Weinempfehlung statt Jagd aufs Tor

Ex-Fußballprofi Alexander Huber lernt in Heusenstamm einen neuen Beruf

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Das Wissen über gute Weine und die Feinheiten des Kaffees sind die neuen Leidenschaften des Ex-Fußballprofis Alexander Huber.

Immer wieder wird der Kellner im Ristorante da Salvatore am Kirchplatz von Gästen angesprochen: „Sind Sie nicht…?“ Ja, er ist der ehemalige Fußball-Profi Alexander Huber. Man kennt ihn.

Heusenstamm – Denn er spielte viele Jahre für Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach und den FSV Frankfurt. Seit knapp zwei Jahren serviert der heute 34-Jährige in dem Heusenstammer Lokal, absolvierte eine Ausbildung zum Restaurantfachmann.

Bis zum September 2017 war Alexander Huber Profi-Spieler. Hoffenheim, Braunschweig und Hamburg waren weitere Stationen seiner Karriere als Mittelfeldspieler und Verteidiger. Bis ein Achillessehnenanriss ihm den Sport schwierig machte. „Ich habe nur noch mit großen Schmerzen gespielt“, sagt er über die Zeit nach der Verletzung. Und dann fiel die Entscheidung: „Ich höre auf.“

Doch darauf folgte die Frage, wie es weitergehen sollte. Schließlich war er zu dieser Zeit längst zweifacher Familienvater. „Die Gastronomie hat mich schon immer begeistert“, schildert er seine Überlegungen von damals. Und vor allem hatte er eine Leidenschaft für guten Wein. Eine Ausbildung zum Sommelier, zum Weinkellner also, das war es, was ihm vorschwebte. Doch dazu benötigte er eine abgeschlossene Ausbildung zum Restaurantfachmann.

Den „Goldenen Löwen“ am Kirchplatz, der seit 2007 von Salvatore Schiliro und dessen Frau Beate betrieben wird, kannte Alexander Huber als Gast. Drei Jahre lang hatte er noch zu Spielerzeiten in Heusenstamm gewohnt, war dort hin und wieder selbst Gast. Kurzentschlossen sprach er die Schiliros im September 2017 an, ob sie sich vorstellen könnten, ihn auszubilden. Sie konnten.

„Die Umstellung ist mir aber nicht leichtgefallen“, gibt Huber zu. Als Profi denke man, das gehe alles nahtlos so weiter. „Aber man unterschätzt das.“ Vor allem die Arbeitszeiten machten dem Familienmenschen, als den er sich selbst bezeichnet, zu schaffen. „Wenn ich spätabends heimkomme, schlafen die Kinder längst.“ Und auch an den Wochenenden ist er seitdem oft nicht zu Hause. Gerade die Samstage und Sonntage wollte er nach der Profi-Zeit seinen Kindern und seiner Frau widmen. Das jedoch funktioniert in der Gastronomie noch weniger als im Profi-Fußball.

Aber Alexander Huber ist hartnäckig. „Ich habe ein Ziel vor Augen, von dem ich denke, dass es sinnvoll ist.“ Und so hat er die Ausbildung durchgezogen, auch wenn es nicht immer einfach war. „Es gibt Tage, da macht es großen Spaß, aber auch solche, die nicht so gut laufen“, erläutert er.

Vor allem die Art der Ausbildung hat ihm gefallen. In seinem Jahrgang an der Schule, berichtet er, seien manche Kollegen, die durften im ersten Jahr nur Getränke servieren. „Das war im Löwen ganz anders. Nach drei oder vier Wochen war ich voll in den Service eingebunden.“ So habe er zum Beispiel schon nach kurzer Zeit gelernt, wie man einen Fisch vor den Gästen am Tisch filetiert. „Für mich war das gut so.“ Zumal er selbst „so etwas“ machen möchte.

Den Traum vom Sommelier hat er immer noch. Doch ob noch etwas daraus wird, weiß er nicht. Zumal sich inzwischen eine weitere Leidenschaft dazu gesellt hat. Seit Monaten nämlich fährt er regelmäßig nach Bonn, wo er in seiner Freizeit eine Ausbildung zum Barista – zum Kaffeezubereiter – begonnen hat. Sofort gerät er ins Schwärmen, wenn er davon erzählt, von den kleinen, aber feinen Unterschieden, die die Röstung der Kaffeebohnen ausmachen kann, oder dass man beim Mahlen der Bohnen durchaus auch auf die Wetterlage achten muss.

Man spürt, dass Huber mit viel Empathie bei der Sache ist. „Nur wenn man etwas liebt, kann man es gut machen“, betont er. Er habe immer besser als Durchschnitt sein wollen. Einer seiner Trainer habe mal über ihn gesagt, er sei als Spieler selten überragend gewesen, aber auch selten wirklich schlecht.

Wie es für ihn nach dem Ende der Ausbildung weitergeht, weiß er noch nicht genau. Sein großer Traum ist ein eigenes Lokal. Doch das ist nicht so einfach. Er hat Ideen, auch die, sich selbstständig zu machen, etwa mit seiner Zusatzausbildung als Barista. „Aber ich bin nicht blauäugig, ich weiß sehr genau, dass so etwas auch schiefgehen kann.“ Und dass er auf die gute Gelegenheit warten muss, bei der alles passt, vor allem mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeiten und Familie.

Und dann ist da ja auch noch seine Liebe zu Weinen. Die pflegt er weiterhin. Und sein Chef Salvatore Schiliro schätzt seine Meinung, wenn es um das Verkosten neuer guter Tropfen geht.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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