regen stapften die Grundschüler zunächst zur Barockkirche Sankt Cäcilia, in der sie auch die Familiengruft besichtigen sollten.

Staunend stehen die Kinder zusammen mit den Erzieherinnen vor der 268 Jahre alten Kirche. „Wer von euch kennt Maria Theresia von Schönborn?“, fragt Helga Glania, die sich an diesem Tag Zeit genommen hat für die Kinder. „Die hat die Kirche gebaut!“ „Und das Musikhaus auch!“ Einige der Kinder haben schon was von der Gräfin gehört. Selbst gebaut habe Maria Theresia die Kirche nicht, erläutert Helga Glania, aber bauen lassen. Ebenso die alte Schule, die nun das Musikhaus ist, ergänzt Glania, während sie auf den „Spickzettel“ an der Außenwand der Kirche zeigt. Die grünlichen Hinweistafeln gibt es an allen Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

„Katholische Pfarrkirche Sankt Cäcilia mit Familiengruft der Grafen von Schönborn“, liest ein Kind die Aufschrift vor. Was eine Gruft ist, wissen die Kinder. Nach ein wenig Familiengeschichte kommt die Frage auf, warum denn zwei der drei Kinder der Gräfin verstorben seien. „Damals war die Medizin noch nicht so weit entwickelt“, erläutert Helga Glania. „Früher sind viele Kinder an Krankheiten gestorben, die heute leicht zu heilen sind.“

Stadtgeschichten beeindrucken die Kinder

In der Kirche sind die Kinder beeindruckt von der hohen Decke und fragen eifrig darauf los: „Was ist das da? Und für was ist das?“. Geduldig und ausführlich bekommt jedes Kind eine Antwort, bevor es dann etwas gruselig wird: Das Gitter zur Familiengruft wird angehoben. Die Legende von einem angeblichen Geheimgang beflügelt die Phantasie der Kinder. „Für die Barockzeit sind das viele Gold, die bunten Deckengemälde, die vielen Kerzen und die Engelsdarstellungen typisch“, erklärt Helga Glania.

Nicht ganz so prunkvoll ist der Bürgermeister im Rathaus eingerichtet, bemerkt eines der Kinder, bevor es die großen Fahnen in seinem Büro entdeckt. „Wie heißen die Partnerstädte von Heusenstamm?“, liest eines der Kinder eine Frage der Stadtrallye vor. Zusammen mit den Landesfahnen der Städte erklärt Bürgermeister Jakoby ausführlich die Lage und Besonderheiten der Partnerstädte, darunter etwa das 50 Kilometer südlich von London gelegene Tonbridge & Malling: „Von dort haben wir auch die rote Telefonzelle vor dem Schloss“. „Ich komme aus Italien“, freut sich einer der Jungen, als Ladispoli als nächstes genannt wird. „Das liegt in der Nähe von Rom und ist für seinen schwarzen Strand aus Vulkanasche bekannt“, erzählt Jakoby. „Und dann gibt es auch noch Saint-Savin in Frankreich und die Stadt Malle. Diese liegt in der Nähe von Amsterdam“, führt er fort, bevor ihn eines der Kinder unterbricht. „Amsterdam? Ich dachte Antwerpen?“, korrigiert es den Versprecher des Bürgermeisters.

Empfangsdame hilft bei kniffligen Fragen

Die Frage, wie alt Heusenstamm ist, können die Kinder selbst beantworten, einige erinnern sich an die 800-Jahr-Feier im vergangenen Jahr. Aber wann die Stadtrechte erteilt wurden, da muss auch der Verwaltungschef ganz kurz überlegen. Verliehen wurden sie 1959, obwohl es damals eigentlich zu wenig Einwohner gab. Bei der letzten Rallye-Frage nach der Anzahl der Aufzüge im Rathaus hilft die Dame am Empfang.

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