Ehrung mit Skulptur

Sebastian von Heusenstamm: Der größte Sohn der Stadt

Heusenstamm - Man hat ihn in der Schlossstadt bisher nicht so richtig zur Kenntnis genommen. Dabei zählte Sebastian von Heusenstamm zu seinen Lebzeiten zehn Jahre lang zu den wichtigsten Männern im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Von Claudia Bechthold 

Deshalb soll er nun mit einer Skulptur geehrt werden. Er gilt als Wegbereiter des Augsburger Religionsfriedens. Sebastian von Heusenstamm war von 1545 bis 1555 Kurfürst und Erzbischof von Mainz und damit auch Reichserzkanzler des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Als solcher zählte er zu den sieben Kurfürsten und war einer der wichtigsten Politiker des Landes. „So richtig zur Kenntnis genommen haben wir diesen Sohn der Stadt aber eigentlich nicht“, stellte Bürgermeister Peter Jakoby fest. Dies solle nun anders werden. Schon im Zusammenhang mit der Entscheidung über Straßennamen für das jüngste Baugebiet Heusenstamms habe man sich für Sebastian entschieden. Obwohl es eine lange Diskussion darüber gegegeben habe, ob man den Menschen einen so langen Straßennamen zumuten könne. „Wir haben es getan und bis jetzt hat sich noch niemand beklagt.“

Aber es soll noch mehr getan werden, um Sebastian tiefer ins Gedächtnis der Heusenstammer zu brennen. Am Sonntag, 13.September, wird am Eingang zum neuen Wohnviertel an der Alten Linde ein Denkmal für den Erzbischof feierlich enthüllt. „Das wird jetzt kein neues Kaiserjahr“, verspricht der Bürgermeister mit einem Schmunzeln, um gleich anzufügen: „Aber ein Bischofsjahr.“ Möglich wird das Denkmal durch das Projekt „Kunst vor Ort“ des Kreises Offenbach und der Sparkasse Langen-Seligenstadt. Nach einer Ausschreibung gewann der Bildhauer, Maler und Zeichner Ralf Ehmann aus Rottenburg-Kiebingen den Preis. Die Idee hinter dem mit 15 300 Euro dotierten Projekt ist der lokale Bezug der Kultur sowie die Einbindung der Werke in den ganz normalen Alltag der Menschen. „Der etwa 2,50 Meter hohe Sebastian wird vom neuen Ort in Richtung des alten Orts blicken“, verriet Jakoby.

Enthüllung des Denkmals

Freilich werde die Enthüllung des Denkmals auch gefeiert. Und dafür habe man sich mit dem 13. September den Tag des offenen Denkmals gewählt. Das kleine Fest beginnt um 15 Uhr mit einer Andacht. Im Sinne der Ökumene, deren Wurzeln Sebastian von Heusenstamm quasi gelegt habe, feiern der evangelische Pfarrer Sven Sabary und der katholische Pfarrer Martin Weber eine gemeinsame Andacht in der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche, Frankfurter Straße 80. Im Anschluss hält Professor Dr. Markus Wriedt, evangelischer Kirchenhistoriker an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, einen Festvortrag, in dem er einen Bogen vom Leben und Wirken des Sebastian von Heusenstamm bis zu dessen Relevanz für die Gegenwart schlägt.

Kurz vor 16 Uhr gehen dann die Festgäste gemeinsam zum neuen Wohnviertel. Dort werden Landrat Oliver Quilling, Vertreter der Sparkasse Langen-Seligenstadt sowie Bürgermeister Peter Jakoby die Skulptur enthüllen. Gegen 16.45 Uhr können sich die Besucher auf den Vortrag des Bildhauers und Künstlers Ralf Ehmann über die Skulptur und das Bildhauerhandwerk freuen. Ergänzt wird die Eröffnung durch begleitende Musikstücke des Quartetts „Wir vier“, die, wie Herbert Margraf vom Förderverein Balthasar Neumann betont, ihr Programm auf das Thema abstimmen werden. Und selbstverständlich gebe es dort dann auch etwas zu trinken und zu essen, ergänzt Kulturamtsleiter Markus Tremmel.

Vortragsreihe des Heimat- und Geschichtsvereins

Um nicht nur einfach ein Denkmal aufstellen zu lassen, sondern mehr über Sebastian von Heusenstamm erfahren zu können, bereitet der Heimat- und Geschichtsverein nach den guten Erfahrungen im Kaiserjahr wieder eine Vortragsreihe vor.

  • Diese beginnt am Donnerstag, 10. September, mit des Ausführungen von Professor Elmar Götz über den Bischof und Staatsmann Sebastian.
  • Am Donnerstag, 1. Oktober, spricht Dr. Rolf Bollinger über Karl V., Martin Luther und Sebastian als Dreiklang zwischen Reformation und Gegenreformation.
  • Schon im neuen Jahr, am Donnerstag, 21. Januar, übernimmt es Dr. Roland Krebs über „Sebastians Welt“ zu informieren mit einem kulturhistorischen Bilderbogen des frühen 16. Jahrhunderts.
  • „Sebastian und die Medici“ heißt es am 18. Februar, wenn Dieter Eckart über die finanzielle Seite der Amtszeit von Sebastian spricht.
  • Viele Reisen muss der Erzbischof unternommen haben. Davon berichtet Rudolf Fauerbach am 10. März.
  • Kostproben soll es sogar geben, wenn Herbert Margraf am 14. April über das Menü zur Feier von Sebastians Wahl 1545 spricht.
  • Mit dem „Konzil von Trient“ beendet Michael Kern am 12. Mai die Vortragsreihe über Sebastian von Heusenstamm.

Aller Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr im Haus der Stadtgeschichte, Eckgasse 5. Und am Ende, so versichern Dr. Roland Krebs, Dr. Volker Schneider und Professor Elmar Götz vom Heimat- und Geschichtsverein, werde daraus wieder ein Buch. Sebastian von Heusenstamm ist ein Nachkomme von Eberhard Waro von Hagen-Heusenstamm, dem 1211 „Burg und Dorf Huselstam“ verliehen wurde, und der damit für die erste urkundliche Erwähnung des Ortes sorgte. Die Eltern von Sebastian sind Ritter Martin von Heusenstamm, der als Schultheiß in den Diensten der Stadt Frankfurt stand, und dessen Gattin Elisabeth Brendel von Homburg. Während die Grabplatte für Ritter Martin an der Außenmauer der Kirche St. Cäcilia zu finden ist, wurde die der Mutter neben dem Eingang zum Hofgut Patershausen in die Mauer eingelassen. Sebastian selbst ist im Mainzer Dom begraben.

Rubriklistenbild: © clb

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