Trauer

„Bäume stehen für das Leben“: Gedenkhain für die Opfer der Corona-Pandemie auf dem Friedhof eingeweiht

Einen Zier-Apfelbäume pflanzten (von links) Pfarrer Martin Weber, Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu, der bisherige Stadtverordnetenvorsteher Gerd Hibbeler, Bürgermeister Halil Öztas und Pfarrer Sven Sabary für den neuen Gedenkhain auf dem Heusenstammer Friedhof.
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Einen Zier-Apfelbäume pflanzten (von links) Pfarrer Martin Weber, Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu, der bisherige Stadtverordnetenvorsteher Gerd Hibbeler, Bürgermeister Halil Öztas und Pfarrer Sven Sabary für den neuen Gedenkhain auf dem Heusenstammer Friedhof.

Corona hat schreckliches Leid über viele Menschen in Deutschland gebracht. Nicht nur alte, bereits vorerkrankte Menschen sind verstorben, sondern auch junge und gesunde haben den Kampf gegen diesen unsichtbaren Feind verloren. Die Kontaktbeschränkungen haben außerdem dazu geführt, dass diese Menschen oft einsam und ohne Beistand verstorben sind.

Heusenstamm –Und die Beisetzungen konnten nur in sehr kleinem Kreis stattfinden, viele der Angehörige konnten sich nicht angemessen verabschieden und entsprechend trauern.

Auch in Heusenstamm sind in den vergangenen Monaten zahlreiche Menschen an oder mit Corona gestorben. Selbst wenn die Pandemie noch nicht überwunden ist, sollte der 18. April auf Initiative von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier ein Tag des Innehaltens sein, der zeigt, dass wir als Gesellschaft Anteil nehmen, die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen.

Um den Angehörigen einen Ort des Gedenkens und des Trauerns zu geben, hat die Schlossstadt daher nun einen „Gedenkhain“ auf dem alten Teil des Friedhofs an der Frankfurter Straße angelegt. Neun Zier-Apfelbäume wurden dazu auf einer freien Fläche direkt hinter der Trauerhalle eingepflanzt.

Bürgermeister Ötzas findet tröstende Worte

Als Alternative hatte man an einen Platz mitten der Stadt gedacht. Doch entschied man sich für den Friedhof, da die Verantwortlichen dort die Würde am ehesten gewahrt sahen.

„Gott zählt unsere Tränen“, sagte Bürgermeister Halil Öztas bei der Eröffnung des Hains. „Wir wollten einen stillen Platz schaffen, an dem die Angehörigen der Corona-Opfer in Würde um ihre verstorbenen Mitmenschen trauern können.“ Die Bäume stehen dabei für das Leben, das immer weiter geht. „Wir sprechen damit auch alle Angehörigen unser tiefstes Beileid aus.“ Es sei ihm besonders wichtig, in dieser schweren Zeit einen Zusammenhalt zu schaffen und eine Verbindung zu denen herzustellen, die durch den Verlust eines Menschen in tiefer Trauer sind.

Ökumenische Andacht für die Opfer

Seinen besonderen Dank richtete Öztas dabei an die Mitarbeiter des städtischen Friedhofs und an Bestatter Jürgen Tron, der die Kerzen gespendet und die kleine Feier vorbereitet hatte.

Der evangelische Pfarrer Sven Sabary und dessen katholischer Amtskollege Martin Weber hielten gemeinsam die Andacht und sprachen das Gebet. „Wir trauern um die vielen Menschen, die an Corona gestorben sind“, sagte Sabary, der auch den Psalm 23 zitierte: „Der Herr ist mein Hirte“. Sie gedachten auch anderer Menschen, die ebenfalls unter der Pandemie leiden: „Viele Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz“, sagte Sabary. Während der Traueransprache entzündeten Öztas, Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu, der bisherige Stadtverordnetenvorsteher Gerd Hibbeler und Pfarrer Weber sowie auch Pfarrer Sabary jeweils eine von zahlreichen Kerzen, die stellvertretend für die vielen Corona-Opfer Heusenstamms stehen.

Platz soll noch umgestaltet werden

Im Anschluss pflanzten die fünf kirchlichen und städtischen Vertreter symbolisch den letzten jener neun Apfelbäume. Die Pflanzen, die zwischen sieben und zehn Jahre alt sind, stammen nach den Angaben der Stadtverwaltung von einer Baumschule aus Bruchköbel.

„Wir werden den Platz bis Pfingsten umgestalten“, kündigte der Leiter des städtischen Fachdienstes Umwelt, Peter Affée, an: „Die neun Bäume werden mit einer Hecke umsäumt, wir werden Rasen säen und einen geschützten Ort schaffen, an dem Kerzen aufgestellt werden können. Zum Abschluss wird dann noch eine Bank aufgestellt.“ Die Einweihung wurde musikalisch von Lennart Böttcher begleitet. Der junge Geiger spielte den zweiten Satz aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – „Sommer“ sowie „Over The Rainbow“, das bekannteste Lied aus dem Musical „Der Zauberer von Oz.“

Auch in Mühlheim und Obertshausen wurde gestern in vielen Gottesdiensten der Opfer der Pandemie gedacht. (Von Burghard Wittekopf)

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