Neues Kapitel für den Friede

Kreuzweg und Familiengottesdienst locken Besucher

Ausschau nach dem Glauben: Beim Osterspiel der evangelischen Kirche umjubelten die Teilnehmer die Auferstehung Jesu. - Foto: Petrat

Heusenstamm - Für Christen bedeutet Ostern eine schreckliche Geschichte mit glücklichem Ende. In der Schlossstadt konnten Besucher des ökumenischen Kreuzweges und des Familiengottesdienstes in der evangelischen Kirche die emotionale Erzählung um die Auferstehung miterleben. Von Peter Petrat 

Verraten, verhöhnt, gepeinigt und ans Kreuz genagelt: Die Leiden des sterbenden Jesus lesen sich wie ein grausamer Krimi. Beim Jugendkreuzweg am Karfreitag standen Trauer, Mitgefühl und Nachdenklichkeit im Mittelpunkt. Erst im Osterspiel von Kindern zwischen zwei und zehn Jahren im Gottesdienst der evangelischen Kirche wurde am Montag wieder frohlockt: „Jesus lebt – das Grab ist leer. Er lebt!“ Spüren können, wo Leid und Ungerechtigkeit den Alltag bestimmen, das sollten die Besucher des Jugendkreuzweges in der katholischen Kirche Sankt Cäcilia. Denn auch wenn die Überlieferungen aus der Bibel etwa 2000 Jahre alt sind, bleiben sie aktuell. Zuletzt durch Brüssel habe man das große Leid in der Welt vor Augen geführt bekommen, sagen die Kirchengemeinden. Und: „Unser Leid verbindet uns mit Jesus“.

Zum ersten Mal war bei der ökumenischen Veranstaltung auch die Freie Evangelische Gemeinde mit dabei. Die einzelnen Stationen des Kreuzweges sollten quer durch Heusenstamm führen. Wegen des schlechten Wetters blieben die Teilnehmer jedoch in der Kirche. Ungewöhnlich und eindrucksvoll waren die Etappen der Reise dennoch gestaltet. Unter dem Motto „vor die Wand gefahren“ spürten Besucher am eigenen Körper das beklemmende Gefühl, mit der Nasenspitze an eine große Mauer zu stoßen. Grenzen überwinden, Barrieren abbauen, auch in Köpfen und Herzen – so die nachdenkliche Aufforderung. Mit Zettel und Stift konnte jeder niederschreiben, was ihn davon abhält, seinen Glauben auszuleben. Kleine Steine symbolisierten Sorgen, welche die Teilnehmer tragen sollten, um sich später am Kreuz davon wieder zu befreien. Auch mit zwei Flüchtlings-Geschichten wurde der Bezug zur heutigen Zeit gesucht. Ängste, Gewalt, Schmerz und Verfolgung sind eben noch immer allgegenwärtig.

Doch es gibt Hoffnung. Im christlichen Glauben ist die Wiederauferstehung zentraler Glaubensinhalt und Wendepunkt. Sie steht für Versöhnung und Eröffnung einer Zukunft für Welt und Mensch. Im Familiengottesdienst in der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche predigte Pfarrerin Susanne Winkler über Veränderung. Die Bibelgeschichte der drei Frauen, die am Ostermontag früh in die Begräbnishöhle wollten, endete ursprünglich damit, dass sie verschreckt vor dem leeren Grab standen. Doch die elf Kinder in ihren bunten Gewändern zeigten in ihrem Osterspiel die Geschichte, wie sie nun in der Bibel steht. Wohl erst 30 Jahre später sei ein neues Ende angefügt worden. In diesem überwinden die Frauen ihre Furcht und berichten, was sie gesehen haben. „Auch wir können die Geschichte unseres eigenen Lebens, unseres Landes und unserer Welt weiterschreiben und das Ende neu bestimmen“, so Pfarrerin Winkler. Jede Generation schreibe neue Kapitel. Damit hat auch jede Generation erneut die Chance, die Welt ein Stück weit besser zu machen.

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