Alte Feuerwache unter Denkmalschutz

Neuer Aspekt in der Debatte um Neubau oder Anbau für die Brandschützer

Die alte Feuerwache hinter dem heutigen Gebäude der Brandschützer an der Rembrücker Straße, 1910 erbaut und 1923 erweitert, steht jetzt als schützenswert auf der Liste des Landesdenkmalamtes. Foto: PROCHNOW
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Die alte Feuerwache hinter dem heutigen Gebäude der Brandschützer an der Rembrücker Straße, 1910 erbaut und 1923 erweitert, steht jetzt als schützenswert auf der Liste des Landesdenkmalamtes. 

Die Nachricht, die Bürgermeister Halil Öztas zu Beginn der Bauausschuss-Sitzung verlas, hat überrascht: Das Landesdenkmalamt hat die alte Feuerwache in die Liste schutzwürdiger Gebäude aufgenommen. 

Heusenstamm –  1910 am damaligen Ortsrand an der Straße nach Rembrücken errichtet und vermutlich 1923 erweitert sei die ehemalige Feuerwache „aufgrund ihrer zeittypischen Ausprägung“ sowie „ihrer orts- und sozialgeschichtlichen Bedeutung“ als Kulturdenkmal anzusehen. Das Gebäude könne das Herzstück eines neuen Stadtquartiers bilden, betonte Öztas gestern dazu in einer Mitteilung.

Es passte zu einem der Tagesordnungspunkte des Abends. Mit einem Antrag möchte die FDP den Magistrat auffordern, die 2017 beschlossene Erweiterung und Sanierung des Feuerwehrhauses an der Rembrücker Straße umzusetzen oder eine alternative Planung inklusive Zeitplan für ein neues Gebäude zu diesem Zweck zur Beschlussfassung vorzulegen (wir berichteten). Zudem hatten die Freidemokraten darum gebeten, dass ein Vertreter der Feuerwehr über die Sicht der Einsatzkräfte zu diesem Thema berichtet. Die beschlossene Erweiterung werde nicht umgesetzt, stattdessen teile der Magistrat mit, eine Projektgesellschaft wolle auf dem Grundstück am Martinseekreisel ein neues Feuerwehrhaus errichten, erläuterte FDP-Stadtverordneter Dr. Rudolf Benninger. Eine Vorlage zu dieser Variante gebe es aber bislang nicht.

Voraussichtlich zur nächsten Sitzungsrunde im September werde man Ergebnisse der Prüfungen zu diesem Thema vorlegen können, versicherte Bürgermeister Halil Öztas. Die beschlossene Erweiterung und Sanierung des 1976 eingeweihten Gebäudes sei unter anderem wegen des städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für dieses Gebiet sowie der Option, ein neues Haus am Martinseekreisel zu errichten, noch nicht umgesetzt. Man arbeite bereits an entsprechenden Vorlagen, darunter auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für beide Varianten. Es fehlten aber – coronabedingt – noch Daten des Landesamts für Bodenmanagement. Öztas kritisierte, der Antrag der FDP enthalte den „latenten Vorwurf“, die Verwaltung sei untätig. Dies stimme aber nicht: „Alle haben ein Interesse an einem neuen Feuerwehrhaus.“

Schon vor zehn Jahren habe man zunehmende Probleme mit dem baulichen Zustand des Gebäudes vorgetragen, berichtete anschließend Stadtbrandinspektor Gregor Fanroth den Ausschussmitgliedern. Und er habe kürzlich das Ergebnis einer freien Aussprache – ohne Führungskräfte – Ende vergangenen Jahres in der Mannschaft an den Bürgermeister weitergegeben, bei dem es erneut um den schlechten Zustand des Feuerwehrhauses gegangen sei. Die unterschiedlichen Aussagen zu Um- und Anbau oder Neubau seien verwirrend, habe man dabei übereinstimmend kritisiert: „Die Mannschaft erwartet, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung getroffen wird.“

Zudem, so Fanroth weiter, habe die Mannschaft vier Varianten mit einem Punktsystem bewertet: Um- und Anbau am jetzigen Standort an der Rembrücker Straße, Neubau ebendort, Neubau am Martinseekreisel oder Neubau an einer noch zu findenden, ganz anderen Stelle. Dabei habe ein Neubau am jetzigen Standort ein deutliches Votum, ein solcher gegenüber Martinsee aber keine Zustimmung erhalten. Auch einen Umbau am Standort ziehe man dem Vorschlag zum Martinseekreisel vor.

Unter anderem die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist sei einer der Gründe für dieses Ergebnis. Da die Ehrenamtlichen bei einem Alarm zunächst zum Feuerwehrhaus gelangen müssen, sei die Lage des jetzigen Gebäudes besser geeignet, da etliche Einsatzkräfte im angrenzenden Ostend wohnen. Zur angekündigten Wirtschaftlichkeitsberechnung bemerkte Fanroth zudem, dass er keine Angaben kenne, wonach diese erstellt werde. Über dieses Thema habe er im Dezember zum letzten Mal mit dem Bürgermeister gesprochen.

Wegen des neuen Aspekts der nun unter Schutz stehenden alten Feuerwache haben die Ausschussmitglieder am Ende über eine Abstimmung zu dem Antrag verzichtet.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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