„Halbschranken sind sehr sicher“

Bis 20.18 Uhr waren Polizei und Bahnmitarbeiter am Sonntagabend an der Unfallstelle beschäftigt.

Heusenstamm ‐ Der schreckliche Unfall vom Sonntagabend ist das Gesprächsthema in der Schlossstadt. Viele Menschen sind geschockt. Manche wissen, wer der 59 Jahre alte Mann ist, der bei dem Unfall ums Leben kam. Von Claudia Bechthold

Und sie trauern um ihn. Verstehen nicht, wie das passieren konnte. Wie bereits kurz berichtet, endete für den 59-Jährigen Heusenstammer der Versuch tödlich, die Schienen der S-Bahn am Übergang Frankfurter Straße trotz geschlossener Halbschranke noch zu überqueren. Nach Angaben der Bundespolizei, die für Anlagen der Deutschen Bahn zuständig ist, war er zu Fuß unterwegs, sein Fahrrad hatte er geschoben.

Das Straßenfest der Werbegemeinschaft klingt am Sonntagabend gerade aus, die Geschäftsleute sind mit dem Aufräumen beschäftigt. Die Sanitäter vom Allgemeinen Rettungsverband (ARV) laufen noch Streife.

Um 17.56 Uhr soll die S-Bahn der Linie 2 aus Dietzenbach kommend am Bahnhof eintreffen. Rotlicht und Halbschranken haben offensichtlich funktioniert. Dennoch versucht der 59-Jährige, die Schienen zu überqueren.

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Radfahrer von Zug erfasst

Die Ehrenamtlichen vom ARV sind die ersten Helfer, die am Unfallort eintreffen. Zu ihnen stoßen bald zwei Mediziner, die zufällig in der Nähe sind. Um 17.59 Uhr gehen bei Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei die Alarmierungen ein. Ein Notarzt und der Rettungshubschrauber sind ebenfalls unterwegs. Doch für den 59-Jährigen kommt die Hilfe zu spät. Er ist sofort tot. Polizei und Feuerwehr sperren die Unfallstelle ab. Der 36 Jahre alte Lokführer und etwa 80 Fahrgäste werden mit der Hilfe der Feuerwehr aus dem Zug befreit. Sie können, wenn sie wollen, mit Taxen weiterfahren.

Trotz geschlossener Schranke über die Gleise

Ist eine Halbschranke an einem so belebten Bahnübergang ausreichend? Immer wieder kann man dort beobachten, dass vor allem Fußgänger oder Radfahrer versuchen, auch bei geschlossenen Schranken die Gleise zu überqueren. Für die Deutsche Bahn jedenfalls ist der Unfall kein Anlass, über eine andere Lösung nachzudenken. „Eine Halbschranke ist eine sehr sichere Anlage“ sagt Hartmut Lange, Sprecher der Deutschen Bahn in Frankfurt, auf Anfrage. Zumal man nicht zwischen den Schranken eingeschlossen werden könne. Zudem sei eine Vollschranke eine teure Angelegenheit. Und: „Vielleicht ist der Unfall ja ein abschreckendes Beispiel, anderen eine Mahnung.“ Bürgermeister Peter Jakoby hat Zweifel: „Wie oft habe ich schon Personen angesprochen, die trotz geschlossener Schranke über die Gleise gerannt sind. Meist habe ich nur freche Antworten erhalten.“

Zu den rund 80 Einsatzkräften vor Ort zählen auch Angehörige des Kriseninterventionsdienstes. Sie kümmern sich um Angehörige, um Augenzeugen und auch um Rettungsdienstler und Feuerwehrleute, helfen ihnen, die zum Teil schlimmen Eindrücke zu verarbeiten.

Gestern Vormittag gab es erneut einen Zwischenfall auf der S-Bahn-Strecke. Ein 63 Jahre alter Heusenstammer war aus ungeklärten Gründen auf die Gleise gelaufen. Passiert ist nichts, die Bahn war rechtzeitig gewarnt. Es kam nur zu geringfügigen Verspätungen. Der Mann wurde in eine Klinik gebracht.

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