Kröten jeden Tag

Helfer sammeln Amphibien am Straßenrand

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Ein selten gewordener Springfrosch am Fangzaun.

Heusenstamm - Simone Roters läuft ganz langsam, Schritt für Schritt entlang der Waldgrenze an der Rembrücker Straße. Immer wieder bleibt sie stehen, horcht, ob es irgendwo im Unterholz raschelt. Von Claudia Bechthold

Seit Montag vor einer Woche sind sie und etliche weitere Helfer in der Abenddämmerung und morgens in aller Frühe unterwegs, um Kröten und Frösche einzusammeln. Mit den steigenden Temperaturen hat die Wanderung zu den Laichgewässern der Tiere schlagartig eingesetzt. Und es muss verhindert werden, dass die Tiere auf die Straße gelangen.

Die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und die Waldjugend kümmern sich in Heusenstamm um die Amphibien. Zum einen muss jeden Abend die Wurzelschneise geschlossen und am nächsten Morgen wieder geöffnet werden, damit die verschiedenen Arten aus der Familie der Froschlurche heil zu ihren Laichgewässern gelangen können. Und zum anderen muss an der Rembrücker Straße geholfen werden.

Schutzzäune aufgestellt und Sammeleimer eingegraben

Simone Roters kontrolliert einen Kröteneimer.

„Dort ist die Arbeit aufwendiger“, sagt Dietmar Tinat, Vorsitzender der SDW in der Schlossstadt. Denn an der Strecke in Richtung Rembrücken müssen zunächst Schutzzäune aufgestellt und Sammeleimer eingegraben werden. Das erledige dankenswerter Weise die Stadt. Und dann gilt es jeden Tag morgens und abends Kröten und Frösche einzusammeln, die am Zaun gescheitert und auf der Suche nach einer Lücke in einem der Eimer gelandet sind. Von dort werden sie dann über die Straße getragen und im Schermsee auf der anderen Seite abgesetzt.

„Wir werden seit einigen Tagen förmlich von den Kröten überrannt“, berichtet Tinat. Die wenigen milden Tage Anfang März hatten die Tiere wohl schon aus ihren Winterquartieren gelockt. Durch die Kälte aber wurde die Wanderung unterbrochen. „Sie graben sich dann an Ort und Stelle ein“, weiß Simone Roters. Als es nun wieder wärmer wurde, startete offenbar ein Wettlauf zum Schermsee.

200 bis 300 Tiere werden von den freiwilligen Helfern derzeit jeden Tag in den See getragen. Darunter seien inzwischen auch Exemplare unter Schutz stehender Arten wie etwa Springfrösche und sogar Laubfrösche.

Die am stärksten bedrohten Tierarten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Für Dietmar Tinat ist das ein Zeichen für erfolgreiche Renaturierungsmaßnahmen nach dem Kiesabbau am heutigen Schermsee. Die inzwischen verbesserter Gewässergüte habe einen geänderten „Tierbesatz“ zur Folge.

Daraus entstünden aber auch Probleme. Da sich die Überwinterungsgebiete der verschiedenen Amphibien-Arten im Wald an der gegenüberliegenden Seite der Straße befinden, muss für immer mehr Tiere das Überqueren der Fahrbahn organisiert werden. Tinat: „Da sollte bald ein fester Krötentunnel eingebaut werden.“

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