Viel zu beachten

Stadt lässt Barrierefreiheit in Heusenstamm prüfen

+
Breite Querungen und kurze Ampelschaltungen: Die Fußwege über die Kreuzung an der Alten Linde und der Ringstraße sorgen gerade bei älteren Menschen für Unsicherheit.

Hohe Schwellen, zugeparkte Gehwege und breite Straßenquerungen – beim Thema Barrierefreiheit, gibt es viele Punkte zu beachten. 

HeusentammWie es um das Thema auf und entlang der Straßen der Schlossstadt bestellt ist, haben der Darmstädter Professor Jürgen Follmann und seine Studenten im Auftrag der Stadt untersucht. Die Ergebnisse hat der Verkehrsexperte nun den Mitgliedern des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses präsentiert und dabei auch eine Reihe von Vorschlägen zum Abbau von Barrieren im öffentlichen Verkehrsraum gemacht.

Für seine Bestandsaufnahme hatte sich das Team um Follmann an die Bewohner des Awo-Sozialzentrums gewandt. „Dort haben wir ja quasi die Experten sitzen“, erläutert Follmann. Denn beispielsweise die Probleme durch das im allgemeinen zwar geduldete Parken auf dem Gehsteig betreffen sowohl Menschen im Rollstuhl als auch jene, die zu Fuß mit dem Rollator unterwegs sind. Auch Eltern mit Kinderwagen müssen nicht selten auf die Fahrbahn ausweichen, weil der Abstand zwischen den Fahrzeugen und der Hauswand nicht ausreicht.

Gemeinsam mit Bewohnern des Horst-Schmidt-Hauses haben die Studenten den Alltagstest gemacht und Routen durch die Stadt genau unter die Lupe genommen. In den Gesprächen habe sich herausgestellt, dass viele der Bewohner den Weg nach draußen scheuen. Denn um beispielsweise Senioren im Alltag eine höhere Mobilität zu ermöglichen, bedürfe es vor allem durchgehender Wegeketten, etwa durch die Stadt zum Rathaus oder in die Stadtmitte, führt Follmann aus. Dass der Bedarf nach mehr Mobilität vorhanden sei, beweise nicht zuletzt die Rikscha der Awo. Die sei so gefragt, dass nun eine zweite angeschafft wurde.

Ob hohe Bordsteinkanten oder Stolperfallen durch von Wurzeln angehobene Gehwegplatten, „kaum zur Tür draußen, stoßen Gehbehinderte schon auf die ersten Probleme“, bilanziert er. Dabei seien solche Hindernisse eigentlich leicht zu beseitigen. Ein weiteres Problem gerade für ältere Menschen stellten auch zu breite Straßenquerungen dar, etwa an der Kreuzung Alte Linde oder über die Ringstraße. Dort reichten die kurzen Schaltzeiten der Ampelanlage langsam gehenden Passanten oft nicht aus, um die Straße ganz zu überqueren, erläutert er. Eine Stresssituation, die sich durch großzügigere Grünphasen entschärfen lasse.

Aus den Erkenntnissen der Ortsbegehungen haben Follmann und seine Studenten auch eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet. So wirbt der Verkehrsexperte beispielsweise für mehr Sitzgelegenheiten im Stadtgebiet, die es gerade Senioren erlauben, sich unterwegs kurz auszuruhen. Auch dem Thema Toiletten im öffentlichen Raum gelte es Bedeutung zuschenken. Das Wichtigste seien jedoch die Verlangsamung des fließenden Verkehrs und die Beseitigung von Stolperfallen und Hindernissen entlang der Fußwege. „Gerade an schwer einsehbaren Stellen gilt es zudem, die Sicht zu verbessern“, mahnt Follmann. Diese werde nicht selten durch falsch abgestellte Fahrzeuge behindert. „Da kann es helfen, Parkplätze zu markieren und Parkverbote stärker zu kontrollieren“, rät er. Zur Not könnten an wichtigen Stellen auch das Aufstellen von Pollern oder gar Fahrradständern helfen, um ein Zuparken der Kreuzungsbereiche zu verhindern. Wobei gerade letztere in der Innenstadt zugleich auch die Attraktivität zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad steigern, wirbt der Experte.

Von Thomas Holzamer

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare