Mehr 1500 Euro an Einnahmen

Gelassen an der Kasse: Halil Öztas kassiert für den guten Zweck

Unterstützung an der Kasse bekommt Bürgermeister Halil Öztas von Marktleiter Sedat Tekin (links) und Mitarbeiterin Andrea Jojic.
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Unterstützung an der Kasse bekommt Bürgermeister Halil Öztas von Marktleiter Sedat Tekin (links) und Mitarbeiterin Andrea Jojic.

Gurken, Tomaten, Wirsing, Ingwerwurzel und Lauch halten auf. Das lose Gemüse hat wie die Blumensträuße keinen Code, der über den Scanner gezogen werden kann.

Heusenstamm – Der Kassierer muss also eine PLU-Nummer auf seinem Bildschirm antippen, damit der Betrag fürs Grünzeug auf der Rechnung erscheint. Bürgermeister Halil Öztas bewährt sich am Samstag trotzdem hinter der Plexiglasscheibe im Rewe-Markt an der Alten Linde.

Die Idee, die er mit Inhaber Sedat Tekin ausgeheckt hat, klingt einfach, bedeutet für den Rathauschef jedoch eine Stunde schweißtreibende Arbeit: Öztas kassiert von 11 bis 12 Uhr im Supermarkt, der komplette Umsatz in dieser Zeit wird an drei Vereine verteilt, die während der Corona-Zeit besonders leiden.

So mancher Kunde bemerkt gar nicht, wer ihn da bedient. Viele aber erkennen den Bürgermeister, sprechen ihn mit einem flotten Spruch an. Der Aushilfskassierer grüßt freundlich und wünscht nach dem Bezahlvorgang ein schönes Wochenende. Die Schlange vor Kasse 4 reicht zeitweise bis weit in den Laden, so mancher Einkäufer stellt sich eigens dort an, um bei dem prominenten Mitarbeiter zu bezahlen.

Nach einer guten halben Stunde hat Öztas knapp 700 Euro von etwa 35 Leuten eingenommen. Da ist noch Luft nach oben, „ich muss jetzt Gas geben“, sagt er lächelnd. Von Hektik aber keine Spur, der Bürgermeister bleibt gelassen und immer zu einem kurzen Wortwechsel bereit. Viele Schlossstädter erledigen an diesem freien Tag ihre Wochen-Einkäufe.

„Die Herausforderung ist, dass man die Konzentration nicht verliert“, erzählt der Politiker später. „Man muss den Kunden fragen, ob er mit Karte bezahlt und ob er Treue-Punkte sammelt und die Daten korrekt eingeben.“ Zum Glück habe ihm Andrea Jojic die ganze Zeit zur Seite gestanden, bedankt sich Öztas, „ohne sie hätte ich nicht dieses Ergebnis erzielt“.

Exakt 1535,67 Euro hat Halil Öztas letzten Endes eingenommen. Den Betrag werde er aus eigener Tasche auf 1800 Euro aufstocken, verkündet der Sozialdemokrat, „damit jeder Verein 600 Euro erhält“. Die Spendenbox, die am Kassenband gefüllt werden kann, soll am kommenden Mittwoch um 12.30 Uhr im Rathaus ungeöffnet verlost werden, entscheidet der Initiator.

Bei den Kunden kommt der neue Kassierer gut an. „Er kann ja noch mal aushelfen, wenn Not am Mann ist“, äußert sich Monika Priebus zufrieden mit dem Einsatz des Bürgermeisters. „Begeistert“ hat Brigitte Flörke das „ganz gute“ Engagement. Soll Halil Öztas nun vielleicht den Arbeitsplatz wechseln? „Er ist doch auch im Rathaus gut“, beantwortet Martin Bardenheyer die scherzhafte Frage. „Aber es ist ganz sinnvoll, dass er mal mitkriegt, was die Leute im Supermarkt leisten“, fügt Monique Kehl lächelnd hinzu. Öztas geht dann auch noch in die Verlängerung, „weil sich die Ablösung verspätet“, informiert Assistentin Jojic. „Den kannste für alles gebrauchen“, lobt Eugen Kern die „schöne Aktion für Vereine in einem schwierigen Jahr“. Sie fördere außerdem den „Respekt vor der Arbeit der Kassiererin“. Das meint auch Zeynap Ünal: „Auf jeden Fall ist die Erfahrung wichtig.“ Öztas’ Ehefrau Meliha, die in Heusenstamm eine Boutique führt, verrät, dass er eine „gute Scanrate“ vorweisen könne. Kein Wunder – hat er doch vor seinem Studium schon mal im Supermarkt gejobbt.

Ein Dank gilt aber auch Berhan Avci, der Betriebsleiter der BABA-Sicherheitsdienste schiebt eine freiwillige Schicht und unterstützt die Aktion auf diese Weise. (VON MICHAEL PROCHNOW)

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