Kinder begeistert

Lautes Tuten gibt Feueralarm: Evangelische Kindertagesstätte übt regelmäßig den Notfall

Einmal Schlauch halten bitte: Nach der Räumungsübung dürfen sich die Kinder der Evangelischen Tagesstätte Jona an der Leibnizstraße vor dem Löschfahrzeug fotografieren lassen.
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Einmal Schlauch halten bitte: Nach der Räumungsübung dürfen sich die Kinder der Evangelischen Tagesstätte Jona an der Leibnizstraße vor dem Löschfahrzeug fotografieren lassen.

„Wir haben alle da hinten am Zaun gestanden“, ruft ein Junge und zeigt voller Stolz in die hintere Ecke des Gartens an der evangelischen Kindertagesstätte Jona an der Leibnizstraße.

Heusenstamm – Mit einer Pressluftfanfare hatte Kita-Leiterin Kerstin Wunderlich gestern Vormittag die Räumungsübung eingeleitet, die in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr veranstaltet wurde.

Das laute Tuten sollte den Kindern und Erzieherinnen einen Feueralarm signalisieren. Dann weiß eigentlich jeder, was zu tun ist. Die Kinder wissen, dass sie möglichst schnell, aber ohne Drängeln, die Räume verlassen sollen. „Im Notfall auch barfuß“, sagt Wunderlich mit Blick auf einen Jungen, der tatsächlich gerade ohne Schuhe im Freien umherläuft.

Für die Erzieherinnen bedeutet das Signal zusätzlich, dass sie die Räume und Toiletten, für die sie jeweils zuständig sind, überprüfen und die Kinder zählen müssen, um sicher zu sein, dass keines mehr im Haus ist. Und eigentlich müsste auch eine der Mitarbeiterinnen an der Straße auf die Feuerwehr warten, um alle wichtigen Informationen gleich weiter zu geben. „Das hat diesmal leider nicht so gut geklappt“, räumt Kerstin Wunderlich ein und fügt hinzu, beim nächsten Mal sitzt das dann umso fester im Gedächtnis.

Fünf Feuerwehrleute sind in einem Löschfahrzeug zur Kita gefahren. Zwei von ihnen, Frank Rebmann und Jan Kronmüller, gehen „in voller Montur“, also mit der kompletten Schutzausrüstung und Atemschutzmasken, in die Kita. Von außen „kleben“ die Kinder an den Scheiben. Sie durften inzwischen den offiziellen Sammelplatz im Garten verlassen, um den Brandschützern bei der Arbeit zuzusehen.

Katrin Rebell, stellvertretende Wehrführerin, erläutert den Kindern die Schutzausrüstung der Feuerwehr.

Nach einigen Minuten kommen alle in den Garten. Katrin Rebell, stellvertretende Wehrführerin und Sachbearbeiterin der Stabstelle Brand- und Katastrophenschutz bei der Stadt, versucht, sich bei den aufgeregten Kleinen Gehör zu verschaffen. Rebmann und Kronmüller stehen neben ihr und beginnen, die Helme und die Atemschutzmasken abzulegen. „Die Kinder sollen sehen, dass sich unter all dieser Ausrüstung Menschen verbergen“, erläutert Rebell. Dass die dick eingepackten Männer Eindruck hinterlassen, merkt man deutlich.

Ganz allmählich trauen sich die Kinder. Das Eis bricht endgültig, als ihnen die drei anbieten, mal in eine der Schutzjacken zu schlüpfen oder einen Helm aufzusetzen. Die Kinder drängen sich nun um die Brandschützer. Jeder möchte mal dran kommen. Auch wenn man fast völlig in der Jacke verschwindet. Und das Gewicht der Jacken beeindruckt natürlich.

Nun soll auch noch ein Foto vor dem Löschauto gemacht werden. Bald ist kein Plätzchen mehr zu bekommen rund um den roten Lastwagen. Gregor Gündling und Mischa Piecuch, die dort gewartet haben, erläutern immer wieder, was sich noch alles im dem Auto befindet. Schließlich ist auch das Bild gemacht und ein aufregender Vormittag geht zu Ende.

Viel zu groß ist die Schutzjacke für das Mädchen. Frank Rebmann lässt sie trotzdem anprobieren.

Noch lange sprechen die Kinder von ihren Erlebnissen. „Wenn es um Feuer und Feuerwehr geht, haben ohnehin alle immer etwas zu erzählen“, berichtet Kerstin Wunderlich.

Von der Feuerwehr haben die Erzieherinnen gelernt, wie man mit einem Feuerlöscher umgeht und was im Fall eines Brandes zu tun ist. Den Kindern bringen sie nun bei, dass sie die 112 wählen sollen, wenn es brennt.

„Und dass sie den Raum zügig verlassen sollen, oder sich ans Fenster stellen, damit wir sie finden, falls der Flur schon voller Rauch ist“, ergänzt Katrin Rebell: „Wir bauen die Suche nach Kindern auch in unsere Übungen ein, da diese sich oft verstecken statt ins Freie zu laufen.

Das Räumen üben die Kitas zweimal im Jahr. Eine Übung dazu in einer Einrichtung macht Heusenstamms Feuerwehr auf Anfrage. „Innerhalb von zwei Jahren waren unsere Kitas eigentlich alle einmal dran“, meint Katrin Rebell. Und für einen Besuch einer Kita-Gruppe im Feuerwehrhaus findet sich auch immer ein Termin. „Das müssen dann aber kleinere Gruppen sein, mit 80 Kindern, so wie heute, wäre das zu viel“, fügt sie lachend hinzu.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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