Kunst aus Heusenstamm 

Doris Bloes war früher schon im „Homeoffice“: Lebenswerk von Heusenstammer Künstlerin besteht aus Stoff

„Lebenswerk“ mit 49 Stationen: Auf einer Patchworkdecke hat Doris Bloes Erinnerungen an die vergangenen 77 Jahre festgehalten. 
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„Lebenswerk“ mit 49 Stationen: Auf einer Patchworkdecke hat Doris Bloes Erinnerungen an die vergangenen 77 Jahre festgehalten. 

Auf 49 Quadraten hat Doris Bloes ihr Leben festgehalten. Jedes davon erzählt ein anderes Kapitel. Zwar ist die 77-Jährige auch im Künstlerverein Heusenstamm aktiv und malt, das „Lebenswerk“ aber besteht aus Stoff. 

Heusenstamm – An der Patchworkdecke hat die gelernte Textildesignerin fünf Jahre lang gearbeitet und „jahrelang Stoff dafür gesammelt“.

Dass es für sie in die Textilbranche gehen würde, wusste Doris Bloes schon früh. An der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, die damals noch den Namen Werkkunstschule trug, erlernte sie Stoffdruck und Weberei. Eigentlich wollte sie Grafikerin werden. „Aber das war damals den Männern vorbehalten“, erzählt sie. Dennoch hat sie viereinhalb Jahre an der Hochschule gelernt und dort ihr Diplom gemacht. „Wir sind regelmäßig in den Palmengarten nach Frankfurt gefahren, um uns Inspiration zu holen“, erinnert sich die 77-Jährige. Das stand fest im Stundenplan.

Nach der Ausbildung zog die Frankfurterin nach Rembrücken und fing bei der Textilfirma Karl Mayer in Obertshausen an zu arbeiten. Dort schrieb sie Pläne für die Raschelwirkmaschinen, die Spitze erstmals als Meterware ermöglichte. Zwar hielt damit der edle Stoff auch Einzug in die Haushalte, doch nahm das „Geradeausdenken“ Bloes auch die Kreativität. „Ich mochte die Arbeit am Anfang überhaupt nicht“, gesteht sie, „das war so technisch“. Sie entwarf etwa Pläne für Gardinen, nahm sich die Arbeit mit nach Hause.

Abends, wenn die zwei Kinder im Bett waren, saß Doris Bloes wieder über den Plänen. „Ich frage mich bis heute, wie sie das alles unter einen Hut gebracht hat“, meint Ehemann Uwe Bloes.

30 Jahre lang arbeitete sie auf diese Weise zu Hause, bis sich sowohl die Mode als auch ihr Lebensabschnitt änderte. Irgendwann waren Spitzengardinen eben nicht mehr gefragt. Mit der Rente ließ sie die „technische“ Arbeit ruhen und begann, sich anderen Dingen zu widmen.

Zunächst versuchte sich Doris Bloes in Seidenmalerei. Die Richtung stimmte zwar, doch gefunden, was sie gesucht hat, hat sie nicht. Anfang 2000 traute sie sich an die Malerei heran – und fand Gefallen. Daneben begann sie auch, sich mit Handarbeiten zu beschäftigen. Stricken, häkeln, nähen. Das habe sie schon „immer mal nebenbei“ gemacht, für den eigenen Nachwuchs genäht.

Eine große Leidenschaft ist schließlich das Patchwork geworden. „Durch die Spitze hatte ich so eine Genauigkeit in mir“, beschreibt die 77-Jährige. Und diese konnte sie in Quilts und Tagesdecken wieder aufleben lassen. Auch dabei werden zuvor Pläne angefertigt, jedoch offener und kreativer als die für die Textilmaschinen, sodass jede Form und jede Farbe gestattet war.

Die Reste, die bei ihren Handarbeiten anfielen, dienten als Inspiration zum „Lebenswerk“. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, wurden deren Zimmer kurzer Hand umfunktioniert. In dem einen steht die Staffelei, in dem anderen die Nähmaschine. Um sich in ihrer Kunst weiterzubilden, reist die Rembrückerin gerne, besucht Malkurse in der Provence oder lässt sich von der Muse in Südfrankreich küssen. Mit Kommilitoninnen aus der Hochschule hält sie bis heute Kontakt, sie schreiben sich Briefe. Einmal in der Woche besucht sie einen Malkurs in Aschaffenburg. „Und manchmal verschwinde ich den ganzen Sonntag im Malzimmer“, erzählt die 77-Jährige.

Die vom 15. bis 24. Mai geplante Sommersausstellung des Künstlervereins Heusenstamm im Haus der Stadtgeschichte entfällt. Doris Bloes, die Kassiererin des Vereins ist, erläutert: „Wir heben uns das Thema ‚Durchblick‘ also für unsere Winterausstellung auf.“ In der Hoffnung, dass die Schau dann stattfinden kann.

Von Lisa Schmedemann

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