„Kirche hat sich nicht verabschiedet“ 

Diskussion über FDP-Antrag zum geplanten Familienzentrum St. Cäcilia

Einen Apfelbaum pflanzten Bürgermeister Halil Öztas (Mitte), Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu (links) und Diakon Oliver Schäfer im Dezember als Zugabe zum Landesfördergeld für das Cäcilia-Familienzentrum. Foto: clb (ARCHIV)
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Einen Apfelbaum pflanzten Bürgermeister Halil Öztas (Mitte), Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu (links) und Diakon Oliver Schäfer im Dezember als Zugabe zum Landesfördergeld für das Cäcilia-Familienzentrum. 

Immer konkreter werde das Projekt auf städtischer Seite und immer mehr Signale zu einem großen Sparzwang empfange man von der katholischen Kirche, benannte der FDP-Fraktionsvorsitzende Uwe Klein im Ausschuss für Jugend und Soziales seine jüngsten Eindrücke zum Thema Familienzentrum St. Cäcilia. 

Heusenstamm –  „Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass wir uns mit dem begnügen müssen, was vorhanden ist. “ Gemeint ist damit die Befürchtung, dass das geplante Familienzentrum auf dem Gelände des heutigen Pfarrheims ohne Beteiligung der Kirche gebaut werden müsste, wenn es überhaupt verwirklicht wird.

Wie berichtet, ist ein Teil des Pfarrheims neben der Kirche St. Cäcilia in der Altstadt seit Jahren geschlossen, weil Brandschutz und energetische Bedingungen nicht mehr heutigen Anforderungen entsprechen. Die Pfarrgemeinde wollte zunächst den Pfarrheim-Komplex abreißen und dort Wohnungen sowie ein neues Pfarrheim bauen. Das Vorhaben stieß allerdings immer wieder auf Schwierigkeiten, sodass Bürgermeister Halil Öztas und Pfarrer Martin Weber vor etwa zwei Jahren den Vorschlag präsentierten, dort stattdessen jenes Familienzentrum mit Schulkindbetreuung, Kindergarten, Seniorentreff und Pfarrheim entstehen zu lassen. Im November 2018 stimmten die Stadtverordneten einer dazu erstellten Machbarkeitsstudie als Grundlage für weitere Sondierungen „im Grundsatz“ zu und beauftragten den Magistrat, die Realisierbarkeit und Finanzierung gemeinsam mit der Kirchengemeinde zu prüfen. Außerdem sollte ein Verkehrskonzept erstellt werden.

Nach einer Anfrage der FDP zu diesem Thema haben die Liberalen nun einen neuen Antrag vorgelegt, über den nun diskutiert wurde. Damit soll noch einmal klargestellt werden, dass es sich beim Familienzentrum um ein gemeinsames Projekt von Stadt und Kirchengemeinde handelt. Außerdem soll der Magistrat klären, ob und unter welchen Bedingungen die Kirche an der Absicht festhält, dort ein neues Gemeindehaus zu bauen und zu betreiben. Sollte schließlich die Kirchengemeinde dies nicht mehr beabsichtigen, müsse der Magistrat ein neues Konzept inklusive der geschätzten Investitions- und Unterhaltskosten vorlegen.

Ein Vertreter der Pfarrgemeinde habe so kurzfristig nicht zu der Sitzung kommen können, richtete Ausschussleiter Gerd Hibbeler aus. Falls es Fragen gebe, könne man sie schriftlich einreichen, diese würden dann in Abstimmung mit dem Bistum in Mainz beantwortet.

Die Kirche habe sich aus diesem Projekt nicht verabschiedet, versicherte indes Bürgermeister Halil Öztas. Es handele sich schließlich um deren Grundstück und er glaube nicht, dass man kein Interesse habe, dieses nicht zu nutzen. Man sei sich weiter einig, dass das Familienzentrum ein gemeinsames Projekt sei. Die Finanzierung müsse noch geklärt werden. Damit sehe er allerdings den zweiten Punkt des FDP-Antrags als erledigt an.

Das Bistum in Mainz habe eine Haushaltssperre erlassen und alles eingefroren, was nicht notwendig sei, berichtete Sandra Horn, Vorsitzende der Freien-Wähler-Fraktion. Daher stelle sich die Frage, wie die Pfarrgruppe ihren Teil der Finanzierung erfüllen wolle: „Sollte die Gemeinde sagen, wir haben genug Mittel, um das selbst zu tragen, ist das in Ordnung. Aber wenn Geld aus Mainz fließen soll, muss das geklärt werden.“ Und Oliver Jakoby (CDU) äußerte die Vermutung, die Kirchengemeinde werde der Stadt das Grundstück verpachten, aber selbst nicht tätig werden.

Eine Abstimmung über den Antrag gab es nicht. Jede Fraktion könne, betonte Klein am Ende, Ergänzungen zu dem Antrag vorlegen.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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