An Aufräumen ist nicht zu denken

Zerstörungen nach Unwetter und Trockenheit im Wald

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Rindenbrand nennt man die Folgen der trockenen Sommer, die an den Buchen zu sehen sind.

Die Schäden im Wald um die Schlossstadt herum sind immens. Dabei habe man in Heusenstamm im Vergleich etwa zu Rodgau noch Glück gehabt, sagt Revierförster Bernhard Gerstner. 

Heusenstamm – Mit einer Gruppe des Ortsverbands in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ist er in der Gemarkung unterwegs, um die Schäden nach dem verheerenden Unwetter Mitte August, aber auch durch die Trockenheit während der vergangenen Sommer zu begutachten. Die wenigen Minuten jenes Unwetters seien in den Auswirkungen vergleichbar mit jenen des Orkans Wiebke im Jahr 1990.

Es sind mehrere breite Schneisen, die jene Fallböen geschlagen haben, die eine Gewitterfront am Abend des 18. August vor sich hergetrieben hat. „Das war dichter, gut gewachsener Wald“, betont Gerstner. Er zeigt auf einen schön und komplett gerade gewachsenen Stamm: „Das ist bestes Kiefernholz, das könnte man für Fensterrahmen verwenden.“ Die umgestürzte Kiefer lugt hervor unter einem Wust von Ästen und anderen Stämmen, die über ihr liegen.

In manchen Abteilungen des Heusenstammer Waldes sieht es aus, als wäre dort seit Jahrzehnten nichts zur Pflege getan worden. Riesige Wurzelteller ragen senkrecht in die Höhe, dahinter ein einziges Durcheinander aus Stämmen und Baumkronen. Ob auch Tiere diesem Unwetter zum Opfer gefallen sind? Zwei Rehe wurden gefunden nach dem Ereignis, weiß Jäger Lothar Schmitz von der Jagdgenossenschaft. Es könnten aber mehr sein, sagt er, denn in die betroffenen Gebiete könne man ja noch nicht rein.

Davor warnt Bernhard Gerstner auch ausdrücklich. „Die umgestürzten Bäume stehen unter Spannung“, erläutert der Förster. Ein falscher Schritt könne da schlimme Folgen haben.

Aufgeräumt haben die Forstmitarbeiter, die im Gegensatz zu Gerstner Mitarbeiter der Stadt sind, bislang noch nicht. „Wir haben lediglich einige Wege freigeräumt.“ Alles andere müsse warten. Dafür gebe es mehrere Gründe. In die betroffenen Schneisen könne man niemanden hineinschicken, weil es zu gefährlich ist. Also müsse man dies mit großen Maschinen erledigen, sogenannten Harvestern. Doch die seien derzeit kaum zu bekommen, weil sie überall benötigt werden. Außerdem sei der Holzmarkt derzeit „zu“, also übersättigt.

Doch nicht nur die Folgen des Gewitters im August machen den Fachleuten Sorgen. Rindenbrand nennt Gerstner als sichtbare Folge der heißen, trockenen Sommer in diesem und dem vergangenen Jahr. Es sind vor allem die Buchen, die darunter leiden und sterben. Der Borkenkäfer dagegen frisst die Fichten, die dem Schädling wegen der Trockenheit nichts entgegen zu setzen haben. „Zum Glück gibt es im Heusenstammer Wald nur etwa sieben Prozent Fichten“, berichtet der Revierförster. Ein Pilz schließlich befällt geschwächte Kiefern.

Douglasien und große Küstentannen sind Baumarten, die derzeit als klimaresistent diskutiert und getestet werden, erläutert der Förster. Im ehemals dem Grafen Schönborn gehörenden Wald stehen schon Exemplare dieser Bäume. Der Graf habe einen Pflanzgarten betrieben, in dem getestet wurde, welche Baumarten sich für hiesige Breiten eignen. Und dazu zählten eben auch Douglasien und Küstentannen.

Die mehr als 20 Teilnehmer lassen den Rundgang, den sie fundiert, lehrreich und interessant nennen, bei einem kleinen Imbiss im Hofgut Patershausen ausklingen. Wie man dem Wald helfen kann, überlegen sie. Erste kleine Pflanzmaßnahmen könnte man vielleicht im nächsten Frühjahr starten, hofft Christine Hauck von der Schutzgemeinschaft.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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