"Das sind Missverständnisse"

Ex-Stadtrats-Kandidat wehrt sich „gegen Übergriffigkeiten“ der SPD

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Mit einer öffentlichen Erklärung hat sich jetzt Gregor Fanroth, Mitte September einer von drei Kandidaten für die Wahl zum Ersten Stadtrat, an die Fraktionen im Stadtparlament gewandt. (Symbolbild)

Heusenstamm – Mit einer öffentlichen Erklärung hat sich jetzt Gregor Fanroth, Mitte September einer von drei Kandidaten für die Wahl zum Ersten Stadtrat, an die Fraktionen im Stadtparlament gewandt. Vor allem verwahrt er sich darin gegen „Übergriffigkeiten“ seitens des SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Lang.

Wie berichtet, haben die Stadtverordneten am 18. September den Ersten Stadtrat gewählt. Amtsinhaber Uwe Michael Hajdu (CDU) erhielt dabei 19 von 37 Stimmen, auf den Kandidaten Thomas Iser entfielen 18 Stimmen, auf Gregor Fanroth keine. Iser ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit in Offenbach, Fanroth ist als Beamter im höheren Dienst stellvertretender Fachdienstleiter beim Kreis Offenbach und ehrenamtlicher Stadtbrandinspektor in Heusenstamm. Vor der Wahl hatten lediglich CDU-Fraktionschef Paul Sassen und der Vorsitzende der AfD-Fraktion, Carsten Härle, Erklärungen abgegeben, dass sie für Hajdu stimmen würden.

Als Anlass für sein Schreiben nennt Fanroth die Tatsache, dass der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Lang am vergangenen Freitag – also sechs Wochen nach der Wahl – bei ihm zu Hause angerufen und seiner Frau „ein Gespräch aufgezwungen“ habe. Wörtlich heißt es: „Obwohl sie mehrfach deutlich gemacht hat, dass ich nicht da bin und er sich an mich wenden soll, hat Herr Lang ihr ungebeten einen Erklärungsversuch für das Verhalten der SPD bei den Stadtratswahlen aufgenötigt. Dieses Vorgehen erachte ich als übergriffig.“

Weiter schreibt Fanroth: „Herr Lang verkündete, die SPD habe mich ja wählen wollen. Da die FDP aber deutlich gesagt habe, sie würde Herrn Iser wählen (mit dem Argument Fanroth ginge gar nicht, aber man wolle einen Wechsel, auch weil der Bürgermeister sich nicht mit dem jetzigen Ersten Stadtrat verstehe), wäre die SPD kurzfristig umgeschwenkt. Da die Zeit sehr knapp gewesen sei und der Bürgermeister deshalb keine Zeit mehr gefunden habe, mich zu informieren, habe Herr Lang von ihm den Auftrag erhalten, dies zu tun, es aber dann leider vergessen/versäumt/nicht durchgeführt.“

Heusenstamm: "Das sind Missverständnisse"

FDP-Chef Uwe Klein sagte gestern auf Anfrage, es sei schlicht nicht richtig, dass man gesagt habe, man wähle Thomas Iser. „Wir haben uns vorher nicht erklärt, auch gegenüber den anderen Fraktionen haben wir unsere Entscheidung offen gelassen“, betonte Klein. Weiter wollte sich der Freidemokrat nicht äußern, bevor er nicht mit Rolf Lang gesprochen habe.

„Da sind Missverständnisse entstanden durch die Übermittlung Dritter“, meinte Rolf Lang gestern. Es sei möglich, dass Fanroth sich falsche Hoffnungen gemacht habe, vielleicht habe der Bürgermeister ihm auch gesagt, dass man sich eine Zusammenarbeit mit ihm vorstellen könne. Aber: „Gregor Fanroth war nie unser Kandidat.“ Und zu der Frage, warum eine Information an den Kandidaten vor dem Wahlgang durch die SPD überhaupt ein Thema war, sagte Lang: „Wir haben uns gedacht, es wäre vernünftig, ihm zu sagen, dass er sich keine falschen Hoffnungen machen soll,“

Bereits unmittelbar nach der Wahl war von mehreren Seiten Verwunderung darüber laut geworden, dass sich vor allem die Kooperation aus SPD, Grünen und Freien Wählern Heusenstamm vor der Abstimmung nicht darüber geäußert hatte, wen sie wählen will. Das ließ Spekulationen zu, Fanroth sei bewusst im Unklaren gelassen worden, um auf der bürgerlichen Seite im Parlament aus CDU und FDP Stimmen für ihn zu gewinnen.

Fanroth schreibt von einem „Sinneswandel“ der SPD, den Lang zu erläutern versucht habe. Das lässt zumindest den Schluss zu, dass es vor der Wahl Gespräche mit Fanroth gegeben haben muss, in denen Signale für eine andere Haltung der Sozialdemokraten gesendet worden sein müssen.

Für Rückfragen stand Fanroth gestern, wie in seinem Brief bereits angekündigt, nicht zur Verfügung. Ebenso war Bürgermeister Halil Öztas (SPD) nicht zu erreichen.

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