Nach dem Lockdown

Corona und die Friseure: „Wir könnten 24 Stunden am Tag arbeiten“

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Viel Zeit fürs Foto bleibt nicht: In der ersten Woche nach dem Shutdown haben Friseurin Saskia Sträter (links) und Salonchefin Nezi Barak alle Hände voll zu tun. 

Ein Spaziergang an der frischen Luft, neues Grün im Garten oder auf dem Balkon oder einfach nur ein frischer Haarschnitt nach wochenlanger Abstinenz – die Auswirkungen der Beschränkungen in Zeiten der Pandemie wecken bei vielen Menschen wieder die Freude an den kleinen Dingen. 

Heusenstamm - Wer hätte vor Corona gedacht, dass das monotone Summen einer Haarschneidemaschine eine fast zen-ähnliche Entspannung auslösen könnte. Wie sehr viele Kunden während des Shutdowns den Friseurbesuch vermisst haben, beweist das Dauerklingeln des Telefons im Hintergrund. „Entschuldige, ich muss schon wieder“, sagt Friseurin Saskia Sträter und greift zum Hörer.

 Ein freier Termin? Frühestens in zwei Wochen wieder. „Wir könnten im Moment 24 Stunden am Tag arbeiten“, bestätigt sie nach dem Telefonat. Ihren wöchentlichen Ruhetag am Mittwoch wollen Saskia Sträter und Chefin Nezi Barak vom Salon „Nezi – aus Liebe zum Haar“ trotzdem nicht opfern. 

Corona in Heusenstamm: Friseurinnen können nicht immer zeitnah Termine vergeben

Manche Anrufer könnten das nicht verstehen, reagierten mitunter schon mal verschnupft, wenn sie nicht zeitnah einen Termin bekommen. „Ihr hattet doch jetzt lange genug frei“, hat sie in der vergangenen Woche mehr als einmal gehört. „Aber irgendwann müssen wir ja auch mal ausruhen“, sagt die junge Frau.

Zumal die strengen Vorsichtsmaßnahmen die Arbeit für die Friseurinnen anstrengender machen. „Vor allem der Mundschutz nervt im Laufe des Tages doch ganz schön, weil man darunter schlecht Luft bekommt“, gesteht Sträter. So bis 16 Uhr lasse es sich aushalten, „spätestens ab dann schmerzt der Gummizug an den Ohren“.

Corona in Heusenstamm: Arbeiten für Friseurinnen ist anders

Auch das Arbeiten selbst sei ein ganz anderes. „Wir schaffen nur etwa halb so viele Kunden am Tag, wie sonst“, erläutert sie. Aus diesem Grund bietet der Salon aktuell besonderes aufwendige Leistungen, wie beispielsweise Haarverlängerungen, die sich schon mal über einige Stunden hinziehen können, nicht an. Und vor jedem Haarschnitt gilt: Haarewaschen ist Pflicht.

Corona in Heusenstamm: Friseurinnen ist wichtig, dass Termine eingehalten werden 

„Wichtig ist vor allem, dass die Termine genau eingehalten werden, damit niemand lange vor der Tür warten muss“, ergänzt Nezi Barak. Denn in den Salon dürfen jeweils nur zwei Besucher gleichzeitig, von denen einer im hinteren Teil, einer im vorderen geschnitten wird. Das macht auch den Austausch zwischen der Saloninhaberin und ihrer Kollegin schwierig. 

„Wir haben diese Woche eigentlich noch gar nicht wirklich miteinander quatschen können“, bemerkt letztere und lacht. Selbst die Zeit für eine kleine Pause zwischendrin werde schon mal knapp. Denn die kennt das Telefon, das schon wieder klingelt, auch nicht.

Von Thomas Holzamer

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