Aus den Augen, aus dem Sinn

Viele Hygieneartikel werden in die Toilette geworfen – Kläranlage mit Problemen

Die Regler fest im Griff: Tobias Mathieu leitet Heusenstamms Kläranlage.
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Die Regler fest im Griff: Tobias Mathieu leitet Heusenstamms Kläranlage.

In Heusenstamm landen vermehrt Hygieneartikel in der Toilette. Die unerwünschten Abfälle im Abwasser setzten der Kläranlage zu. 

  • Die Kläranlage in Heusenstamm kämpft mit Verschmutzungen
  • Problem sind achtlos in die Toilette geworfene Hygieneartikel
  • Reststoffe im Abwasser in der Coronavirus-Krise spürbar erhöht

Heusenstamm – Es ist wohl häufig eine Mischung aus Unwissenheit und Achtlosigkeit: Viele Menschen werfen Feuchttücher und andere Hygieneartikel in die Toilette und spülen sie einfach weg. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch nicht nur während der Corona-Pandemie, wenn viele von zu Hause arbeiten und entsprechend mehr die Toiletten benutzt werden, kann dies für die heimischen Kläranlagen schnell zum Problem werden.

 Erst vor Kurzem hatte die Stadt eine Mitteilung veröffentlicht, die darüber informierte. „Ob der Aufruf schon Wirkung zeigt, ist noch nicht genau zu sagen; das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen sehen“, berichtet der neue Leiter der Heusenstammer Kläranlage Tobias Mathieu.

Corona in Heusenstamm: Kläranlage kämpft mit Verschmutzungen – Feuchttücher problematisch

Das Problem mit Feuchttüchern: Im Gegensatz zu Toilettenpapier zersetzen sie sich nicht im Wasser. Gerade in den kleineren Pumpwerken, die das Abwasser zur Kläranlage fördern, kann dies zu Störungen führen. Die Tücher setzen die Pumpen zu und diese funktionieren in der Folge nicht mehr.

„Gerade nachts ist das dann ärgerlich, wenn ein Mitarbeiter extra dafür ausrücken muss“, erläutert Mathieu. „Dann muss die Pumpe aufgeschraubt und komplett gereinigt werden.“ Die Kosten für die Reinigungen werden schließlich über die Abwassergebühren wieder auf alle Bürger verteilt.

Heusenstamm: Mehr Reststoffe durch die Corona-Krise im Abwasser

Aktuell halte sich die Abfallmenge im städtischen Abwasser laut dem 38-jährigen Leiter noch in Grenzen. Durch Corona-Krise und ihre Auswirkungen habe sich die Gesamtmenge an Reststoffen im Abwasser jedoch spürbar erhöht, wobei die Abwassermenge – täglich rund 3000 Kubikmeter – allerdings ähnlich hoch geblieben sei.

Damit kommt die Kläranlage der Schlossstadt noch relativ gut weg, in anderen Gemeinden sah die Lage in den zurückliegenden Wochen schon schlechter aus. Erst vergangenen Monat rief die Stadt Mörfelden-Walldorf zu mehr Achtsamkeit auf. In deren Kläranlage waren doppelt so viel Faserabfälle verzeichnet worden als zwei Wochen zuvor. „Nicht nur Feuchttücher sind ein Problem, sondern generell alle Hygieneartikel“, sagt Mathieu. Dazu gehören auch Kosmetiktücher, Tampons, Wattestäbchen und vieles mehr, was eigentlich über den Hausmüll entsorgt werden sollte.

Auch Öle und Fette gehören nicht in die Toilette gekippt, da sie aushärten können und das ebenfalls zu Ablagerungen und Verstopfungen führen kann. Ebenso sollen Lebensmittel nicht einfach weggespült werden, da diese die Vermehrung von Rattenpopulationen begünstigen.

Corona-Krise in Heusenstamm: Virus-Infektion über Abwasser in der Kläranlage sehr unwahrscheinlich

Aber nicht nur das unbedachte Entsorgen stellt die Mitarbeiter der Kläranlage vor Herausforderungen. „Wir müssen natürlich besonders auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter achten, deshalb arbeiten wir derzeit nur in getrennten Schichten, dabei hat uns auch Bürgermeister Halil Öztas unterstützt“, erläutert Tobias Mathieu. So versuche man, die Anzahl der Mitarbeiter besser aufzuteilen. Denn würde einer sich mit dem Coronavirus anstecken, müssten die anderen Mitarbeiter ebenfalls in Quarantäne, „und dann wäre die gesamte Anlage unbesetzt“.

Die Gefahr für das Team der Kläranlage, sich beispielsweise über das Abwasser zu infizieren, sei allerdings sehr gering, da sich der Erreger vor allem über Tröpfcheninfektionen nach Kontakt mit Erkrankten verbreite: „Das Virus kann zwar nicht aus dem Abwasser herausgefiltert werden“, weiß Mathieu. „Aber eine Infektion über das Abwasser ist laut Experten sehr unwahrscheinlich; ganz genau weiß man das allerdings bisher nicht.“

Die Stadt Heusenstamm erneuert die Trinkwasserleitungen und den Großteil der Hausanschlüsse. Es ist deswegen etwas lauter im Ostend der Schlossstadt

Vielen Vereinen in Heusenstamm werden die Einnahmen aus wegen Corona ausfallenden Festen fehlen. Sie hoffen auf die Soforthilfe für gemeinnützige Vereine.

VON LUKAS REUS

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