Streit zu schlichten, reizt ihn

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Erwin Heberer mit Mitarbeitern von BMW Brilliance im Werk Shenyang im Nordosten Chinas, die gerade eine zweitägige Schulung zur Lasersicherheit erfolgreich absolviert und dafür Urkunden erhalten haben.

Heusenstamm - Weitgereist ist der Mann. Kürzlich erst war er wieder einmal in China. In Shenyang genau, der Hauptstadt der Mandschurei im Nordosten des riesigen Landes. Doch vor allem die langen Auslandsreisen werden seltener. Von Claudia Bechthold

Weil Erwin Heberer diese neu gewonnene Zeit aber sinnvoll nutzen will, hat er sich um das Schiedsamt bei der Stadt beworben.

Erwin Heberer ist Heusenstämmer. Einer von jenen, die auch in der Schlossstadt geboren wurden. Gelernt hat er nach der Schule bei Roland, Farber & Schleicher. Maschinenschlosser war er zunächst. Dann folgte eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker. Schließlich hat er noch ein Jahr Betriebswirtschaft dazu gepackt.

1977 hat er seine eigene Firma für Gehörschutz und Schweißschutz gegründet. 1984 kam er erstmals mit Lasertechnik in Kontakt. Vermutlich ahnend, dass diese Technik Zukunft bedeutet, hat sich der heute 63-Jährige mit der Sicherheit bei Arbeiten mit dem Laser befasst. Vor allem hat er dabei Prüfverfahren entwickelt, wie man Laser-Schutzwände testen konnte. Diese Verfahren und Risikobewertungen sind in die internationale Normierung eingeflossen. Noch immer ist Erwin Heberer als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Lasersicherheit bei Lasern der Materialbearbeitung begehrt.

Neu gewonnene Zeit

Die eigene Firma ist längst abgegeben. Die Kinder hatten kein Interesse daran. „Und ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, die Firma mit 60 weiterzugeben“, sagt er. Vier Jahre stand er den Nachfolgern noch als Berater zur Verfügung, doch diese Verpflichtung ist nun auch ausgelaufen.

Aufgehört zu arbeiten hat Erwin Heberer dennoch nicht. Er fertigt weiter Gutachten an, und er schult Mitarbeiter von Firmen, die mit Lasertechnik arbeiten, zu Sicherheitsbeauftragten. Aber es ist weniger geworden, meint er, längst nicht mehr der Stress, den er früher hatte. Und er genießt es, mehr Zeit zu haben: „Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, dann fahre ich lieber Landstraße als Autobahn, weil man da viel mehr sieht und auch mal anhalten kann, um sich zum Beispiel eine Kirche oder ein Schloss anzusehen.“

Auch den Urlaub verbringt er ganz gern in Deutschland. So hat er gerade erst mit seiner Frau Mechthild die mecklenburgische Seenplatte bereist.

„Das hat mich gereizt“

Mit der neu gewonnenen Zeit wollte er aber auch noch etwas für die Gemeinschaft anfangen. Ehrenamtlicher Handelsrichter ist er schon seit mehr als 20 Jahren. Jetzt sollte noch etwas Soziales dazu kommen. Da erfuhr er vom Schiedsamt, das neu zu vergeben war.

„Das hat mich gereizt“, sagt er. Zumal er als Handelsrichter schon viele Gütetermine bewältigt hat. Schlichter in Streitigkeiten zum Beispiel zwischen Nachbarn zu sein, das kann er sich gut vorstellen. Deshalb freut er sich schon richtig auf diese Aufgabe. Seinen Stellvertreter Andreas Eppler kennt Heberer noch nicht. Aber das wird sich sicher ändern.

Der Magistrat jedenfalls hat ihn bereits für das Amt vorgeschlagen, die Stadtverordneten haben ebenfalls zugestimmt. Nun muss das Amtsgericht den Vorschlag akzeptieren und die beiden Schiedsmänner offiziell bestellen. Denn schließlich sollen die beiden ja Streit vorgerichtlich schlichten.

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