Elmar Götz über Folgen für Heusenstamm

Die Bulle und die Kaiserwahl

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Geschichte kann spannend sein. Professor Elmar Götz weiß, wie er dafür sorgt.

Heusenstamm - Mit einem solchen Zuspruch hatte niemand gerechnet. Schon einige Zeit vor dem offiziellen Beginn war der Saal im Haus der Stadtgeschichte besetzt. Immer wieder mussten Interessierte abgewiesen werden. Von Claudia Bechthold 

Der dritte Vortrag des Heimat- und Geschichtsvereins zum Torbau-Jubiläum drehte sich um die Goldene Bulle, das Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Referent war Professor Elmar Götz.

Dr. Roland Krebs, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, zeigt sich hocherfreut über das Interesse an den Geschichtsstunden, die der Verein aus Anlass des Kaiserbesuchs vor 250 Jahren in Heusenstamm zusammengestellt hat. Er verspricht dieWiederholung des Vortrags, jeder soll die Chance bekommen, etwas über die Goldene Bulle und ihre Folgen zu erfahren. Immerhin ist es jenen Festlegungen aus dem Jahr 1356 zu verdanken, dass Kaiser Franz I. und dessen Sohn Joseph im Jahr 1764 Heusenstamm zu einem Ziel ihrer Reise zur Wahl des neuen Königs machten.

Klar gegliedert, unterstützt mit einer reich bebilderten Präsentation, erläutert Elmar Götz den Zuhörern die geschichtlichen Zusammenhänge jener Zeit. Am Beginn aber steht die Erläuterung der kaiserlichen Insignien, des Zepters, des Reichsapfels, der prächtigen Kaiserkrone. Vor allem die Nähe zum Christentum demonstriert die Krone. Zeigt sie doch drei Könige aus dem Alten Testament (David, Salomo und Ezechias mit dem Propheten Jesaja) sowie Jesus.

Geschichte zum Anfassen

Wie groß das Heilige Römische Reich Deutscher Nation damals war und wie zerklüftet, erfahren die Zuhörer. Und dass Kaiser Karl IV. im Jahr 1356 mit jenen Gesetzen, die später als Goldene Bulle in die Geschichte eingingen, in erster Linie erreichen wollte, dass es weniger Auseinandersetzungen um die Macht im Reich geben sollte. Deshalb regelt das Gesetzeswerk vor allem Modalitäten zur Wahl und Krönung eines neuen Kaisers. Dabei wurde auch der Einfluss des Papstes auf die Kaiserwahl verringert. Ihren Namen erhielt die Goldene Bulle durch ihr Siegel, zwei runden Platten aus Goldblech, die durch Prägung an der Siegelschnur befestigt wurden. Elmar Götz kann eine Replik der Goldenen Bulle herumreichen.

Stimmrecht bei der Kaiserwahl hatten die Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Ohne Stimmrecht bei diesen Wahlen waren die sogenannten Reichsritter, also jene Herrscher, die als reichsunmittelbar galten. Zu jenen zählten auch die Grafen von Schönborn, denen das Dorf Heusenstamm gehörte.

Zum Schluss ein Augenzwinkern

Zudem ist in der Goldenen Bulle festgelegt, das zur Zeit einer Wahl, die in der Batholomäuskirche, also dem Frankfurter Dom, stattfand, niemand Frankfurts Grenzen überschreiten durfte. Auch die Kandidaten für eine Wahl durften sich während dieser Zeit nicht in Frankfurt aufhalten. Das Schloss des Grafen von Schönborn in Heusenstamm war also der ideale Aufenthaltsort für Kaiser Franz I. und dessen Sohn Joseph, der zum König und direkten Nachfolger von Franz gewählt werden sollte. Heusenstamms Graf war ohne Stimmrecht, zählte aber zum Erzbistum Mainz. Das Schloss war einigermaßen standesgemäß. Und vor allem lag es direkt an der Reiseroute von Wien nach Frankfurt.

Am Ende lässt Elmar Götz mit einem Augenzwinkern eine bis heute gültige Auswirkung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation erklingen: die Melodie der deutschen Nationalhymne. Joseph Haydn hatte sie Ende 1796, Anfang 1797 für Kaiser Franz II. komponiert, den Enkel jenes Kaisers Franz, der 1764 in Heusenstamm weilte. Das Publikum lohnt ihm seine Mühe mit lang anhaltendem Applaus.

Nächster Vortrag: Donnerstag, 23. Januar, 19 Uhr, Haus der Stadtgeschichte (Eckgasse 5). Dr. Roland Krebs spannt einen kulturhistorischen Bilderbogen jener Epoche, in der der Kaiser kam.

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