Langsam wächst die Ungeduld

Besuche im Rosengarten des Horst-Schmidt-Hauses

50 Gesichtsvisiere eines anonymen Spenders übergab Karsten Sigl (links) an Awo-Betriebsleiter Marcus Hundsdörfer. 
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50 Gesichtsvisiere eines anonymen Spenders übergab Karsten Sigl (links) an Awo-Betriebsleiter Marcus Hundsdörfer.

Die Schutzmaßnahmen greifen gut. Aber die Ungeduld der Bewohner und Angehörigen wächst.

Heusenstamm – Die Corona-Sicherheitsmaßnahmen greifen gut, sagt Marcus Hundsdörfer, Betriebsleiter des Horst-Schmidt-Hauses der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Dennoch wachse mittlerweile die Ungeduld bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, deren Angehörigen und auch den Mitarbeitern des Seniorenzentrums an der Herderstraße ein wenig. Umso mehr freut er sich über 50 Kunststoff-Visiere, die ein Bürger, der anonym bleiben möchte, der Einrichtung gespendet hat. Überbracht hat die Schutzmasken der SPD-Vorsitzende Karsten Sigl.

Vor allem für an Demenz Erkrankte sei es sehr schwierig, Familienangehörige mit einer Mund-Nasen-Maske zu erkennen, erläutert Hundsdörfer. Nun könne man die Besuche auf Sicht für diese Bewohner wieder besser gestalten. Bereits zuvor hat die Initiative „Heusenstamm hilft“ 35 solcher Masken gespendet, die Hartmut Scharmann mit einem 3D-Drucker produziert hatte.

Vergleichsweise früh hatte man im Horst-Schmidt-Haus mit Sicherheitsmaßnahmen begonnen. Mitte März wurde das Zentrum für Besucher geschlossen. Seitdem messen zum Beispiel alle Mitarbeiter regelmäßig ihre Temperatur, berichtet Marcus Hundsdörfer. Außerdem sei es gelungen, Tablets zu organisieren, sodass sich Bewohner wenigstens per Video-Telefonie Kontakt mit ihren Familien aufnehmen konnten. „Wir haben versucht, schnell und unbürokratisch zu reagieren“, sagt der Betriebsleiter.

Inzwischen gibt es einige Erleichterungen für die rund 130 Bewohnerinnen und Bewohner des Horst-Schmidt-Hauses. So werden zum Beispiel Besuche im Freien ermöglicht. Dazu nutze man den sogenannten Rosengarten vor dem Haus. Die Familienmitglieder kommen vom Bürgersteig an den Zaun, während die Bewohner im Garten sitzen. So könne im Abstand von mindestens zwei Metern miteinander kommuniziert werden. „Dazu haben wir vor dem Zaun ein Blumenbeet aus Paletten errichtet, um einerseits die Barriere zu verdeutlichen, aber andererseits auch den Begegnungsraum freundlicher zu gestalten“, erläutert Hundsdörfer. Nahe Angehörige dürfen zudem ihre Familienmitglieder einmal pro Woche für eine Stunde im Kaminzimmer des Hauses besuchen.

Etwas Besonderes hat man sich für Geburtstage ausgedacht. Die Feiern finden im Café Sinfonie der Einrichtung statt. Während einige Bewohner und eine Betreuerin im Inneren des Cafés sitzen, können die Angehörigen auf der Terrasse des Cafés mitfeiern und am gekippten Fenster teilnehmen. Dazu werden die Tische drinnen und draußen in gleicher Weise dekoriert.

Außerdem findet der evangelische Gottesdienst im Rosengarten statt, die Senioren können von den Balkonen und der Terrasse aus das Geschehen verfolgen. Dort gibt es auch immer wieder musikalische Angebote, die ehrenamtlich von verschiedenen Musikern – immer unter Einhaltung der Mindestabstände – vorgetragen werden. Und zwischen den Türen des Haupteingangs wurde eine Schleuse eingerichtet, damit eine kontaktlose Übergabe von Geschenken, Wäsche und Paketen durch Angehörige oder Lieferanten möglich ist.

Seit Mai 2009 ist der neue Betriebsleiter Marcus Hundsdörfer bereits im Horst-Schmidt-Haus tätig. Als Serviceleiter war der 52-Jährige aus Hainburg zunächst für die gesamte Hauswirtschaft der Einrichtung verantwortlich. Der gelernte Koch sowie Maler- und Lackierermeister ist verheiratet und hat zwei Kinder. Derzeit macht er eine berufsbegleitende Zusatzausbildung zum Sozialwirt. Die Bewohner der Awo-Einrichtung kennen ihn alle, ist er sich sicher. Und er kennt das Haus in- und auswendig.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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