Heiß genug fürs „Ei auf Blech“

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Horst Bittlingmaier und Andreas Stuckmann (von links) mussten gestern Mittag bei mehr als 30 Grad im Schatten eine wilde Müllhalde nahe der „Düne am Galgen“ aus dem Gestrüpp entfernen.

Heusenstamm ‐ Mitten in der Nacht würden die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs zurzeit am liebsten mit dem Arbeiten anfangen. „Nachts um 3 Uhr“, sagt Elektromeister Michael Brand, „dann wären wir fertig, wenn es so richtig heiß wird“. Aber das lässt sich leider nicht realisieren. Von Claudia Bechthold

Vielmehr müssen auch Heusenstammer Handwerker bei diesen Temperaturen in der Sonne schwitzen.

Den ganzen Tag im Freien sind die zwölf Mitarbeiter des Dachdeckermeisterbetriebs Seidewitz. „Dann geht halt alles ein bisschen langsamer, wenn es so heiß ist“, sagt Chef Willi Seidewitz. Die Kollegen seien das Arbeiten in der Sonne natürlich auch gewöhnt, und wüssten, dass sie viel trinken müssen. Wobei Alkohol heutzutage kein Thema mehr sei. „Früher war die Kiste Bier auf der Baustelle ja normal, heute rührt keiner mehr vor Feierabend Alkohol an“, versichert er.

Wie heiß es auf dem Dach werden kann, haben Willi Seidewitz und seine Leute sogar schon einmal recht anschaulich getestet. Dachbleche, so erläutert der Firmenchef, würden ja auch schnell sehr heiß. Und da habe man einfach mal ein Ei auf ein solches Blech geschlagen. „Das Ei ist wirklich gar geworden, wir hatten ein wunderbares Spiegelei“, erzählt er.

„Auf die Sicherheitsschuhe können wir nicht verzichten“

Auch für Andreas Stuckmann und Horst Bittlingmaier, das Tiefbau- und Schilderteam des städtischen Bauhofs, heißt es ausharren in der Hitze. Immer mal wieder sind die beiden als Springer unterwegs, wenn irgendwo Not am Mann ist- So auch gestern Mittag, nachdem eine wilde Müllhalde nahe der Düne an der Hohebergstraße entdeckt worden ist. Hausmüll, ohne Rücksicht im Grünen entsorgt, darf nicht liegen bleiben, schon gar nicht bei Außentemperaturen von 31 Grad Celsius. Also müssen die beiden Männer diese unangenehme Arbeit erledigen.

Grundsätzlich können die Mitarbeiter des Bauhofs im Sommer schon um 6 Uhr ihre Arbeit beginnen. Umso früher sind sie dann am Nachmittag fertig. Aber „Erleichterung" bei der Bekleidung gibt es nur begrenzt. „Auf die Sicherheitsschuhe können wir nicht verzichten“, betont Michael Brand. Sandalen zum Beispiel sind nicht erlaubt.

Spielen, Lesen und andere nicht so anstrengende Beschäftigungen

Gefreut haben dürften sich gestern viele Schülerinnen und Schüler. An den beiden weiterführenden Schulen war gestern nämlich nach der fünften Stunde Schluss. „Aber auch vorher gab’s erleichterten Unterricht zum Beispiel im Freien“, berichtete Matthias Lippert, Leiter der Adolf-Reichwein-Schule. Und auch am gegenüberliegenden Adolf-Reichwein-Gymnasium (ARG) durften die Jugendlichen nach der fünften Stunde nach Hause. „Es ist tierisch heiß in unseren Gebäuden“, versuchte Hans Köhring, stellvertretender Leiter des ARG, die Situation zu beschreiben. Heute und morgen sei dann ohnehin Wandertag für alle Klassen und am Freitag nach der Zeugnisausgabe in der dritten Stunde Schluss. Damit sei das Hitzeproblem für dieses Schuljahr schon mal gelöst.

Spielen, Lesen und andere nicht so anstrengende Beschäftigungen stehen bei diesen Temperaturen an der Matthias-Claudius-Schule in Rembrücken auf dem Lehrplan. Früher nach Hause geschickt werden die Kinder allerdings nicht, da Grundschulen den Eltern dies ja grundsätzlich zusagen.

Auszuhalten ist es bei mehr als 30 Grad Celsius im alten Gemäuer des Schlossrathauses. Nur unter dem Flachdach des Anbaus könne es unangenehm werden, bestätigt Bürgermeister Peter Jakoby. Dennoch erwartet der Verwaltungschef „angemessene Kleidung“ von den Mitarbeitern. Bauchfrei bei den Damen oder kurze Hosen bei den Herren wünsche er nicht. Aber eine Krawatte müsse, je nach Anlass, nicht unbedingt sein.

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