Wenn der Apfel „Essen“ heißt

+
Nach der Vergabe der Gütesiegel (von links): Landrat Oliver Quilling, Sabine Dankwardt (Sprachexpertin und Schulungsbeauftragte für das Projekt KiSS), Doris Horch von der Kita Rembrücken, Holger Lehnen von der Evangelischen Kita, Cornelia Lange, Leiterin der Abteilung Familie im Hessischen Sozialministerium, Sprachexpertin Yvonne Lahner und Dr. Christiane König, Amtsärztin und medizinische Leiterin des Fachdienstes Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrum des Kreises Offenbach.

Heusenstamm - Deutet man auf einen Apfel und fragt, was das sei, dann antwortet das Kind „Essen“. Sprachauffälligkeiten dieser Art bemerkt eine Erzieherin sicher schnell. Doch nicht jedes Problem mit Sprache ist so offensichtlich. Von Claudia Bechthold

Zwei Heusenstammer Kindertagesstätten haben jetzt ein Gütesiegel erhalten, weil sie an einem Programm des Landes teilnehmen, um sprachliche Mängel bei Kindern frühzeitig zu entdecken.

Etwa 20 Prozent der Vierjährigen benötigten eine Förderung in Sachen Sprache, berichtet Holger Lehnen von der Evangelischen Kindertagesstätte an der Leibnizstraße. Um dies möglichst früh vor dem Wechsel in die Schule zu ermöglichen, hat das Land „KiSS“ erfunden.

Kinder-Sprach-Screening

„KiSS“ steht - auf gut neudeutsch - für Kinder-Sprach-Screening. Wenn der Nachwuchs etwa viereinhalb Jahre alt ist, sollen Erzieherinnen einen Sprachtest mit ihnen machen. „Das geht eigentlich schnell, dauert etwa 20 bis 25 Minuten pro Kind“, erläutert Doris Horch von der städtischen Kita in Rembrücken. Allerdings müsse dann noch ausgewertet, versendet und eventuell mit den Eltern geredet werden. Etwa eine Stunde je Kind müsse man also rechnen. Eine Stunde, die sich aber für die Kinder lohnt.

Denn, das fällt nicht nur Erziehern auf, immer weniger Kindern wird regelmäßig vorgelesen. Und es wird weniger mit Kindern gesungen. Aber weder der Fernseher, noch Hörbücher oder Musik-CDs können das Vorlesen und Singen wirklich ersetzen, mahnt Holger Lehnen.

Ist ein Sprachproblem erst einmal entdeckt, kann gut geholfen werden. „Wir sehen bei entsprechender Förderung schon nach einem halben Jahr deutliche Fortschritte“, versichert Yvonne Lahner, die als Sprachexpertin des Projekts auch für Heusenstamms Betreuungseinrichtungen zuständig ist. Sprachfehler wie Schwierigkeiten bei bestimmten Buchstaben oder Lispeln zählen ebenso zu den Auffälligkeiten, auf die Erzieherinnen nach den Tests reagieren, wie ein für das Alter zu geringer Wortschatz oder gar ein medizinisches Problem wie etwa eine leichte Schwerhörigkeit.

In gewohnter Umgebung von vertrauten Person getestet

Als großen Vorteil sieht auch Sprachexpertin Yvonne Lahner, dass die Kinder in einer gewohnten Umgebung von einer ihnen vertrauten Person getestet werden. So entstehe kein Stress für die Kinder. Schwieriger seien oft anschließend notwendige Gespräche mit den Eltern, die von Fördermaßnahmen überzeugt werden müssten.

Die städtische Kita in Rembrücken und die Evangelische Kita verfügen nun über das Gütesiegel für KiSS. Das bedeutet, dass alle Kinder in diesen Einrichtungen auch den Test machen, wenn sie im entsprechenden Alter sind. Ob weitere Einrichtungen in der Schlossstadt folgen, ist bislang offen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare