Hilfe für Hündin Emily

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Nach Spendenaufruf kann das Tier nun endlich operiert werden / Leser geben 3000 Euro

Heusenstamm - „Wahnsinn!“ Viel mehr bringt Yvonne Warnke im allerersten Moment nicht heraus. Aber nach kurzer Zeit hat sich die 31-Jährige wieder gefangen. Von Claudia Bechthold

Und sie plappert so munter weiter, wie man es von ihr kennt. „Rund 3000 Euro, das ist super. Dafür sind wir sehr dankbar. “ Dieser Betrag werde ausreichen, um Emily, den sechs Jahre alten Hund der behinderten Heusenstammerin, operieren lassen zu können.

Große Hilfsbereitschaft hatte der Bericht unserer Zeitung über die Not von Yvonne Warnke ausgelöst. Die 31-Jährige ist seit einem Autounfall auf den Rollstuhl angewiesen. Sie ist kleinwüchsig und kann nur sehr eingeschränkt sehen. Emily, ein Münsterländer, ist ausgebildet, ihr zu assistieren. Sie führt Yvonne Warnke, beschützt sie, und holt alles mögliche auf Befehl. Sogar das Telefon schleppt sie heran, wenn es klingelt. Ohne Emily wäre die junge Frau aufgeschmissen, könnte zum Beispiel nicht allein aus der Wohnung.

Im Juni vergangenen Jahres wurde Emily angefahren. Auf der Herderstraße. Yvonne und Emily waren gerade auf dem Weg ins Horst-Schmidt-Haus. Mit dem Hundeverein Bell Amis macht sie dort regelmäßig Besuche, damit alte Menschen ein wenig mit den Vierbeinern schmusen können. Der Unfallfahrer ist geflüchtet. Emily hatte er am rechten Hinterlauf erwischt. Seitdem hinkt das Tier, hat große Schmerzen. Und es steht fest, sie muss operiert werden. Zwei Knochensplitter haben sich gelöst und stecken nun zwischen Bandscheibe und Wirbel fest.

Gemeldet hat sich ein Ehepaar aus Offenbach

Für den 2. Februar hat Yvonne Warnke nun einen Termin in einer großen Tierklinik. Dort muss zunächst ein Szintigramm gemacht werden, ein Bild von der Wirbelsäule des Hundes, auf dem Entzündungsherde erkennbar sind. Erst wenn feststeht, dass dort alles in Ordnung ist, kann operiert werden, um die Splitter zu entfernen. Darauf müssen Hündin und Frauchen dann aber auch noch einmal drei Wochen warten, denn von der Vollnarkose, wie sie für das Szintigramm notwendig ist, muss sich der Hund erst wieder erholen.

Doch es ist noch viel mehr Hilfe, die Yvonne Warnke in den vergangenen Wochen seit der Veröffentlichung ihres Schicksals erfahren durfte. So hatte sie nach jemandem gesucht, der vor allem bei Schnee und Eis mit Emily spazieren gehen kann, da sie sich bei solchen Bedingungen kaum im Rollstuhl nach draußen wagen kann.

Gemeldet hat sich ein Ehepaar aus Offenbach, das selbst bis vor wenigen Wochen einen Münsterländer hatte. Im Alter von 14 Jahren war der Hund im Dezember gestorben. Da sie sich keinen jungen Hund mehr anschaffen wollen, sind sie nun glücklich, alle zwei Tage mit Emily lange Spaziergänge machen zu können.

Und Yvonne Warnke ist froh, mit den beiden die richtigen Betreuer gefunden zu haben: „Ein Münsterländer ist kein Anfängerhund. Man muss wissen, wie man mit dieser Rasse umgeht. Die haben einen großen Jagdtrieb, Wenn man nicht aufpasst, sind sie schnell mal weg.“

So mancher verstehe nicht, wie krank der Hund wirklich ist, erzählt die Heusenstammerin bei dieser Gelegenheit. Mehrfach sei sie angesprochen worden, man sehe dem Hund sein Leiden nicht an. „Ist doch klar“, sagt sie schnell, „das ist der Instinkt“. Ein Hund, der sein Leiden offenbare, werde schnell Beute für andere Tiere. Aber Emily habe dennoch große Schmerzen, das sei schon deutlich zu spüren.

Geld für Untersuchungen und Operation

Auch Klaus Knipping, stellvertretender Vorsitzender des Heusenstammer Hundevereins Bell Amis, ist überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft der Menschen. Sein Telefon habe nicht mehr still gestanden seit der Artikel erschienen sei. Und dass nun mehr Geld zusammen gekommen ist, als für die eigentliche Operation benötigt wird, freut ihn ebenfalls. Die notwendige Rehabilitation könne damit nun auch finanziert werden, sagt er. Der Verein hatte den Aufruf initiiert, weil die Streichelbesuche im Altenheim eine Aktion der Bell Amis sind.

Gefreut hat sich Klaus Knipping dabei auch über ganz besondere Hilfe. Hilfe von Menschen, die eigentlich nicht in der Lage dazu sind. So will er in den nächsten Tagen zu einer Offenbacherin fahren, die selbst behindert ist. Nur ein paar Euro könne sie spenden, habe sie am Telefon gesagt. Aber eine Decke für den Hund wolle sie Emily schenken. Und für Yvonne Warnke gebe sie etwas von ihrer selbst gekochten Marmelade ab.

Das Geld für die Untersuchungen und die Operation ist jetzt zusammen. Der Verein will das eigens eingerichtete Spendenkonto (4122362 bei der Sparkasse Langen-.Seligenstadt, BLZ 506 521 24) aber noch bestehen lassen. Sollte am Ende etwas übrig sein, will Yvonne Warnke das Geld den Bell Amis und derKynos-Stiftung geben, die Emily ausgebildet hat.

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