Albina Schrodt kennen Gäste nur als Ala

Die gute Seele der Schenke

Heusenstamm - Ala ist immer fröhlich, höflich, zuvorkommend. Albina Schrodt, wie sie eigentlich heißt, hat 26 Jahre lang in der Heusenstammer Schlossschenke gearbeitet. Mit dem Restaurant geht diese Ära auch für sie zu Ende. Von Claudia Bechthold 

Man kennt sie eigentlich nur unter dem Namen Ala, eigentlich heißt sie Albina Schrodt. Wer die Schlossschenke besucht, schätzt die flinke Kellnerin, die gern für die Gäste da ist. Wie berichtet, wird das Lokal Ende des Jahres geschlossen. Aufgewachsen ist Ala in einem kleinen Dorf in Polen. Sie hat den Beruf der Schneiderin gelernt und ein Diplom abgelegt. „Ich habe Mode für Männer gemacht“, sagt sie voller Stolz über diese Zeit. Dann hat sie geheiratet, ihre beiden Kinder kamen zur Welt.

1989 kam sie zum ersten Mal nach Deutschland – um Geld zu verdienen. Da brauchte sie noch ein Visum. „Es war eine schwierige Zeit in Polen, und ich wollte meinen Kindern eine gute Ausbildung bieten können“, nennt sie ihre Gründe. Leicht gefallen ist es ihr nicht, das sieht man ihr an.

Mehr durch Zufall hat sie den Gastronom Thomas Engel kennengelernt. Er bietet ihr eine Stelle an, damit sie eine Arbeitserlaubnis beantragen kann. Ala bekommt beides. Arbeiten darf sie aber nur drei Monate, danach muss sie für drei Monate zurück nach Polen.

Als Engel die Schlossschenke eröffnet, bietet er ihr an, dort zu arbeiten. Sie schlägt ein, ist zunächst aber in der Küche tätig. Aber nach einiger Zeit, da kann sie auch schon besser Deutsch, wechselt Albina Schrodt in den Service.

„Ich habe sehr viele Menschen kennengelernt in dieser Zeit“, betont sie, viele habe sie „verheiratet“, womit sie auf die Feiern, die in der Schlossschenke stattgefunden haben, anspielt, und manche auch schon „beerdigt“. Sicher, Stress sei es immer gewesen, „aber das ist Gastronomie“. Und es gibt Kinder, die in dem Restaurant Taufe, Einschulung, Erstkommunion und schließlich Abitur gefeiert haben.

Vor allem Stammgäste hat das Lokal viele, die Ala bestens kennt. So manchen hat sie durch ein Fenster schon von weitem gesehen, wenn er eintrat stand sein Wunschgetränk bereits auf dem Tisch. Sie ist die gute Seele des Lokals. Und natürlich wird auch mal ein Witz gemacht. „Das gehört dazu“, sagt Ala und fügt in ihrem unnachahmlichen Deutsch hinzu: „Wenn du läufst mit drei Tage Regen, braucht kein Mensch.“ Gemeint ist, dass man nicht mit einer Trauermiene herumlaufen sollte.

Auch Lustiges hat sie erlebt. Spontan erinnert sie sich an eine Frau, die, mit der Speisekarte in der Hand, fragte: Saumagen – ist das vom Rind oder vom Schwein?“

Seit 16 Jahren schon ist Ala glücklich mit einem Deutschen verheiratet. Ihren beiden Kindern konnte sie eine gute Ausbildung ermöglichen. Und richtig gut geht es Ala, wenn sie ihre vier Enkelkinder um sich hat. Zwei leben bei der Tochter in Warschau, die sie gern besucht, zwei leben in ihrer Nähe. - Foto: clb

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