Antrag von SPD und Volt

„Bäume sind irreparabel tot, aber der Wald doch nicht“ – Forstamt reagiert auf Vorwürfe

Viele Bäume mussten in den vergangenen Wochen gefällt werden. SPD und Volt wollen deshalb jetzt eine Waldsatzung aufstellen lassen.
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Viele Bäume mussten in den vergangenen Wochen gefällt werden. SPD und Volt wollen deshalb jetzt eine Waldsatzung aufstellen lassen.

Betreibt das Forstamt in Heusenstamm „unsachgemäße Bewirtschaftung“? Der Leiter der Behörde weist diese Vorwürfe zurück.

Heusenstamm – Enttäuscht äußert sich Forstamtsleiter Melvin Mika auf Anfrage, dass seine Behörde bislang nicht eingebunden wurde in die Überlegungen, eine Waldsatzung für Heusenstamm aufzustellen. Einen entsprechenden Antrag haben SPD und Volt jetzt gemeinsam gestellt. Danach soll eine solche Satzung „für die Stadt Heusenstamm und die zugehörigen Waldflächen mit Hilfestellung von (stadt-externen) Fachleuten“ erstellt werden.

Heusenstamm: SPD und Volt sprechen von „unsachgemäßer Bewirtschaftung“ des Waldes

Der Forstamtsleiter weist in diesem Zusammenhang Vorwürfe zurück, die sich aus dem Begründungstext zu dem Antrag ergeben. Darin heißt es wörtlich: „Trotz der bestehenden FSC-Zertifizierung wurden im Winter 2020/2021 mehrere Waldflächen innerhalb der Heusenstammer Gemarkung unsachgemäß bewirtschaftet. Die damit einhergehende Rodung, begründet mit der Beseitigung von Bäumen mit Sturmschäden, Borkenkäfer- und Pilzbefall, führte zu irreparablen Schäden der gesamten Flora.“

Der Wald sei eines der wichtigsten Ökosysteme in der Region und man müsse alles dafür tun, ihn zu erhalten, heißt es weiter in der Antragsbegründung. Durch den Verlust von Waldfläche dringe mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre. Dies wiederum trage zur Klimaerhitzung und zum Waldsterben bei.

Heusenstamm (Kreis Offenbach): Forstamt weist Vorwürfe zurück

Er wisse nicht, was gemeint sei, wenn von „unsachgemäßer Bewirtschaftung“ die Rede sei, sagt Melvin Mika. Man habe bei den Fällungen immer darauf geachtet, dass die Fahrzeuge in den Rückegassen bleiben. Und es habe klare Vorgaben gegeben, kein gesundes Holz zu ernten. „Alle Bäume, die eine Chance haben, weiterzuleben, und sei es auch nur für ein oder zwei Jahre, bleiben stehen.“ Gefällt worden seien nur vom Sturm im August 2019 geschädigte Bäume sowie jene, die von Pilzen oder dem Borkenkäfer befallen sind.

Vor allem die weiter anhaltende Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen. So sind nach den Angaben der Internetseite heusenstamm-wetter.de in den Monaten März und April dieses Jahres schon knapp 46 Liter Regen je Quadratmeter weniger gefallen als im durchschnittlichen Mittel. Das wird auch nicht durch die gut 20 Liter „Regen-Überschuss“ je Quadratmeter aus den Monaten Januar und Februar ausgeglichen.

Heusenstamm: „Die Bäume sind irreparabel tot, aber der Wald doch nicht“

„Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass der Wald in dieser Region flächig abstirbt“, betont der Forstamtsleiter. Aber er fügt hinzu: „Die Bäume sind irreparabel tot, aber der Wald doch nicht.“ Insofern sei es auch falsch, von „Rodungen“ zu sprechen, die nur vorgenommen würden, um die betreffende Fläche einer anderen Nutzung zuzuführen. Dies sei aber im Heusenstammer Wald nicht der Fall: „Das ist noch Wald und wird wieder Mischwald werden.“

Vor allem gehe es bei den Fällungen um die Verkehrssicherheit, um den Wald als Erholungsgebiet zu erhalten. Die Alternative wäre, sagt Melvin Mika, den Wald komplett für die Menschen zu sperren. (Claudia Bechthold)

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