Heusenstammer und Obertshausener im Duell mit Frankfurter Initiative

Hessen-Derby im Müllsammeln

Obertshausener Naturfreunde: Undine Zimmer, Yvonne Smykalla und Tatjana Schuh füllen den Container mit wildem Müll.
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Obertshausener Naturfreunde: Undine Zimmer, Yvonne Smykalla und Tatjana Schuh füllen den Container mit wildem Müll.

„Wir sind zahlenmäßig unterlegen“, räumt Undine Zimmer ein. Dennoch verlässt sie und ihre Mitstreiter der Kampfgeist nicht, im Gegenteil: Der Container in der Nähe des Obertshausener Bahnhofes füllt sich schnell mit „wildem Müll“, dem die Sammler der Initiative „#einfachBÜCKEN“ in regelmäßigen Abständen zu Leibe rücken. Am Wochenende haben sie sich mit dem Heusenstammer Pendant „Die Naturengel“ zusammengetan, um sich mit dem Kontrahenten „cleanffm“ von der anderen Mainseite im Müllsammeln zu messen.

Heusenstamm/Obertshausen – Das Hessen-Derby findet jeweils als Heimspiel statt: Jede Gruppe sammelt für sich im jeweiligen Stadtgebiet unter Beachtung der Coronaregeln. Für den Wettstreit werden die Kilogramm pro Teilnehmer gezählt. Julia Weitzel von den Naturengeln erläutert: „Die Säcke werden dann mit einer Kofferwaage gewogen.“ Zwar bringen Autoreifen mehr auf die Waage als Kippenstummel, doch sieht sie es sportlich: „Hauptsache, wir räumen unsere Umwelt auf.“ Wie der Wettstreit gegen Frankfurt ausgegangen ist und wie viel Kilogramm die Gruppen gesammelt haben, wird Anfang dieser Woche ausgewertet.

Entlang der Frankfurter Straße hängen Kippengeister in regelmäßigen Abständen

Auch wenn besagte Zigarettenstummel zwar nicht viel auf der Waage bewegen, richten sie in der Umwelt dafür umso mehr Schaden an. Aus diesem Grund „spukt“ es seit geraumer Zeit in Obertshausen und Heusenstamm, denn „Kippengeister“, Sammelbehältnisse für Kippenstummel, machen die Straßen nicht unsicher, sondern bei reger Beteiligung sauberer. Die umfunktionierten Tetrapaks und Getränkedosen sind in ein Gewand gehüllt, das neben einem freundlichen Geistgesicht Informationen über die Auswirkungen achtlosen Wegschnickens zeigt. Die Vorlage stellt das „Clean Up Network“ zur Verfügung, dem Bücker und Engel angehören. Die Schlossstädter haben die Variante derweil weiterentwickelt und suchen nun „Ghosthosts“, also „Geistgastgeber“. „Kippengeistbeauftragte“ Irene Wilhelm erläutert: „Wir haben nun eine Variante, in der man einfach eine volle Getränkedose durch eine leere ersetzen kann, die von einem Drahtgeflecht gehalten wird.“

Heusenstammer Naturengel: Kerstin Rehse (links) und Irene Wilhelm, die „Kippengeistbeauftragte“.

Entlang der Frankfurter Straße hängen Kippengeister in regelmäßigen Abständen, die einen mehr, die anderen weniger gut gefüllt. „Inzwischen kennen wir so unsere Hotspots“, erzählt Naturengel Julia Weitzel. An welchen Stellen sich die Geister besonders schnell den Bauch vollschlagen können, sind Kiosks oder vor Restaurants. Weitzel weiter: „Wir freuen uns, wenn die Ladenbesitzer so hinterher sind und ihre Kundschaft ‚erziehen‘.“ Es gehe jedoch nicht darum, zu meckern, sondern viel mehr darum, den Rauchern bewusst zu machen, welche Auswirkungen das Fallenlassen hat. „Viele machen das ja auch nicht mit böser Absicht“, weiß Weitzel. Ein Stummel verunreinige 40 Liter Grundwasser mit bis zu 7000 Chemikalien, die durch die Witterung herausgespült werden. Außerdem könne es bis zu 100 Jahre dauern, bis der plastikhaltige Filter zersetzt ist.

„Wir wollen Leute motivieren, ihren Vorgarten entsprechend zu gestalten“

Wer selbst ein Ghosthost werden will, kann sich auf dienaturengel.de/downloads eine Bastelanleitung herunterladen. Hoftore und Gartenzäune bewohnen die Kippengeister besonders gerne. Mit einem weiteren Projekt wollen die Naturengel ein Zuhause für Insekten schaffen – und laden auch da die Schlossstädter dazu ein, mitzumachen. Mit einem Gewinnspiel, das bis zum 15. Mai läuft, sind Heusenstammer dazu angehalten, Bilder ihrer insektenfreundlichen Vorgärten an info@dienaturengel.de zu senden. „Gerade in Neubaugebieten gibt es immer mehr Steinwüsten“, sagt Kerstin Rehse, die das Gewinnspiel ins Leben gerufen hat. Mitorganisatorin Simone Paesler ergänzt: „Wir wollen Leute motivieren, ihren Vorgarten entsprechend zu gestalten – so gut wie jede Art von Begrünung ist schon ein Schritt in die richtige Richtung.“ Sie hat sich vor Kurzem vom Naturschutzbund zur Naturführerin ausbilden lassen und weiß, wo Insekten gerne hausen. „Leider geben Forsythien, die schönen gelben Büsche, die gerade blühen, gar nicht viel her.“ Dennoch spenden sie Schatten, was sich positiv auf das direkte Stadtklima auswirkt, denn „Steingärten heizen sich ziemlich auf.“ Dennoch ist Paesler sich sicher: Es gibt für jede Vorgartengröße eine Lösung. Für Inspiration empfiehlt sie einen Besuch auf nabu.de.

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