Stets im Interesse der Patienten

Heinz Ball zieht sich aus Ehrenamt in Diabetes Föderation zurück

+
Viele Jahre seines Ruhestands hat Heinz Ball ehrenamtlich für an Diabetes erkrankte Menschen gearbeitet.

Täglich seine Blutzuckerwerte zu messen und sich dann die entsprechende Menge Insulin zu spritzen, das ist für Heinz Ball schon seit vielen Jahren Alltag, nicht weiter erwähnenswert.

Heusenstamm – Dennoch hat er seine Diabetes-Erkrankung viele Jahre lang immer wieder in den Mittelpunkt gestellt – als Ehrenamtler für die heutige Deutsche Diabetes Föderation. Jetzt hat er sich weitgehend aus diesen Aufgaben zurückgezogen. Lediglich die Selbsthilfegruppe in der Schlossstadt will er weiterhin betreuen.

Viele „Kämpfe“ hat Heinz Ball in den Jahren seiner Aktivitäten erlebt und, zum Teil, auch gewonnen. Dabei ging es ihm stets um Vorbeugung, Erkennung und Umgang mit der Krankheit, aber auch um Verbesserungen für die Patienten.

Angefangen hat alles, als die Dachorganisation der Diabetiker vor vielen Jahren beschlossen hatte, die Bezirke Frankfurt und Offenbach zu trennen. Auf einen Hinweis seiner Frau Elisabeth ging Heinz Ball zu einem Treffen, bei dem ein Vorstand für den neuen Bezirk gefunden werden sollte. Dort traf er auf Dieter Turowski, ebenfalls ein Heusenstammer. Als sich niemand fand, der eines der Ehrenämter übernehmen wollte, sagte Turowski: „Wenn Sie den Vorsitz übernehmen, kandidiere ich als Schatzmeister.“ Genauso kam es dann auch.

Die Gründung einer Selbsthilfegruppe in ihrer Heimatstadt wurde zur ersten selbstgestellten Aufgabe. Mit viel Hilfe von Annemarie Brehm aus Offenbach kam ein Treffen zustande – mit großem Erfolg: Etwa 70 Menschen waren ins Hintere Schlösschen gekommen. Seitdem wird am jeweils vorletzten Donnerstag eines Monats um 19 Uhr ein Vortrag organisiert, zu dem alle Interessierten willkommen sind. Derzeit allerdings sind die Treffen ausgesetzt, da ein passendes Lokal gefunden werden muss.

Stets begleitet wurde Heinz Ball dabei von Dr. Dieter Klein, dem Leiter des Diabetes-Zentrums am Sana-Klinikum in Offenbach. Dieser unterstützte das inzwischen um Werner Deierling erweiterte Team auch bei der Organisation des ersten Diabetiker-Tages Anfang der 2000er Jahre im Deutschen Ledermuseum in Offenbach. „Viele waren skeptisch, ob überhaupt jemand kommt“, erinnert sich der 77-Jährige. Und dann war es „ein unglaublicher Erfolg“: Fast tausend Menschen hatten sich beraten und informieren lassen.

Besonders wichtig war Heinz Ball aber noch eine andere Aufgabe: Als Patientenvertreter war er lange Zeit im „Gemeinsamen Bundesausschuss“, dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, das viele Entscheidungen zur gesundheitlichen Versorgung der Menschen trifft. Unter anderem hat der Heusenstammer Ende der 1990er Jahre dafür gekämpft, dass die Krankenkassen die Kosten für Analoginsulin übernehmen. „Das war zunächst teurer als Humaninsulin, hat aber den großen Vorteil, dass es schneller wirkt und daher erst unmittelbar vor dem Essen genommen werden muss“, erläutert er. Lange hat er dafür gestritten, inzwischen ist es Standard, Humaninsulin nur noch die Ausnahme. Auch dafür ist Heinz Ball dankbar.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare