"Es läuft gewaltig schief"

Tag der offenen Kitas: Ernüchterung für die Eltern

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Beim Tag der offenen Kitas können sich die Eltern ein Bild von den Einrichtungen in der Schlossstadt machen.

Unterschiedliche pädagogische Konzepte, eine schöne Ausstattung und ein engagiertes Team von Erziehern – neben der Frage, ob sie überhaupt einen bekommen, gibt es viele Dinge, die Eltern bei der Suche nach dem passenden Betreuungsplatz beschäftigen.

Heusenstamm – Zweimal im Jahr öffnen deshalb die Kindertagesstätten in Heusenstamm ihre Türen und stellen sich den Fragen der Eltern, die einen U3- oder Ü3-Platz für ihr Kind suchen. Städtische, konfessionelle und freie Einrichtungen bieten in der Schlossstadt Plätze für die Jüngsten an.

Das Kinderhaus „Murmel“ in der Wernher-von-Braun-Straße 11 verfügt über drei Kindergarten- und eine U3-Gruppe. Die beiden Erzieherinnen Nicole Welz und Birgit Ernst empfangen diesmal die Eltern, führen sie durch die Räumlichkeiten und beantworten die zahlreichen Fragen. Die Kindertagesstätte liegt direkt am Neubaugebiet südlich der Hohebergstraße und ist dadurch die erste Wahl für die Eltern, die dort gebaut haben. Entsprechend groß ist der Andrang bereits kurz, nachdem sich die Türen der Einrichtung geöffnet haben.

Eigentlich, so die Idee, sollten sich die Eltern an diesem Tag für eine Kita entscheiden und ihr Kind bereits anmelden. Doch die Situation ist nicht nur in Heusenstamm dramatisch. Die meisten Kommunen haben zu wenig freie Plätze für die jungen Eltern, obwohl ein rechtlicher Anspruch auf eine Betreuung besteht. Die Konsequenz: Die Warteliste wird immer länger.

Heusenstamm: "Es läuft etwas gewaltig schief"

Doch explodierende Mietpreise, steigende Baukosten und wachsende Lebenshaltungskosten zwingen junge Eltern meist dazu, dass beide Partner arbeiten gehen. „Das geht vielen so“, berichtet Michaela Rauch-Schneider. Die junge Frau sucht einen U3-Platz. Wegen der Unsicherheit, ob ihr Kind rechtzeitig einen erhält, hat sie ihre Elternzeit auf zwei Jahre ausgelegt.

„Es läuft etwas gewaltig schief“, sagt ein junger Mann, der für seine einjährige Tochter einen Betreuungsplatz sucht. „Man verspricht uns, dass wir kostenlose Plätze für unsere Kinder haben, aber es gibt keine, und das soll auch viele Jahre noch so sein.“

Dass die Situation auch für die Kindertagesstätten nicht einfacher wird, ist hinreichend bekannt. Sie müssen längst Aufgaben übernehmen, die die jungen Familien aus Zeitmangel nicht mehr ausführen können. Zähneputzen, Mittagessen, Mittagsschlaf, Spazierengehen, frühkindlicher Sprach- und Musikunterricht und viele weitere Tätigkeiten nehmen viel Zeit in Anspruch und fordern das Personal.

Heusenstamm: Bau neuer Kindergärten dringend gefordert

Von allen Seiten wird der Bau neuer Kindergärten gefordert. Doch selbst wenn die Räumlichkeiten geschaffen sind, fehlt es an ausreichend geschultem Personal. „Der Markt ist leergefegt“, sagt Gerit Witzel, Leiterin der Kita Wiesenborn. Der Kindergarten bietet Platz für vier Ü3- und zwei U3-Gruppen. Auch dort beantwortet das Fachpersonal an diesem Tag geduldig die Fragen der Eltern und führt durch die Räume.

VON BURGHARD WITTEKOPF

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