Heißen Kakao und Tee im Gepäck

+
Mit heißem Kakao und Tee konnte man sich unterwegs aufwärmen.

Heusenstamm ‐  „Wo ist die Schlossstraße 8?“ Sternsingen unter erschwerten Bedingungen ist das, da kann man schon mal die Adresse des Pfarrhauses, vor dem man steht, vergessen. 18 „Weise“ stapfen durchs Weiße, 15 Zentimeter hohen, jungfräulichen Neuschnee – so was gibt’s weder bei Caspar, noch bei Melchior oder Balthasar daheim. Von Michael Prochnow

Auch viele der in mehrere Hosen, Pullover, Jacken und bunte Gewänder eingepackten Kinder haben ihre Heimatstadt noch nicht unter einer so dicken Schneedecke gesehen.

Am wenigsten Rosa. Die dreijährige Schwester von Tina ist die jüngste Prinzessin in der Familie. Und „Familie“ kann man bei der Runde um die beiden Gruppenleiterinnen Laura und Steffi wörtlich nehmen: Fast alle sind miteinander verwandt, Geschwister und Cousinen. Lena, Zwillingsschwester von Paula, winkt ab: „Das ist viel zu kompliziert!“. Erfahrungsgemäß kapitulieren Zuhörer, wenn sie die verwandtschaftlichen Beziehungen des Stern-Teams erläutert. Also konzentrieren sich die „Königinnen“ auf das Wesentliche, sagen ihren Segensspruch auf und wünschen Frieden.

Trotz Schnee und Kälte hatten die Heusenstamms Sternsinger ihren Spaß.

Maria und Nikolaus Jakoby bedanken sich erfreut, loben den klaren Gesang der Sternsinger. Dann holt der Hausherr eine Fotokamera herbei, schickt seine Ehefrau hinter die bunt gewandete Schar, drückt das Gerät einem Begleiter in die Hand und hockt sich selber zu Füßen des hohen Besuchs. Auch auf die moderne, schneeweiße Haustür sind die Gäste vorbereitet, malen das 20 * C + M + B * 10 auf einen schwarzen Streifen, den Steffi, die Längste im Bunde, oben ans Portal klebt.

Ein Geldschein wandert in die Blechdose mit Aufklebern vergangener Jahre, die stets vom Kindermissionswerk in Aachen vorbereitet werden. Senegal ist diesmal Beispielland, die weltweit größte Aktion von Kindern für Kinder unterstützt jedoch mehr als 3000 Hilfsprojekte rund um den Globus. Dafür werden die monetären Einnahmen verwandt, die Schokolade, Kekse und Bonbons sind für die kleinen Botschafter von Jesu Geburt gedacht.

Aufwärmen mit Tee und Kakao

Anfangs passt die Kaufhaustüte noch zwischen das Gefäß mit den Gewürzkörnern fürs Mini-Weihrauchfass, die Kreidedose und Rosa auf den Plastikschlitten. Doch schon bald sind es zu viele Süßigkeiten, die Tüte muss getragen werden. In der Patershäuser Straße möchte der 1,40 Meter messende Melchior mal „anschreiben“. Alles kein Problem, erfahrene Gastgeber haben schon eine Trittleiter bereit gestellt und Tina klettert auf die Stufen.

Draußen packen die Gruppenleiterinnen stabile Becher aus – die Mädchen haben Durst, obwohl fast in allen Wohnzimmern Orangensaft angeboten wird. Die Thermoskannen der Begleiterinnen geben noch eineinhalb Becher Kakao her, Tee ist noch reichlich da.

Letzte Station – Im Wiesenring. Der ist besonders tückisch, unter dem Schnee ist eine spiegelglatte Eisschicht verborgen. Nils hat's nicht gemerkt und landet mit wehendem Gewand auf seinem Allerwertesten. Die Vorhut ist schon am Haus der Familie Margraf vorbeimarschiert und muss von Steffi zurückgepfiffen werden. Geübt wie eine Popgruppe formieren sich die Besucher neben dem Christbaum, dessen Kerzen eigens noch einmal weihnachtliche Stimmung schaffen. Vom „hellen Stern“ und von Bethlehem singen sie auswendig.

Dann stärken sie sich mit selbst gebackenen Plätzchen für eine kleine Schneeballschlacht auf dem Heimweg.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare