Zum guten Essen gehört der Genuss

Gesundes Essen will gelernt sein. Achtklässler, die den Kiosk der Schule in eigener Regie führen, verkaufen immer mehr Vollkorn mit Salat drauf, freut sich Konrektorin Doris Huber. Mittags kochen Hauptschüler für die Mensa.M./ Fotos (2): Michael

Heusenstamm - Adolf-Reichwein-Schule: Projekt „Gesunde Ernährung“ als Stationsspiel von sieben Lehrkräften im Vorbereitungsdienst

  Gesunde Ernährung ist in aller Munde, und der Genuss liegt auf der Zunge. Mit geschlossenen Augen lassen die Siebtklässler aus der Realschule die Kakaowürfel mit dem Cappuccino-Geschmack auf der Zunge zergehen: „Verfolge nun noch einmal den Weg, den die Schokolade in deinem Mund zurückgelegt hat“, fordert eine Referendarin die Probanten auf. In neun Stationen erfahren am Donnerstagnachmittag 41 Mädchen und Jungen der Adolf-Reichwein-Schule Zusammenhänge zwischen gutem Essen und dem eigenen Wohlbefinden.

Und das schließe süße Sachen durchaus ein. Sie sollen aber bewusst konsumiert werden, lernen die Gruppen im Raum C 10. Dazu wurden die Teenager zunächst aufgefordert, es sich „so bequem wie möglich“ zu machen. Das Papier sollte geöffnet, die Leckerei auf dem Handteller betrachtet werden. „Konzentriere dich auf den Geruch, befeuchte deine Lippen und fahre mit ihnen langsam über die Schokolade“.

Exakt befolgt das Quartett auf dem Schulmöbel die Anweisungen, beißt ein kleines Stück ab ohne es zu zerkauen, registriert den Geschmack ganz bewusst. Erst dann folgt ein zweiter Happen „dorthin, wo die Schokolade vorhin die angenehmsten Empfindungen ausgelöst hat“. In Maßen genießen, nicht in Massen verschlingen, lautet die Parole.

Das fängt schon mit dem „Tischlein deck' dich“ an. Wobei die Jungs Teller, Besteck und Servietten symmetrisch und akribisch korrekt anordnen, beobachtet eine der sieben künftigen Lehrkräfte. Die 13-Jährigen verstehen auch, dass zum Restaurant-Besuch eine schicke Garderobe gehört. „Das macht den Abend angenehm“, weiß einer der jungen Herren, die erwartungsvoll und mit gestrecktem Kreuz an der Tafel Platz genommen haben.

Wichtiger ist freilich, was auf den Teller - oder die Brotscheibe kommt. Wo sonst das Lehrerpult thront, leuchtet nun ein buntes Büfett, das zum Selbst-Kombinieren einlädt. Die angehenden Gourmets stapeln Tilsiter, Tomaten- und Gurkenscheiben, ein Kopfsalatblatt und Karottenschnippel aufs Vollkorn. „Die Schüler werden beim Belegen der Snacks für verschiedene Verarbeitungstechniken von Lebensmitteln sensibilisiert“, steht im Plan der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst. Außerdem werde ihre Kreativität gefordert.

Zur Abschreckung erfahren sie im Raum nebenan, wie viel Zuckerwürfel in Nuss-Nougat-Creme und Gummibärchen stecken, in Cola und in Eistee. Da wird klar, welche Nahrungsmittel auf welches Feld der „Food-Check-Pyramide“ gehören: Die Zucker- und Fettbomben ganz nach oben, in den engen, spitzen Teil, auf dem breiten Fuß ist dagegen viel Platz für Obst und Gemüse, Käse, Milch und Joghurt.

Kaum zu glauben, dass man für ein paar Handvoll Kartoffelchips eine geschlagene Viertelstunde Seil springen muss, um die aufgenommenen Kalorien wieder los zu werden. Die freundliche Pädagogin bietet Apfelchips als Alternative an. Die Kommilitonin lädt ein, so genannte Smoothies selbst zu mixen, um die Zuckermengen selbst zu bestimmen. Köstlich, so ein Cocktail aus Kokosmilch, Ananas oder Banane.

Wer sich bis hierher durch die Rallye gefuttert hat, kann locker die Fragen des Ernährungsquiz' beantworten. Die drehen sich rund um Vitamine, Mineralien, Hygiene und Tischsitten. Zum Schluss sollen die Teilnehmer die einzelnen Stationen bewerten.

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