Christlich-islamischer Dialog feiert

Reden gegen die Vorurteile

Heusenstamm - Vor zwei Jahren fanden sich Muslime und Christen erstmals in Heusenstamm zusammen, um über ihre Religionen zu reden, die jeweils andere besser kennen zu lernen. Daraus ist mittlerweile eine feste Institution geworden. Jetzt wurde das Jubiläum gefeiert. Von Claudia Bechthold 

Man kennt sich, ist miteinander vertraut. Das spürt man schon bei der Begrüßung der Beteiligten untereinander. Und wer an diesem Abend im evangelischen Gemeindehaus an der Leibnizstraße eintrifft, trägt etwas in der Hand. Denn es soll ein wenig gefeiert werden. Also bringt jeder etwas zu essen mit. Seit zwei Jahren gibt es den ökumenischen „Christlich-islamischen Dialog“, der inzwischen den Namen „Religionen im Gespräch“ trägt.

Rund 30 Interessierte waren vor zwei Jahren im Februar zum ersten Treffen erschienen. Silke Poehls, Ideengeberin für den Kreis, war seinerzeit überwältigt von dieser Resonanz. Eine türkisch-stämmige Bekannte hatte ihr damals von einem Erlebnis im Supermarkt berichtet. Sie hatte erlebt, wie zwei deutsche Frauen ganz offen über sie sprachen, während sie daneben stand. Es ging um die Religion. Silke Poehls: „Da dachte ich mir, warum reden wir übereinander und nicht miteinander.“

Außerdem wurde zu jener Zeit immer häufiger über den Islamismus diskutiert und dazu die Frage gestellt, warum distanzieren sich in diesem Land lebende Muslime nicht deutlich und laut von Islamisten.

Seitdem suchen Heusenstammer in Gesprächen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Religionen. Mal mit mehr, mal mit weniger Beteiligten, aber stets regelmäßig.

Unter anderem haben die Aktiven dieses Kreises inzwischen eine Moschee, eine katholische und eine evangelische Kirche besucht. „Gotteshäuser haben für mich ja grundsätzlich eine gewisse Anziehungskraft“, berichtet Muammer, der schon lange gemeinsam mit seiner Frau die regelmäßigen Treffen besucht. Positiv überrascht habe ihn dabei, dass die evangelische Gustav-Adolf-Kirche in der Schlossstadt sehr bescheiden sei. Aber auch St. Cäcilia habe ihm gefallen, vor allem die „faszinierenden Gemälde an der Decke“. Noch wichtiger für ihn aber sei, dass er bei diesen Kirchenbesuchen zum ersten Mal wirklich verstanden habe, was Taufe und Abendmahl für Christen bedeuten.

Muammer kam als Schüler nach Deutschland, seit 1997 lebt er in Heusenstamm. Seit kurzem besitze er einen Schrebergarten, erzählt er mit Stolz. Seine Kinder hätten dies als Zeichen gewertet, dass er nun endgültig in Deutschland angekommen sei. „Ich halte es für wichtig, dass man sich offen untereinander austauscht“, betont er. Und er wünsche sich, dass noch engere Freundschaften entstehen zwischen den Menschen unterschiedlicher Religionen, dass die Klischees, die Vorurteile abgebaut werden können: „Ich wünsche mir, dass wir, wenn mal wieder so ein Vorurteil eine Rolle spielt, aufstehen und sagen können: Das stimmt so nicht, ich weiß es besser.“

Mit Silke Poehls teilt Muammer noch einen weiteren Wunsch: Zu den Treffen sollten auch Angehörige anderer Religionen und Atheisten kommen, denn man wolle sich mit allen austauschen. „Wobei wir inzwischen auch bei vielen Alltagsthemen angekommen sind“, sagt Silke Poehls und nennt verschiedene Rollenbilder oder die Kindererziehung als Beispiele.

Frühlingshafte Bilder aus Heusenstamm

Mit der Umbenennung in Religionen im Gespräch verbindet Pfarrer Sven Sabary auch die Öffnung der Themen. „Wir wollen nicht nur über Religiöses reden, sondern auch über Kulturelles“, betont er und freut sich über das aktive Orga-Team um Silke Poehls, Sabine Gross und Reinhard Horch.

Die Treffen sind am jeweils dritten Donnerstag eines Monats um 19.30 Uhr im Gemeindehaus und Familienzentrum, Leibnizstraße 57. Das nächste ist am 17. Mai.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: picture alliance / dpa

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