Ehrenamt ist Kitt der Gesellschaft

Bürgerdialog der CDU über die Zukunftschancen der Vereine

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Angeregt diskutierten die Gäste in fünf Gruppen beim CDU-Bürgerdialog über die Zukunft der Vereine. 

So viele Vertreter verschiedener Vereine in angeregter Diskussion in einem Raum: Das hat es in Heusenstamm schon lange nicht mehr gegeben.

Heusenstamm – Unter den rund 80 Besuchern der ersten Veranstaltung in der Reihe „CDU hört zu“ im Heim der TSV-Fußballer in Martinsee waren Vorstandsmitglieder von mehr als 30 Institutionen. Das Thema des Abends war das Ehrenamt.

Dieses sei, was das Gemeinwesen präge, betonte der CDU-Vorsitzende Mario Garbuio-von Au zur Begrüßung und erläuterte, seine Partei habe sich vorgenommen, allen Bürgern zuzuhören und aus diesen Gesprächen wichtige Punkte für das Wahlprogramm zu generieren. Im Frühjahr nächsten Jahres finden Kommunalwahlen statt.

Etwa zwei Millionen Menschen seien in Hessen ehrenamtlich tätig, berichtete im Anschluss der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi, und damit der Kitt der Gesellschaft. Die Landesregierung versuche, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das ermöglichen. Ehrenamtsagentur und -suchmaschine sowie die Ehrenamtskarte nannte er als Beispiele.

Schon jetzt, fuhr der stellvertretende CDU-Vorsitzende Steffen Ball fort, gebe es in Vereinen an der einen oder anderen Stelle Probleme, wenn es um ehrenamtliche Tätigkeiten gehe. Das gesellschaftliche Umfeld verändere sich, der Trend zur Individualisierung verbreite sich. Gleichzeitig zerfallen alte Familienstrukturen, immer mehr Menschen leben allein. Daraus ergebe sich die Forderung nach neuen Angeboten, sogenannten dritten Plätzen etwa, um öffentlichen Raum für die Gemeinschaft nutzen zu können. Als Beispiel dazu nannte Ball das Boule-Spiel auf dem Bahnhofsplatz, das sich zunehmender Beliebtheit erfreue. Doch all das habe auch Konsequenzen für die Vereine: „Wenn man überall Sport treiben kann, muss man nicht mehr in einen Verein eintreten.“ Aber am Ende brauche auch die Individualität den Gemeinsinn, weil es ohne diesen eben nicht funktioniere. Doch um den Bedürfnissen der Menschen nach immer spezifischeren Erlebnissen und Gemeinschaften nachkommen zu können, müsse man auch den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft fördern. Auf „coole Art“ sei das in Heusenstamm bei den Fastnachtstreibenden gelungen, die sich zusammengesetzt haben und seither gegenseitig unterstützen.

Im Stil des „World-Café“ (fünf Tische, fünf Themen, die Teilnehmer wechseln den Tisch nach jeweils zehn Minuten) befassten sich die Gäste in Gruppen danach mit fünf Themen. Die Ergebnisse fassten die Moderatoren zusammen:

Hochgradiges Interesse konnte Steffen Ball als Moderator an der Schaffung einer gemeinsamen Geschäftsstelle für mehrere Vereine festellen. Freilich müsse geklärt werden, wie etwa ein solches Vorhaben finanziert werden könne.

Von den Herausforderungen, vor denen das Ehrenamt steht, berichtete Mario Garbuio-von Au. Sowohl der fehlende Nachwuchs, als auch die sinkende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bereiteten den Vereinen Probleme.

Mit der Frage, womit man den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft fördern könne, befassten sich die Gäste am Tisch von Eugen Kern. Respekt voreinander, Identifikation mit Heusenstamm, bessere Kommunikation und gemeinsame Veranstaltungen waren nur einige Punkte.

Wie man die Zusammenarbeit der Vereine stärken könne, wurde bei Paul Sassen diskutiert. Einen neuen Versuch, einen Vereinsring als Schnittstelle und zur Koordination zu installieren, ohne alte Fehler zu wiederholen, lautete dabei ein mehrfach genannter Vorschlag.

Uwe Michael Hajdu schließlich konnte berichten, dass zwar kaum jemand etwas gegen die Abschaffung von Einweggeschirr bei Festen habe, dennoch aber Probleme bei der Umstellung auf Mehrweg-Utensilien gesehen werden.

Der nächste Bürgerdialog „CDU hört zu“ dreht sich am Dienstag, 17. März, um 19 Uhr im Haus der Stadtgeschichte (Zugang über die Eckgasse) um das Thema „Wohnen“.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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