Traditionen weitergeben

Suche nach einem Raum für Treffen: Eritreischer Kulturverein gegründet

Etwa 25 Mitglieder hat der neu gegründete Kulturverein, dessen Vorsitz Nazinet Pfeiffer (Dritte von links) übernommen hat. Die Sportfachfrau lebt seit 30 Jahren in Deutschland.
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Etwa 25 Mitglieder hat der neu gegründete Kulturverein, dessen Vorsitz Nazinet Pfeiffer (Dritte von links) übernommen hat. Die Sportfachfrau lebt seit 30 Jahren in Deutschland.

Die Kultur und die Tradition ihrer Heimat wollen sie bewahren und an ihre Kinder weitergeben. Rund 25 Schlossstädter mit Wurzeln in jenem ostafrikanischen Land haben jetzt den Eritreischen Kulturverein Heusenstamm gegründet.

Heusenstamm – Die Idee dazu stammt von Heinz Schiedhering, der sich seit vielen Jahren für die Menschen in Eritrea engagiert und schon viele Hilfslieferungen an den Orden der Kapuziner-Schwestern in Enghela organisiert hat. Diese Hilfe steht unter dem Dach der katholischen Pfarrgruppe.

Da Schiedhering enge Kontakte in das Land pflegt, in dem nach Angaben der Vereinten Nationen immer wieder schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen registriert werden, war er auch schnell Ansprechpartner für jene Eritreer, die als Flüchtlinge nach Heusenstamm kamen. Auch sie konnte er immer wieder unterstützen. Mehr als 50 Menschen aus diesem Land leben mittlerweile in der Schlossstadt, viele haben eine eigene Wohnung und einen Job.

Und so kam er auch auf den Gedanken, den Verein zu initiieren. Denn auch soziale Beratung und Betreuung sowie Förderung und Hilfe bei der Integration zählen zu den Zwecken des Vereins.

Vorsitzende ist Nazinet Pfeiffer. Die Sportfachfrau lebt schon seit mehr als 30 Jahren in Deutschland, hat einen Deutschen geheiratet. Ihre Muttersprache Tigrinya spricht sie selbstverständlich fließend. Aber sie kann auch Arabisch. Damit ist sie eine ideale Mittlerin. Denn es geht freilich auch um Unterstützung gegenüber staatlichen Einrichtungen. Wie im Fall einer Familie, die bislang getrennt ist. Schiedhering schildert den Fall: Mutter und Kinder leben in Heusenstamm, der Vater in Italien. Der eritreische Staat verlange von jedem seiner Staatsbürger, der nach Deutschland geht, zwei Prozent von dessen Einkommen als Steuer für den Wiederaufbau. Dies könne der Mann nicht leisten, der zudem als Oppositioneller gelte. Nun versuche der junge Verein über einen Anwalt, die Zusammenführung der Familie doch noch zu erreichen.

Zeitgleich mit der Eintragung in das Vereinsregister sucht der Vorstand um Nazinet Pfeiffer derzeit nach einem Raum als ständige Bleibe, um sich treffen zu können. Dieser soll nicht nur dazu dienen, die berühmte Kaffeezeremonie der Eritreer abhalten zu können. Auch für Feste, Taufen oder Trauerfeiern suchen sie einen Ort, für Beratung und Betreuung. Und natürlich soll gemeinsam gegessen werden. „Jeder bringt dazu etwas mit“, sagt Nazinet Pfeiffer. Neben dem traditionellen Fladenbrot des Landes, dem Injera, gibt es meistens Eintöpfe mit Lamm- oder Rindfleisch, mit Gemüse oder mit Hähnchen, Speisen mit Linsen oder Spinat.

Die Mutter von Nazinet Pfeiffer lebt seit mehr als neun Jahren in Heusenstamm. Zum Nikolausmarkt im vergangenen Dezember hat sie erstmals Handarbeiten angefertigt. Auch das will der Verein nun fortsetzen, beim nächsten Nikolausmarkt mit einem eigenen Stand dabei sein. Wichtig ist der Vorsitzenden: „Ich hoffe, dass es gut läuft mit dem Verein, und dass wir die Möglichkeit erhalten, Träume zu verwirklichen.“

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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