„Energische" Männer als Gründer

125 Jahre Turnverein Rembrücken: Feiern um ein Jahr verschoben

Historisches Foto von Kerbborschen.
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Die Kerb und das Kartoffelfest haben die Rembrücker dem Turnverein zu verdanken. Das alte Foto zeigt Kerbborschen im Jahr 1952.

Zum 100. Geburtstag hieß es, das Alter besage nicht viel, es käme eher auf die Ideen an. Nun, da der Turnverein Rembrücken (TVR) noch mal ein Vierteljahrhundert älter wird, zeigt sich erneut, wie einfallsreich die Sportler und ihre Mitstreiter sind. Auch angesichts der Corona-Pandemie kommt es nicht infrage, die geplanten Feierlichkeiten komplett abzusagen.

Heusenstamm – Der Auftakt zum Heusenstammer Kultursommer, die Vereinstage auf dem Gelände am Bindingweg und die große Fotoausstellung sollen im kommenden Jahr stattfinden. „Jetzt nutzen wir die Zeit und machen alles ein bisschen schöner“, teilt der Vereinsvorsitzende Peter Mohr mit. So wurden am Vereinsgebäude bereits Türen gestrichen und das Dach repariert. Als Nächstes soll ein neuer Verkaufskiosk her. Das größte Vorhaben aber ist die komplett neue Umzäunung des Geländes. „Das ist wirklich ein großes Projekt, aber wir haben Unterstützung von Land, Kreis und Stadt erhalten, das motiviert uns natürlich“, meint Mohr.

Laut Chronik waren es nur „ein paar Männer“, die den Turnverein im Jahr 1895 gründeten. Nicht mehr alle Namen sind bekannt, überliefert ist indes, dass ein 1899 gewählter Vorstand bereits sehr „energisch“ an die Arbeit geht. „Mit allem Nachdruck“ werden Vereinsgegenstände wie Turngeräte oder Trommeln, die im Besitz ehemaliger Mitglieder sind, zurückgeholt und Geldforderungen „auf dem kürzesten Weg“ eingetrieben. Dem weiteren Verein, der „Turngemeinde Rembrücken Gut Heil“ sei der TVR nicht gerade freundschaftlich verbunden gewesen, hatte er doch Mitglieder aufgenommen, die beim Turnverein noch Schulden hatten. Zehn Pfennige muss jedes Mitglied in den Anfangszeiten zahlen, das Vereinsvermögen beläuft sich auf 611 Mark. Als weitere Einnahmequelle gelten disziplinarische Regeln: Turner, die beim Training fehlen, sind zu einer Geldstrafe verpflichtet.

„Quetschekuche“, also Zwetschgenkuchen, durfte auch zur Rembrücker Kerb nicht fehlen.

Bei aller Strenge haben die Rembrücker Sportler immer schon gerne und gut gefeiert. Noch heute hat der Ort dem Verein manches Traditionsfest wie Kerb, Kartoffelfest oder Adventsmarkt zu verdanken. Legendär sind die Faschingssausen oder Aktionen wie die Schleppjagd der Abteilung Pferdesport, die mittlerweile eingestellt sind. „Es ist natürlich bitter, dass wir in diesem Jahr keine Einnahmen aus den Festen haben“, sagt der Vereinsvorsitzende. Und sieht zugleich wieder das Positive. „Wir können auf unserer tollen Anlage unseren Sport organisieren und finden vor allem immer noch viele Mitstreiter.“

Rund 400 Mitglieder aus Rembrücken und umliegenden Gemeinden gehören dem TVR an. Die „bewegte Vereinsgeschichte“ hatte durchaus dunkele Zeiten. Der Erste und der Zweite Weltkrieg legen das sportliche Leben lahm und kosten schmerzlich Opfer aus den eigenen Reihen. Erst ab etwa 1950 blüht das Angebot wieder auf, die Turner zeigen große Erfolge, der Antrag für ein Pachtgelände wird genehmigt und es gründet sich eine Fußballabteilung. 1962 gilt indes als „dramatisches Jahr“: Es droht eine Spaltung zwischen Hauptverein und Fußball-Abteilung, die allerdings nicht zustande kommt.

Im April 1962 eröffnet der TVR die Turnhalle, im Juni 1974 auch den Sportplatz. Eine wichtige Rolle spielt die Vereinsgaststätte, die zu Beginn noch von Mitgliedern geführt wird. Ende der 1970er und erneut Anfang der 1980er Jahre geschieht Tragisches: Zwei Mal brennen die Gebäude des TVR lichterloh. Doch auch da gelingt unter dem „selbstlosen Einsatz“ zahlreicher Mitglieder jedes Mal ein schneller Wiederaufbau.

Kinderturnen lautete ein Angebot für den Nachwuchs während der Kerb.

Zu allen Zeiten hat der Turnverein es verstanden, sein Spartenangebot geschickt aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Mal ist es Wandern, Tischtennis und Aerobic, heute geht es auch um Rücken-Fit oder Fatburning. „Wir müssen mit der Zeit gehen und uns stets darum kümmern, Nachwuchs zu gewinnen“, sagt Peter Mohr. Das bleibe auch in Zukunft die größte Aufgabe. (Barbara Scholze)

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