BMX-Radler nach Renovierung nicht glücklich

Skateanlage Martinsee: Kinder neben Rampen

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Halsbrecherisch sehen die Kunststücke aus, die BMXler mit ihren Rädern in der Luft vollführen.

Heusenstamm - Mit Schwung fährt Lyon auf seinem Bike in die Miniramp, macht auf der gegenüberliegenden Seite der halbröhren-förmigen Anlage eine Wende, um über dem Rand des Konstrukts eine akrobatische Figur in die Luft zaubert. Von Jürgen Roß 

Die Skateranlage in Martinsee, gerade für einen fünfstelligen Betrag renoviert, wird auch von BMX-Radlern genutzt. Vor sechs Jahren hatte die Stadt Heusenstamm das Sportangebot um die Anlage Skater und Biker in Martinsee erweitert. Seitdem ist das Areal in den Sommermonaten und vor allem in den Sommerferien ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche, um zusammen neue Tricks auf den Rädern oder Boards auszuprobieren.

Es ist eine eigene Szene, die sich trifft und die weit über die Grenzen der Schlossstadt gut vernetzt ist. Jugendliche kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet nach Heusenstamm, weil sie gerade die Martinsee-Anlage besonders schätzen. Sie ist im Gegensatz zu vielen anderen Bahnen in der Region, die aus Kunststoff oder Beton gefertigt sind, komplett aus Holz gearbeitet. Eine weitere Besonderheit der Heusenstammer Anlage ist, dass vor dem Bau im Jahr 2009 Jugendliche aktiv in die Planungen eingebunden worden waren. Sie konnten Wünsche und Ideen einbringen, welche Sportgeräte auf dem Gelände positioniert werden.

In den vergangenen zwei Jahren ließ die Stadt dei Anlage umfangreich sanieren. Der Holzbelag musste erneuert werden und auch einige Konstruktionen wurden durch andere ersetzt. So steht nun statt der bisherigen „Curbs“ – das ist die Nachbildung eines Bordsteines – in der Mitte der Anlage eine „Spin“, ein eher rampenförmiges Element.

Hört man den Jugendlichen in der Anlage eine zeitlang zu, merkt man an ihrer Sprache, dass sie voll in ihrem Element sind. Für Außenstehende klingen die Begriffe für die Sportgeräte und die akrobatischen Figuren fremd. Umso beeindruckender ist es, ihnen zu zuschauen, wenn sie auf den Rädern halbe oder ganze Drehungen in der Luft machen und dabei den Lenker einmal drehen.

Der achtzehnjährige Schüler Lyon verbringt zusammen mit seinen Freunden viele Stunden der Sommerferien auf seinem BMX-Rad. An diesem Tag sind nur relativ wenige Jugendliche auf der Anlage. Auf dem Plateau einer Ramp sitzen Lyon, Tobias und Tim im Schatten und ruhen sich aus. „Ich habe Oberschenkel“, sagt Tobias lachend und man kann ahnen, wir kraftraubend die Übungen auf zwei Rädern sind. Die drei Freunde reden über neue „Tricks“, die sie ausprobieren wollen.

Contest im Skaterpark

Derweil spielen etliche Kinder zwischen den Rampen: „Es nervt schon ziemlich, dass wir ständig Kinder hier haben, die die Anlage als Spielplatz nutzen“, kritisiert Tobias. Dabei habe es schon die ein oder andere nicht ganz ungefährliche Begegnung gegeben, berichten die drei. Aber nicht nur spielende Kinder in der Anlage stören die drei jungen Sportler. Auch über die Veränderungen nach der Renovierung sind sie nicht besonders glücklich: „Durch die Spin in der Mitte der Anlage fehlt uns einfach der Anlauf“, erläutren sie. Sie hätten sich eher jene Curbs gewünscht oder, noch besser, ein weitläufigeres Gelände. „Grundsätzlich sind neue Geräte ja auch okay, aber es ist einfach alles zu eng und die Anlage hat mittlerweile ihren Reiz verloren“, betont Lyon.

Die drei beobachten seit einiger Zeit, dass seit dem Umbau weit weniger Jugendliche als früher nach Martinsee kommen. „Es wäre schon gut gewesen, wenn man vor den Umbauten auch mal die Jugendlichen gefragt hätte, wie sie die Pläne finden.“ Auch Lyon, Tobias und Tim hätten gern eigene Ideen in die Anlage eingebracht. Wie die Zukunft der Skateranlage aussehen wird, entscheidet sich vermutlich in zwei Jahren, wenn für die notwendigen Sanierungen wieder Geld aus der Stadtkasse bereit gestellt werden muss. Ob sich bis dahin ein größeres Gelände findet oder die Wünsche von Lyon, Tobias und Tim auch realisiert werden können, bleibt abzuwarten.

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