„Kündigung wäre ein Fiasko“

Dachstein-Hersteller Braas weist Vorwürfe zur Sandförderung zurück

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Seit 1954 ist das von Rudolf Braas gegründete Dachsteinwerk an der Rembrücker Straße ansässig.

Seit Wochen steht die Sandförderung im Wald bei Martinsee im Mittelpunkt von Diskussionen. Zum einen muss der Vertrag der Stadt mit der Firma Braas aktualisiert werden.

Heusenstamm –  Zum anderen fordern die Grünen im Stadtparlament inzwischen, die Vereinbarungen mit Braas sofort zu kündigen und den Sandabbau einzustellen (wir berichteten).

„Das wäre für uns ein Fiasko, denn wir müssten vertragsbrüchig werden im Verhältnis zur Sand- und Kieswerke GmbH, die den Sand fördert“, sagt Annemarie Schuth, Finanz-Geschäftsführerin für Deutschland in der BMI Group, zu der das Braas-Werk in Heusenstamm gehört. Denn den Abbau hat jene Firma von Anfang an übernommen. Und der Dachsteinhersteller kauft den Sand von jener Firma, die nichts mit Braas oder BMI zu tun hat.

Als der Sandabbau im Wald bei Martinsee Anfang der 2000er Jahre angestrebt und schließlich auch vereinbart wurde, habe es zeitgleich die grundsätzliche Entscheidung gegeben, Sand und Kies nicht mehr in Eigenregie zu gewinnen, erläutert Unternehmenssprecher Bernard Gualdi die Vorgeschichte. Der Sand selbst aber sei immens wichtig für die Herstellung der Dachsteine. Also habe man einen Vertrag mit der Sand- und Kieswerke GmbH geschlossen, die den Bodenschatz hebt und Teile davon an Braas verkauft.

Nach der Vereinbarung mit der Stadt über den Sandabbau, die derzeit auf dem Prüfstand steht, zahlt Braas neben einem Grundbetrag an die Stadt je geförderte Tonne 40 Cent, sofern das Unternehmen den Sand für den Eigenbedarf kauft, und 90 Cent je Tonne, die die Sand- und Kieswerke GmbH an andere Abnehmer verkauft. Etwa 14 Euro je Tonne Sand zahle man zudem an diese Firma, die nichts mit der BMI-Gruppe zu tun habe, wie die Braas-Vertreter in diesem Zusammenhang versichern. Diese GmbH sei völlig unabhängig.

Rund 190 000 Euro hat die Stadt bislang jährlich auf diese Weise eingenommen. Mindestens 36 000 Tonnen der insgesamt zugelassenen 180 000 Tonnen Sand pro Jahr muss Braas selbst kaufen.

Auch die Vorwürfe der Grünen-Fraktion, Braas sei vertragsbrüchig geworden, weist das Unternehmen zurück. Die festgehaltene Vereinbarung, dass nicht weniger als 175 Mitarbeiter am Standort Heusenstamm beschäftigt sein dürfen, habe man nicht unterschritten. Eine Garantie auf 600 Beschäftigte, wie sie von den Grünen im Stadtparlament zitiert wird, habe es nie gegeben, sagt Unternehmensjuristin Marion Schlitt.

Aktuell habe das Werk Heusenstamm 223 Mitarbeiter, betont Annemarie Schuth. 2017 etwa seien es 191 Beschäftigte gewesen.

In der Schlossstadt werden, so erläutert Burkhard Theuerkauf, Direktor für die Dachsteinproduktion in Deutschland, weiterhin Dachsteine hergestellt, allerdings andere als vor 20 Jahren. Für diese Weiterentwicklungen benötige man einen bestimmten Sand, wie er allerdings nicht in Heusenstamm gefördert werde. Gearbeitet werde derzeit in eineinhalb Schichten, man sei allerdings dabei, auf zwei Schichten pro Tag zu wechseln. Vier unterschiedliche Modelle für Dachsteine werde auf einer Fertigungslinie an der Rembrücker Straße produziert.

Gleichzeitig habe die BMI Group große Investitionen für den Standort geplant. „In zweistelliger Millionenhöhe“, sagt Annemarie Schuth. So soll die bereits bestehende Akademie ausgebaut werden und ein Technologie-Zentrum entstehen. Die Akademie dient schon seit einiger Zeit der Schulung eigener Mitarbeiter und Kunden. Künftig sollen dort Handwerker, also „Verarbeiter“, sowie Beschäftigte die Möglichkeit erhalten, den Umgang mit den Dachbahnen aus Bitumen und Kunststoff für Flachdächer zu lernen. Und auch das Labor, in dem man Dachsteine testet, werde erweitert, um gruppenweit genutzt zu werden, auch für Flachdachprodukte.

Die Vertragsänderung war notwendig geworden, weil die Sand- und Kieswerke GmbH eine Änderung der Planfeststellung beantragt hatte, die vom Regierungspräsidium als Bergamt auch genehmigt wurde. Dabei ging es um die Rückverfüllung des Abbaugebietes, die nicht zeitgleich, sondern erst nach Abschluss der Förderung Ende 2021 erfolgen soll.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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