Aus dem Gericht

Diebesgut liegt unter dem Bett: 40 Jahre alter Drogenkonsument aus Heusenstamm zu Bewährungsstrafe verurteilt

Justitia in einem Gericht.
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Der 40-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

Einbruch, Diebstahl und Körperverletzung: Auch weil der langjährige Drogenkonsument aus Heusenstamm erstmals als Erwachsener auf eine feste Tagesstruktur blickt, setzt das Schöffengericht in Offenbach die 20 Monate Gefängnis zur Bewährung aus.

Heusenstamm – Staatsanwalt Dirk Schillhahn wirft dem 40-Jährigen unter anderem vor, Ende September/Anfang Oktober 2017 in Heusenstamm in eine Wohnung an der Lerchenstraße eingedrungen zu sein, dabei unter anderem Geld und Schmuck im Gesamtwert von 3000 Euro entwendet zu haben.

„Die Wohnung gehört einem Kumpel“, erklärt der Angeklagte. Ein paar Tage vor seinem ungebetenen Besuch hatte er den Wohnungsschlüssel des Freundes aus dessen Briefkasten gefischt. Auf der Straße habe er gewartet, ob drinnen Licht angeht, dann im Flur den Pullover übers Gesicht gezogen, um sich vor der Kamera im Treppenhaus zu vermummen. In der Wohnung habe er eingesteckt, was er finden konnte, etwa einen Topf mit rund 1000 Euro Hartgeld und diverse Sammlermünzen.

Angeklagter bracht Mutter zwei Rippen

Der Geschädigte befand sich damals im Urlaub. Daher konnte er der Polizei nur einen Zeitkorridor nennen, wann die Tat passiert sein könnte. Allerdings äußerte er den Verdacht, Täter könne sein Freund gewesen sein. Beim Angeklagten, der bei seiner Schwester wohnte, erschien die Polizei. Eine Beamtin berichtet, der Angeklagte habe überrascht, aber kooperativ reagiert, „er zeigte uns sofort sein Zimmer“. Unter dem Bett lag Diebesgut aus der Lerchenstraße.

Weiter muss sich der 40-Jährige dafür verantworten, seiner Mutter im Streit um einen Schlüssel zwei Rippen gebrochen zu haben. Er betont, „das wollte ich auf keinen Fall“. Zudem hatte ein Heusenstammer den Angeklagten beim Versuch gestellt, in eine Gartenhütte einzubrechen. Er lief weg, wurde aber kurz darauf festgenommen.

Seit dem 16. Lebensjahr konsumiert er Drogen

Mindestens bei dieser Tat stand er unter Amphetamineinfluss, wie eine Blutprobe ergab. Er behauptet, außer bei der Auseinandersetzung mit seiner Mutter sei er bei jedem ihm vorgeworfenen Delikt berauscht gewesen. Mittlerweile wohnt der Mann nach mehreren Entzügen und Therapien in Pfungstadt, arbeitet halbtags. Der vom Vormundschaftsgericht eingesetzte Betreuer bescheinigt dem Angeklagten eine gute Entwicklung. Zu seiner Mutter habe er wieder Kontakt, „das hätte ich nicht gedacht“.

Gutachter Dr. Andreas Angelov berichtet, der 40-Jährige habe ihm erzählt, in 16. Lebensjahr mit dem Konsum von Cannabis und drei Jahre später mit Amphetamin und Ecstasy begonnen zu haben. Eine nüchterne Phase habe er nur während seines einjährigen Militärdienstes als 20-Jähriger in Nordmazedonien durchlebt. Angelov bescheinigt dem ehemaligen Sonderschüler ohne Berufsausbildung eine verminderte Intelligenz, „er verfügt über kein Abstraktionsvermögen, kann nur unmittelbar bedürfnisorientiert handeln“. Er sei jedoch in der Lage, das Unrecht seiner Taten zu erkennen.

Geldstrafe und Bewährung

Staatsanwalt Schillhahn fordert für den wegen Diebstahl und Drogendelikten Vorbestraften neben einer zur Bewährung ausgesetzten 20-monatigen Haft einen Bewährungshelfer, 100 Arbeitsstunden und den Werteinzug in Höhe von 2000 Euro. Verteidiger Ulf Köper stimmt dem zu, erklärt jedoch, es brauche neben dem Betreuer keinen Bewährungshelfer. Seinen Mandanten drückten zudem schon 30 000 Euro Schulden, „man muss ihm nicht noch mehr aufsatteln“.

Das sehen Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen anders. Neben 20 Monaten Haft auf Bewährung verhängen sie den Geldeinzug von 2000 Euro. Während 80 Arbeitsstunden betreut ihn ein Bewährungshelfer. (Von Stefan Mangold)

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