Vorstand muss gesucht werden

Amtsinhaber der Gärtner treten zur nächsten Wahl im Januar nicht mehr an

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Das Gelände westlich des Schlosses gehört seit dem 1970er Jahren dem Obst- und Gartenbauverein, der seine Mitglieder zum Kauf der Immobilie um Unterstützung gebeten hatte.

Knapp 20 Jahre schon hat Pia Kemmerer einen Garten in der Anlage des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) an der verlängerten Schlossstraße. Und fast genauso lange arbeitet sie im Vorstand der Gemeinschaft mit – zunächst als Schriftführerin, seit 2010 als Vorsitzende. Nun hat sie angekündigt, bei der nächsten Wahl Anfang des Jahres nicht mehr anzutreten.          

Heusenstamm – Als Pia Kemmerer im Mai 2010 die Verantwortung für den OGV übernimmt, steht der Verein vor Trümmern. Nur wenige Monate zuvor, in der Nacht zum 11. November 2009, waren Unbekannte ins Heim des Vereins eingebrochen und hatten Feuer gelegt. Das Gebäude brannte fast völlig aus.

Der Wiederaufbau ist also das wichtigste Thema, das die Gärtner zu dieser Zeit beschäftigt. 300 000 Euro würde der Neubau kosten, heißt es in den Kalkulationen, weitere 100 000 Euro, für die die Versicherung nicht aufkommt, werden für die Innenausstattung benötigt. Als Vorsitzende unterschreibt Pia Kemmerer daher einen Kreditvertrag, der über zehn Jahre laufen soll. 50 Euro zusätzlich muss jedes Vereinsmitglied bezahlen, um die Schulden innerhalb dieses Zeitraums zu tilgen. „Damals schon habe ich zugesagt, bis zum Ende des Kredits zu bleiben“, erläutert die Vorsitzende. Dieses Ziel sei nun erreicht.

Doch noch eine zweite Last hat der OGV schon seit vielen Jahren zu tragen. Als der Graf Schönborn seine Immobilien in den 1970er Jahren verkaufte, wollte der Verein das Gelände, auf dem sich die Gärten befinden, erwerben. Das ging aber nicht ohne die Hilfe der Mitglieder. Daher ließ sich der Vorstand damals von jedem Gärtner einen festgelegten Betrag je Quadratmeter Parzelle geben – mit dem vertraglich abgesicherten Versprechen, wenn der Garten zurückgegeben wird, bezahlt der Verein dieses Geld zurück. Eigentlich eine gute Idee: „Kein anderer als Willi Späth hätte das geschafft“, betont die Vorsitzende.

Für etwa 200 Parzellen (von etwa 250), schätzt Pia Kemmerer, muss dieses Geld noch zurückbezahlt werden, 35 000 bis 40 000 Euro, schätzt sie, dürften da in den nächsten Jahren anstehen. Um den Verein in dieser Hinsicht abzusichern, wollte der Vorstand Anfang dieses Jahres die Beiträge ändern – gemäß dem Versprechen, diese bis zum Ende des Kredits nicht anzutasten – denn es müssen Rücklagen geschaffen werden für die Rückzahlungspflicht. Doch die Mitgliederversammlung lehnte die geplante Jahrespauschale in Höhe von 210 Euro ab.

Dieses Verfahren, einen Garten zu erwerben,wurde übrigens 2016 durch eine Satzungsänderung abgeschafft. Neue Gärtner werden seither über ein Gartennutzungsvertrag geworben.

Ein weiterer Aspekt, warum Pia Kemmerer – und mit ihr der gesamte amtierende Vorstand – im Januar zur Jahreshauptversammlung nicht mehr antreten wird, ist das Vereinsheim selbst. Dieses wird seit der Eröffnung im Oktober 2011 regelmäßig vermietet, auch an Nichtmitglieder des OGV. Es ist inzwischen beliebt als Örtlichkeit für Feste, vor allem im Sommer, wenn man auf dem großen Platz davor grillen kann.

Aber die Vermietung gestaltet sich schwierig, es finden sich nicht genug Helfer, die während der Veranstaltungen Verantwortung übernehmen. Aus diesem Grund hat der Vorstand auch entschieden, das Heim nicht zu vermieten, bis ein neuer Vorstand entscheiden kann, wie es damit weitergeht.

Wenn am 29. Januar kommenden Jahres die Mitgliederversammlung einberufen wird, treten auch der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Saile, Schriftführer Sven Langrock, Kassierer Matthias Stübner sowie die Beisitzer Gert Kaiser, Alfred Kübert und Iris Höhn nicht mehr an. Das wissen die Mitglieder seit dem Frühjahr. Nachfolger sind, soweit Pia Kemmerer es weiß, bislang allerdings nicht in Sicht. 

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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